15. Mai: Der Wochenheilige

Hl. Charles de Foucauld

Der französische Eremit Charles de Foucauld wird am 15. Mai 2022 heiliggesprochen.
Charles de Foucauld  in Rom seliggesprochen.
| Im November 2005 hatte Papst Benedikt XVI. Charles de Foucauld in Rom seliggesprochen.

Charles de Foucauld wurde am 15. September 1858 in Straßburg geboren und wuchs zusammen mit seiner Schwester Marie bei seinen Großeltern auf. Als Schüler wandte er sich vom christlichen Glauben ab; er galt als ungehorsam und aufsässig. An der Militärakademie Saint Cyr, die er nach dem Abitur besuchte, wurde er immer wieder wegen mangelnder Disziplin bestraft.

Durch eine Stationierung in Algerien kam er zum ersten Mal mit der islamischen Welt in Berührung. Diese weckte sein Interesse so sehr, dass er 1882, mit 24 Jahren, aus dem Militärdienst ausschied und sich auf Entdeckungsreise durch Marokko begab. Er war tief beeindruckt von den Muslimen, ihrem Glauben und ihrer Gastfreundschaft: „Angesichts dieses Glaubens und von Menschen, die in ständiger Gegenwart Gottes leben, ahnte ich, dass es etwas Größeres und Wahreres geben musste jenseits der Geschäftigkeit der Welt.“

Beichten Sie!

So näherte er sich wieder dem christlichen Glauben seiner Kindheit an. In Paris suchte er einen Geistlichen auf und bat ihn, ihm im Christentum zu unterweisen. Der weise Priester antwortete: „Beichten Sie!“

Dieser Augenblick wurde zum Wendepunkt für Charles de Foucauld: „Sobald ich glaubte, dass es einen Gott gibt, wurde mir klar, dass ich nichts andres tun konnte, als für ihn allein zu leben.“ Später sagte er: „Das Geheimnis meines Lebens besteht darin, dass ich mein Herz an diesen Jesus, der vor 1900 Jahren gekreuzigt wurde, verloren habe und meine Tage nun damit zubringe, ihn nachzuahmen, soweit es meine Schwachheit zulässt.“

Lesen Sie auch:

1890 trat er bei den Trappisten ein und lebte in Klöstern in der Ardéche und in Syrien. Nach sieben Jahren, am Vorabend seiner Ewigen Gelübde, verließ er die Trappisten jedoch wieder, da diese in seinen Augen die Armut nicht radikal genug lebten, und verdingte sich als Hausdiener bei den Klarissen in Nazaret. Er erkannte immer tiefer, dass seine wahre Berufung darin lag, Jesus in seinem Leben in Nazaret nachzufolgen: in Verborgenheit und als einfacher Arbeiter.

Mit 43 Jahren ließ sich der „Kleine Bruder Charles von Jesus“, wie er sich jetzt nannte, zum Priester weihen und lebte in der Sahara unter den Tuareg, denen er ein „universaler Bruder“ sein wollte, der ihren Glauben und ihre Kultur respektierte und das Evangelium durch sein Leben verkündigen wollte. Er lebte als Einsiedler in Tamanrasset, wo er sich mit der Sprache der Tuareg befasste. Am 1. Dezember 1916, während des Ersten Weltkriegs, sollte Charles de Foucauld festgenommen und verschleppt werden, da man fürchtete, dass er als Spion für die Franzosen tätig werden könnte. Seine Einsiedelei wurde besetzt und geplündert; er selbst in den Wirren erschossen.

Charles de Foucaulds Wunsch nach einem Gemeinschaftsleben im Geist von Nazaret blieb zu seinen Lebzeiten unerfüllt. Erst 1933 bildete sich die erste Gemeinschaft, die nach der von ihm verfassten Ordensregel lebte. Heute umfasst die „geistliche Familie von Charles de Foucauld“ mehrere männliche und weibliche Kongregationen sowie Säkularinstitute und Laiengemeinschaften.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Charles de Foucauld war ein lebendiger Zeuge der Gegenwart Gottes und seiner Liebe. Er war nicht nur für viele Christen ein Vorbild, sondern auch für Muslime. Am Sonntag wird er heiliggesprochen.
14.05.2022, 21  Uhr
Franziska Harter
Themen & Autoren
Claudia Kock Charles de Foucauld Christentum Christliche Glaubensrichtungen Glaube Heiligtum Jesus Christus Muslime Trappisten

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung
Warum gibt es den Absolutheitsanspruch des Dogmas? Sind Lehre und Tradition in der Orthodoxie ein Gegensatz – oder vielmehr eine Notwendigkeit?
01.10.2022, 05 Uhr
Stefanos Athanasiou