Gottesmutter

Gotteslob mit allen Sinnen

Wie mich der Schutzmantel der Gottesmutter durch mein Leben begleitet.
Juliane Hanke
Foto: reg | Die Tür zur Wallfahrtskirche der Schwarzen Muttergottes steht offen: In Juliane Hankes Leben spielt der Gnadenort eine besondere Rolle.

Schon bei meinem ersten Besuch in der Wallfahrtskirche St. Maria in der Kupfergasse hat mich die an der dortigen Mauer befindliche Inschrift „Gehe nie vorüber, ohne ein Ave zu beten“ unwillkürlich ins Herz getroffen. Denn bei diesen Worten, einem eindringlichen Weckruf zum Gebet, meinte ich gleichsam die Stimme meiner Großmutter zu hören, die mir schon, als ich noch ein kleines Kind war, durch Gebet und Gesang eine tiefe Marienfrömmigkeit vermittelte. Unzählige Besuche in Kirchen, in denen der Gottesmutter eine besondere Verehrung erwiesen wird, prägen mich gleichermaßen wie die dort gemeinsam mit meiner Großmutter gesungenen Marienlieder, um Maria als unsere Mutter im Himmel zu verehren. 

Marias bedingungslose Demut Gott gegenüber

Die so verschiedenen Darstellungen Mariens als Schmerzensmutter, Himmelskönigin, Mutter Jesu, et cetera zeigten mir schon damals nachdrücklich, dass die Gottesmutter von den typischen Erfahrungen menschlichen Lebens keineswegs unberührt geblieben ist: Sie teilt mit uns Freude und Hoffnung, aber auch Leid und Schmerz. Diese verschiedenen Facetten des Lebens der Gottesmutter bündeln sich in wunderbarer Weise im Angelusgebet, an das ich beim Läuten der Glocken täglich erinnert werde. „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ Ihre bedingungslose Zustimmung zum Willen Gottes hat die Menschwerdung Gottes erst ermöglicht. Maria ist in ihrem „Ja“ geradezu Vorbild geworden für eine bedingungslose Demut Gott gegenüber.

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Eine solche Demut, verbunden mit dem Gefühl der Geborgenheit in Gott, mutet in unserer doch sehr verworrenen Zeit aktueller denn je an, da immer wieder die Grundprinzipien des christlichen Glaubens- und Weltverständnisses von außen infrage gestellt werden, ja sogar innerkirchlich heftig umkämpft sind. Gerade vor diesen Zeichen der Zeit ist es für mich besonders wichtig, Maria als Frau aus dem Volke immer wieder in bedingungsloser Hingabe an Jesus Christus anzurufen: „Breit um uns Deinen Mantel, Schirmherrin, Du im Sturm!“

Gegenwart braucht mehr denn je Fürsprache und Vordbild der Gottesmutter

Die Gegenwart, die durch Pandemie, Krieg und das Ringen um den Fortbestand des christlichen Lebens gekennzeichnet ist, braucht mehr denn je die Fürsprache und das Vorbild der Gottesmutter. Gerade auch für mich als Frau, die sich gegenwärtig in die Kirche einbringen und engagieren möchte, ist Maria Wegweiserin zu Christus: „Was er euch sagt, das tut.“ Diese Leitlinie für ein christliches Leben hilft mir, immer den Blick zum Himmel hin auszurichten, damit ich einst nach diesem irdischen Leben einen Platz in der himmlischen Herrlichkeit an der Seite von Christus und Maria erlange.

Eine besondere Stärkung für mein Glaubensleben und die stete Orientierung an Jesus Christus erfahre ich im betrachtenden Gebet vor dem Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes und durch die Teilnahme am heiligen Messopfer. Schon beim Betreten der Wallfahrtskirche wird durch den Blick auf das Gnadenbild, an den sich postwendend der Blick auf den prächtigen Hochaltar anschließt, förmlich die Perspektive von Maria zu Christus hingelenkt, dessen Vergegenwärtigung auf dem Altar wir begehen.

Gesang ist Spiegel und Ausdruck unserer Seele

Besonders erhebend ist dies in den festlichen lateinischen Choralämtern zu erfahren, wenn die Gläubigen in den feierlichen Lobgesang zur Ehre Gottes einstimmen, so wie es Maria im Magnifikat auch bereits getan hat. In diesem Sinne freue ich mich über die Festwoche zur Schwarzen Mutter Gottes in der Kupfergasse, die in diesen Tagen gefeiert wird. Hier ist die Symbiose von Marienverehrung und feierlicher Liturgie auf besondere Weise erlebbar, wozu die würdige Zelebration unseres Wallfahrtspfarrers Monsignore Thomas Vollmer und eine qualitätsvolle, der Sphäre des Heiligen fördernde Musica sacra ihren Beitrag leisten: Den Gläubigen geht das Herz auf, wenn der Pastor in feierlicher Weise die Lauretanische Litanei singt, wenn der Weihrauch emporsteigt, sodass das Lob Gottes und Mariens gleichsam Himmel und Erde erfüllt und mit allen Sinnen erfahrbar wird.

Eine besondere Bedeutung besitzt für mich persönlich das Singen traditionsreicher Marienlieder, wie sie im eigens für die Kupfergasse verfassten Liederbuch zu finden sind. Zum einen ist es die textliche Gestaltung, die die verschiedenen Aspekte des Lebens der Gottesmutter eindrücklich aufgreift und zum anderen wird dies ergänzt durch die an den Text angelehnte Melodik. Durch die Verbindung zwischen Text und Melodie erhält das gesungene Gebet eine besondere Affektivität, denn Singen ist noch mehr als das gesprochene Gebet Spiegel und Ausdruck unserer Seele.

Ein besonderes Ereignis ist in diesem Jahr nach längerer coronabedingter Pause die Prozession mit dem Gnadenbild durch die Kölner Innenstadt unter Teilnahme des Kölner Erzbischofs, wodurch das Bekenntnis zu Christus und seiner Mutter für die Menschen sicht- und hörbar wird. Ich bete um die Fürsprache Mariens, der Königin des Friedens, um eine gute und gesicherte Zukunft unserer Wallfahrtsstätte, des Erzbistums Köln insgesamt und nicht zuletzt auch um den Frieden auf der ganzen Welt.

Näheres zur Festwoche im Internet: https://www.kupfergasse.de/aktuelles/news/detail/Herzliche-E inladung-zur-Wallfahrtswoche-und-abschliessender-Lichterproz ession-am-11.9.2022/

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