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Alles erinnert an Gott

Manche Dinge kann man sehr lange anschauen, sie alle erinnern den Betrachter an den Schöpfer aller Dinge
Ozean
Foto: Pixabay | Wasser ist lebendig, man könnte Stunden auf die Wellen des Meeres schauen.

Vor ein paar Tagen hörte ich ein Interview im Radio. Das Thema war die Jagd. Recht schnell drehte sich das Gespräch von der reinen Beschreibung der Jagd, ihrer Geschichte und den verschiedenen Formen hin in eine philosophische Richtung. Es ging um die Naturerfahrung und die Entfremdung des Menschen von der Natur. Der befragte Hobbyjäger stellte dem Interviewpartner die Frage, auf was man denn eigentlich unendlich lange schauen könne.

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Intuitiv antwortete ich als Hörer selbst auf diese Frage mit dem Gedanken: Fische im Aquarium und Feuer! Der Hobbyjäger beantwortete kurz darauf seine eigene Frage selbst, indem er fast echoartig sagte: Feuer und Wasser.

Es bewegt sich 

Am gleichen Tag war ich mit meiner Schwester und meinen kleinen Nichten im Schwimmbad. Die Frage ließ mich nicht los, warum ausgerechnet Feuer und Wasser den Menschen unendlich zu interes-sieren scheinen. Dieser Gedanke schien nicht allein meine Erfahrung gewesen zu sein. Ich schaute in den Himmel und dachte, dass auch dieser zu den Dingen gehörte, die man unendlich lange an-schauen könnte und dass es wohl auch noch mehr davon gebe. Was hatten all diese Dinge gemeinsam?

Während ich nachdachte, fiel mir auf, dass sich all diese Dinge bewegen. Vergleicht man eine volle Badewanne mit einem Fluss, ist definitiv klar, was man länger anschauen möchte. Genauso verhält es sich mit einer Kaminfeuer-DVD und einem Lagerfeuer. Das eine ist tot. Das andere ist lebendig. Das eine langweilt einen vielleicht irgendwann. Das andere inspiriert und fasziniert. Hierin liegt viel-leicht der Grund, warum man Feuer und lebendiges, also bewegtes Wasser so lange anschauen kann.

Jetzt musste ich wieder an meine Nichten denken, die das Wasser im Schwimmbad intuitiv als zweierlei erkannten: Als bedrohlich (sie schrien zunächst, als sie ins Wasser gebracht wurden) und als unheimlich faszinierend (am Ende des Tages wollten sie das Becken gar nicht mehr verlassen). Diese Ambivalenz tragen Feuer und Wasser in sich. Sie können lebensberaubend und lebensspendend sein. Aber immer sind sie selbst lebendig.

Ganz und gar lebendig

So lebendig wie Feuer und Wasser ist auch Gott. Gott hat die ambivalenten Eigenschaften von Feuer und Wasser. Er kann das Leben nehmen, er gibt es aber auch.
Auch die biblischen Gotteserfahrungen sind oft mit Feuer und Wasser verbunden. So zeigt sich Gott in einem brennenden Dornbusch (Ex 3) und spendet selbst lebendiges Wasser, das nicht mehr durstig macht (Joh 4). Vielleicht kann man Feuer und Wasser deshalb so lange anschauen, weil es an Gott erinnert. Es erinnert an seine Allmacht und an seine Lebendigkeit. Lebendigkeit schenkt uns selbst Leben, indem wir sie anschauen. Es inspiriert und lässt uns selbst sprudeln vor Ideen.

Daher nehme ich mir vor, mich häufiger von der Lebendigkeit der Natur an Gott erinnern zu lassen. Und ich nehme mir auch vor, wieder häufiger in die eucharistische Anbetung zu gehen, denn das ist der Ort, an dem der Lebendige gegenwärtig ist. Es ist ein Ort, an dem der Lebendige uns Leben schenkt, indem wir ihn anschauen. Ein Ort, an dem sich der lebendige Gott klein und anschaubar gemacht hat und macht, damit wir wieder neu sprudeln und entbrennen können.

Isabelle Wondatschek
Foto: Privat/DT | Isabelle Wondatschek

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