Nilus von Rossano: Der Wochenheilige am 26. September

Der heilige Nilus von Rossano. Von Claudia Kock
Heilige Nilus von Rossano

Etwa 20 Kilometer südostlich von Rom, in den Albaner Bergen, liegt die Stadt Grottaferrata. Sie hat ihren Namen von einem christlichen Oratorium aus dem 5. Jahrhundert, das aufgrund seines vergitterten Fensters als „Crypta ferrata“ bezeichnet wurde und ursprünglich zu einer römischen Villa gehörte. Über der Villa, von der noch einige Grundmauern erhalten sind, erhebt sich das Kloster „Santa Maria di Grottaferrata“, das auch als „Abbazia Greca di San Nilo“ bekannt ist. Die Territorialabtei ist das einzige heute noch erhaltene byzantinische Kloster, von denen es vor dem „Großen Schisma“ von 1054 zwischen Ost- und Westkirche vor allem in Süditalien, aber auch in Rom sehr viele gab. Es wurde im Jahr 1004, also 50 Jahre vor der Kirchenspaltung, vom heiligen Nilus von Rossano gegründet. Die Mönche sind Basilianer, folgen also der östlichen Spiritualität des heiligen Basilius, und feiern die Liturgie im byzantinisch-griechischen Ritus.

Die Besonderheit dieser über tausend Jahre alten Mönchsgemeinschaft besteht darin, dass sie auch nach der Kirchenspaltung immer in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, also der katholischen Kirche, geblieben ist und sich nicht der Orthodoxie angeschlossen hat. Das macht sie heute zu einem wichtigen „Bindeglied“ im ökumenischen Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche. Der Gründer der Gemeinschaft, der heilige Nilus, wird sowohl in der West- als auch in der Ostkirche verehrt. Sein Gedenktag ist der 26. September.

Nilus wurde um das Jahr 910 in Rossano in der süditalienischen Region Kalabrien geboren und auf den Namen „Nikolaus“ getauft. Die Gegend war eine ehemalige griechische Kolonie, die später Teil des byzantinischen Kaiserreiches wurde. Als Sohn einer einflussreichen byzantinischen Familie erhielt Nikolaus eine gute Ausbildung und wuchs im christlichen Glauben heran. Er heiratete zunächst und bekam eine Tochter, bevor er mit etwa 30 Jahren dem Ruf folgte, Mönch zu werden, sich den Basilianern anschloss und den Namen „Nilus“ bekam. Nach einem Sarazeneneinfall in Kalabrien musste er aus seiner Heimatstadt fliehen und gründete in Palma am Tyrrhenischen Meer eine Mönchsgemeinschaft, mit der er später nach Rossano zurückkehrte. Hier wurde er in der Bevölkerung schon bald als Friedensstifter und Wundertäter bekannt, und viele Menschen suchten ihn auf, um ihn um einen geistlichen Rat zu bitten. Schließlich bot man ihm sogar das Amt des Erzbischofs an, welches er jedoch ablehnte.

Im Jahr 978 wurde Rossano erneut von den Sarazenen besetzt, und die Gemeinschaft, der inzwischen etwa 60 Mönche angehörten, musste fliehen. So kamen sie nach Montecassino, wo sie von den Benediktinern aufgenommen wurden. Diese gaben den Basilianern das nahegelegene Kloster Valleluce, wo Nilus und seine Gefährten etwa 15 Jahre lang blieben. Kaiser Otto III., der Nilus sehr schätzte, bot der Gemeinschaft ein anderes, reicheres Kloster an. Ebenso wie die Bischofswürde lehnte Nilus auch dieses ab und mahnte den Kaiser nur, Buße zu tun und tugendhaft zu leben, indem er zu ihm sagte: „Du bist ein guter Kaiser, aber du bist ein sterblicher Mensch und wirst eines Tages sterben. Dann musst du von deinen Taten, den guten und den schlechten, Rechenschaft ablegen.“ Es heißt, dass der Kaiser darauf demütig sein Haupt beugte, um von Nilus den Segen zu empfangen.

Im Jahr 1004 – Nilus war mittlerweile über 90 Jahre alt – reiste er nach Tusculum bei Rom, um dort ein Kloster zu besuchen. Hier erschien ihm in einer Vision die Gottesmutter, die ihm sagte, dass dies der Ort sei, an dem seine Gemeinschaft sich dauerhaft niederlassen würde. Tatsächlich schenkte ein örtlicher Fürst ihm Ländereien, auf denen eine antike römische Villa stand. Hier wurde das Kloster von Grottaferrata errichtet. Nilus selbst erlebte zwar den Baubeginn des Klosters nicht mehr, aber die Basilianer von Grottaferrata verehren ihn bis heute als ihren Gründer und ersten Abt.

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