25. Dezember: Die Wochenheilige

Hl. Anastasia von Sirmium

Anastasia wurde bei lebendigem Leib verbrannt und ihre Asche in einer Urne im Garten einer gewissen Apollonia beigesetzt.
Heilige Anastasia von Sirmius
| Der Gedenktag der heiligen Anastasia, die sowohl im Messkanon als auch in der Allerheiligenlitanei vorkommt, ist der 25. Dezember.

Am 25. Dezember, dem hohen Weihnachtsfest, werden traditionell drei Messen gefeiert: die Christmette in der Heiligen Nacht (missa in nocte), die Hirtenmesse (missa in aurora) am frühen Morgen und das Hochamt am Tag (missa in die). Dieser Brauch geht auf die päpstliche Weihnachtsliturgie zurück, wie sie in Rom seit dem sechsten Jahrhundert begangen wurde: Zunächst feierte der Papst um Mitternacht die Christmette in der Basilika „Santa Maria Maggiore“, wo die Krippenreliquien aufbewahrt werden, zog dann in der Morgenröte weiter zur Hirtenmesse in der Kirche „Sant´Anastasia“ und endete um neun Uhr morgens mit einem feierlichen Hochamt im Petersdom. Dass für die Hirtenmesse der kleine titulus Anastasiae zwischen dem Palatin und dem Circus Maximus, mitten im antiken Herzen von Rom, gewählt wurde, hat einen bestimmten Grund: Der Gedenktag der heiligen Anastasia, die sowohl im Messkanon als auch in der Allerheiligenlitanei vorkommt, ist der 25. Dezember.

Viele legendenhafte Elemente

Ihrer Vita zufolge, die erst Jahrhunderte nach ihrem Tod aufgezeichnet wurde und aufgrund zahlreicher legendenhafter Elemente kaum historischen Wert besitzt, wurde Anastasia gegen Ende des dritten Jahrhunderts in Rom geboren, als Tochter des Senators Praetextatus. Sie unterstützte und versorgte zur Zeit von Kaiser Diokletian die verfolgten römischen Christen, woraufhin sie von ihrem heidnischen Ehemann Publius hart bestraft und eingesperrt wurde. In ihrer Not schrieb sie einen Brief an den heiligen Chrysogonus, der zu dieser Zeit im Gefängnis saß. Er wurde zu ihrem geistlichen Ratgeber. Nach dem Tod ihres Ehemanns folgte Anastasia Chrysogonus nach Aquileia, wo er sich am Kaiserhof wegen seines christlichen Glaubens rechtfertigen sollte. Anastasia wohnte seinem Prozess bei und war anschließend auch bei seiner Hinrichtung anwesend.

Als sie sich zusammen mit anderen christlichen Frauen um die Beisetzung von Chrysogonus kümmerte, wurde sie verhaftet. Dann verlegte Diokletian seinen Hof von Aquileia nach Sirmium auf der Balkanhalbinsel – im heutigen Serbien – und nahm, so die legendenhafte Vita weiter, die gefangenen Christen mit. Nachdem man ihnen der Prozess gemacht und erfolglos versucht hatte, sie vom Glauben abzubringen, wurden sie in einem Boot, in dem sich ein Leck befand, auf dem offenen Meer ausgesetzt. Man wollte sie auf diese Weise ertränken, aber sie wurden auf wundersame Weise gerettet und kamen in Palmaria an. Hier wurden die Christen erneut aufgefordert, ihrem Glauben abzuschwören, aber sie weigerten sich standhaft und wurden schließlich hingerichtet. Anastasia wurde bei lebendigem Leib verbrannt und ihre Asche in einer Urne im Garten einer gewissen Apollonia beigesetzt.

Frühchristliche Märtyrerin

Soweit Anastasias legendenhafte Lebensbeschreibung. Als historisch sicher gilt, dass eine Märtyrerin mit Namen Anastasia schon in frühchristlicher Zeit in Sirmium verehrt wurde. Im Jahr 460 wurden ihre Reliquien nach Konstantinopel überführt. Von hier aus verbreitete sich die Verehrung der heiligen Anastasia nach Rom, wo sich bereits seit dem vierten Jahrhundert der titulus Anastasiae befand, eine antike Titelkirche, die ihren Namen entweder einer römischen Christin verdankte, auf deren Grundstück sie erbaut wurde, oder der Tatsache, dass sie ursprünglich der Auferstehung Christi geweiht, also eine Auferstehungskirche, eine sogenannte „Anastasis“, war. Im 5. Jahrhundert wurde die Geschichte der heiligen Anastasia von Sirmium mit dem titulus Anastasiae in Rom verknüpft; wenig später tauchte der Name erstmals im Römischen Messkanon auf. Papst Gregor der Große führte gegen Ende des sechsten Jahrhunderts den Brauch ein, hier die „Hirtenmesse“ am Weihnachtstag zu feiern.

Verehrung der Reliquien

Reliquien Anastasias werden heute an drei Orten verehrt: in „Santa Anastasia“ in Rom, im Dom zu Zagreb in Kroatien und im Kloster Benediktbeuern bei Augsburg, dessen Anastasia-Kapelle als Juwel der Kunst des Rokoko gilt. Die römische Kirche „Sant´Anastasia“ übertrug Papst Franziskus 2020 der syro-malabarischen Kirche, einer mit Rom unierten Ostkirche.

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Claudia Kock Allerheiligenlitanei Christen Christmette Diokletian Heiliger Gregor der Große Papst Franziskus Päpste Reliquien Weihnachtsliturgie Weihnachtsmessen

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