Petrus Martyr: Der Wochenheilige am 6. April

Der heilige Petrus Martyr. Von Claudia Kock
6. April: Der Wochenheilige Der heilige Petrus Martyr

Die „St. Petrus von Mailand Bruderschaft“ der Kölner Bierbrauer ist eine der ältesten noch existierenden Handwerkervereinigungen. Sie ist ab 1396 dokumentiert, aber ihre Gründung geht wahrscheinlich schon auf das Jahr 1253 zurück, in dem ihr Schutzpatron heiliggesprochen wurde. Die Bruderschaft traf sich ursprünglich in der Kirche der Dominikaner, die 1221 – wenige Jahre vor dem Baubeginn des Kölner Doms – in die Rheinmetropole gekommen waren. Hier war Petrus von Mailand, dessen gewaltsamer Tod am 6. April 1252 in der christlichen Welt großes Aufsehen erregt und ihm den Namen Petrus Martyr eingebracht hatte, ein eigener Altar gewidmet.

Petrus Martyr wurde um 1205 im norditalienischen Verona geboren. Dort hatte 1184 ein Konzil stattgefunden, aus dem die Dekretale „Ad abolendam“ zur Bekämpfung häretischer Strömungen hervorging. Sie gilt als wesentlicher Schritt in der Herausbildung der Inquisition und richtete sich in erster Linie gegen die Bewegung der Katharer, die damals vor allem in Südfrankreich und Norditalien sehr verbreitet war. Die Katharer hatten – auch als Gegenreaktion auf Missstände in der Kirche durch Ämterkauf und Anhäufung weltlicher Güter – ein extremes Armutsideal und ein entsprechendes weltanschauliches System entwickelt, das vom Dualismus zwischen der geistigen und der materiellen Welt bestimmt war. Wie die antiken Manichäer führten sie die Existenz der Materie auf den bösen Schöpfergott des – von ihnen abgelehnten – Alten Testaments zurück, der im Kampf mit dem guten Gott des Neuen Testaments, dem Herrscher über die geistige Welt, stehe. Armut, Enthaltsamkeit und die Einhaltung strenger Speisevorschriften galten den Katharern als Weg zur Befreiung der Seele von der Materie. Die Bewegung, an deren Spitze sogenannte „perfecti“ standen, war streng hierarchisch geordnet und bildete schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Art „Gegenkirche“ mit eigenen Strukturen, der es gelang, viele Anhänger zu gewinnen. Zu diesen gehörten auch die Eltern von Petrus Martyr; er wurde in die Welt der Katharer hineingeboren.

Um 1220 kam der junge Petrus zum Studium nach Bologna, wo er in Kontakt mit dem wenige Jahre zuvor gegründeten Dominikanerorden kam. Dessen Gründer, der heilige Dominikus, hatte im Rahmen eines Kreuzzugs gegen die Katharer erkannt, dass nicht Waffengewalt, sondern das persönliche Glaubensvorbild durch asketisches Leben sowie die fundierte Vermittlung der Glaubensinhalte die besten Mittel waren, um Irrlehren zu bekämpfen. Auch Petrus fand so zum katholischen Glauben und trat schon 1221 bei den Dominikanern ein; den Habit empfing er aus den Händen von Dominikus selbst. Von diesem Zeitpunkt an widmete er sich unermüdlich der Bekehrung der Katharer, indem er durch Ober- und Mittelitalien zog, predigte und das Gespräch mit den Menschen suchte. 1251 übertrug Papst Innozenz IV. ihm die Vollmacht eines Inquisitors für die Städte Como und Mailand. Ob er während seiner nur sechs Monate währenden Amtszeit jemals in einen Ketzerprozess verwickelt war, ist unsicher; seine einzige durch Dokumente belegte Amtshandlung ist eine Begnadigung.

Petrus zeichnete sich durch große asketische Strenge und flammende Predigten aus, in denen er nicht nur Irrlehrer anprangerte, sondern auch Katholiken, die den Glauben, den sie bekannten, nicht ernsthaft lebten. Durch seinen Glaubenseifer konnte er viele Menschen überzeugen, zog sich aber auch den Hass vieler seiner Gegner zu, was ihm schließlich zum Verhängnis wurde: Am 6. April 1252 wurde er auf dem Weg von Como nach Mailand von Auftragsmördern überfallen und mit einer Axt erschlagen. Der Überlieferung zufolge soll er noch im Sterben den Finger in das eigene Blut getaucht und damit das Wort „Credo“ – Ich glaube – auf den Boden geschrieben haben. Schon knapp ein Jahr nach seinem Tod, am 25. März 1253, wurde er von Papst Innozenz IV. heiliggesprochen.

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