Im Blickpunkt

Gesucht: Amoris Laetitia-Familie

Können punktuelle Großereignisse dauerhaft die Familienpastoral prägen? Und in welche Richtung? Die ein oder andere kuriale Wortwahl lässt aufhorchen.
Papst Franziskus - Generalaudienz
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Die "Amoris Laetitia-Familie" wird an manchen Stellen recht großzügig bis grenzwertig ausgelegt. Papst Franziskus sollte erklären, was gemeint ist.

Die Familie als einen Ort der Berufung   auch in der Kirche und Weg der Heiligkeit würdigen: Nicht nur aufgrund zahlreicher Angriffe durch die Politik, sondern weil die christliche Ehe als Kern der Familie auch innerkirchlich unter Beschuss steht, ist dies wichtiger denn je. Familien brauchen Stärkung, Begleitung und Ermutigung. Sie sind aber auch zum Apostolat berufen. Die Neuevangelisierung wird nicht zuletzt von Familien ausgehen, die auf dem Sakrament der Ehe stehen. All das wird Papst Franziskus nicht müde zu betonen, während man angesichts deutscher Reformdebatten meinen könnte, ein geweihtes Amt innehaben zu müssen, um in der Kirche zu zählen.

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Unbekanntes Event

"Multizentrisch und breit angelegt", lautet die vatikanische Formel für die diesjährige Edition des Ereignisses. Dahinter steht auch die Einsicht, dass ein einziges großes Happening in Rom nur begrenzte Wirkung auf die Pastoral vor Ort bietet. Das durch den Heiligen Vater ausgerufene Jahr der Familie, das mit dem Weltfamilientreffen seinen Höhepunkt und Abschluss findet, lud alle Diözesen auf der Welt ein, die Familienpastoral neu zu beleben.

 

 

Der deutsche Durchschnittskirchgänger hat jedoch mit einiger Wahrscheinlichkeit weder vom Jahr der Familie, noch vom Weltfamilientreffen gehört. Fast die Hälfte der deutschen Bistümer greift das Ereignis gar nicht auf oder bewirbt lediglich eine niederschwellige digitale Impulsreihe der Arbeitsgemeinschaft für Familienbildung. Nach echten Aufbrüchen wie etwa einer dringend überfälligen Reform der Ehevorbereitung sucht man nahezu überall vergebens. Um zu verstehen, dass eine solche das Gebot der Stunde wäre, braucht es keine langwierigen synodalen Prozesse, sondern entschiedenes Handeln. Entsprechende Vorlagen gäbe es, wie den durch die österreichischen Bischöfe genehmigten Ehevorbereitungskurs "Fit für Ehe".

Jahr der Familie

Das Weltfamilientreffen ist der Abschluss dessen, was in Deutschland meist als "Jahr der Familie Amoris Laetitia" übersetzt wurde. Korrekt lautet die Übersetzung "Jahr der Amoris Laetitia-Familie". Denn die ist es, die im kurialen Vokabular bei dem internationalen Treffen gefeiert wird. Auf einer vatikanischen Pressekonferenz fragte ein Journalist, ob auch LGBT-Fahnen auf dem Weltfamilientreffen wehen würden. Antwort: Das Treffen sei der "Amoris-Laetitia-Familie" gewidmet. Ziel sei, eine Bekehrung der Pastoral hin zur Begleitung aller zu fördern. Was aber ist die "Amoris Laetitia-Familie"? Ist sie etwas anderes als die christliche Familie? Wenn ja, inwiefern? Wenn nicht, warum der Neusprech?

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Alle Menschen in allen Lebenssituationen sollten in der Kirche mit offenen Armen empfangen werden, auch wenn das leider nicht immer so gehandhabt wurde und wird. Klar ist auch, dass es eine Familie ohne Probleme oder Leid nicht gibt. Sollten deswegen alle Familienentwürfe als gleichwertig gefeiert werden? Nein. Die Begleitung hin zu einem Leben, das dem Evangelium entspricht, muss der Anspruch katholischer Familienpastoral sein.

"Amoris Laetitia-Familie"

Nicht, weil Katholiken ihre Dogmen so sehr lieben, sondern weil sie überzeugt sind, dass die Kirche Gottes Wahrheit verkündet. Sie allein kann den Menschen dauerhaft glücklich machen. Genauso kann man die Rede von der "Amoris Laetitia-Familie" verstehen. Dass sie aber auch grundfalsch verstanden werden kann, zeigt ein weiterer Blick in diözesane Familienreferate, in denen man sich Impulse dafür erhofft, "Menschen in ihrer Lebensweise anzuerkennen". Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die "Amoris Laetitia-Familie" aus dem Welttreffen herauskristallisieren wird.

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