19. März: Der Wochenheilige

Der selige Vinçenc Kolë Prennushi OFM

Der Erzbischof von Shkodra hat seine Treue zu Christus und zur katholischen Kirche mit dem Leben bezahlt.
Selige Vinçenc Kolë Prennushi OFM
Foto: Archiv

Kardinal Amato sprach 2016 im albanischen Shkodra 38 Märtyrer selig, die zwischen 1945 und 1974 ermordet worden waren. In diesen Jahrzehnten war die Kirche in Albanien einer starken Verfolgung ausgesetzt. Sie begann 1945 mit der Beschlagnahmung von Kircheneigentum, einem Dekret zur Errichtung einer Nationalkirche und dem Verbot von Auslandsbeziehungen für kirchliche Würdenträger. Höhepunkt der Verfolgung war ein Gesetz von 1967, das Albanien zum ersten atheistischen Staat der Welt erklärte und jede religiöse Aktivität und Symbolik untersagte. Kirchen wurden zerstört oder nichtreligiösen Zwecken zugeführt. Die Kathedrale von Shkodra wurde damals zum Sportpalast umfunktioniert. Zur Seligsprechung war sie bis auf den letzten Platz mit Gläubigen gefüllt, deren Menge sich auch über den Kirchenvorplatz und die anliegenden Straßen ergoss. Zur Gruppe der 38 Märtyrer gehört Erzbischof Vinçenc Kolë Prennushi, der sich standhaft weigerte, sich von Rom loszusagen, um die vom Regime geplante Nationalkirche anzuführen. Sein Gedenktag ist der 19. März.

Eintritt in den Franziskanerorden

Kolë Prennushi wurde am 4. September 1885 in Shkodra geboren. Er besuchte das katholische Gymnasium und trat noch als Jugendlicher in den Franziskanerorden ein, wo er am 12. Dezember 1904 die Profess ablegte und den Namen Vinçenc annahm. Seine Studienzeit verbrachte er in Tirol. Mit 23 Jahren wurde er zum Priester geweiht und kehrte nach Albanien zurück, das damals noch zum Osmanischen Reich gehörte. Bestrebungen der Albaner zur nationalen Befreiung wurden zunächst gewaltsam unterdrückt. In dieser Situation bemühte sich Pater Vinçenc um Ausgleich und Versöhnung, vor allem zwischen Albanern christlichen und muslimischen Glaubens. Nachdem Albanien 1912 die nationale Unabhängigkeit erlangt hatte, lag sein Schwerpunkt weiterhin in der Versöhnungsarbeit und in der Armenfürsorge. Gleichzeitig bekam er verantwortungsvolle Posten in der Leitung seiner Ordensprovinz, hielt viel beachtete Predigten und Vorträge und verfasste Schriften zu religiösen und politischen Themen, wobei sich auch seine poetische Ader zeigte.

Lesen Sie auch:

Am 19. März 1936 wurde Vinçenc Prennushi zum Bischof von Sapa geweiht, vier Jahre später wurde er Erzbischof von Durrës und 1946 Erzbischof von Shkodra und damit Primas der Kirche in Albanien. Mittlerweile hatte die Kirchenverfolgung eingesetzt, erste Priester wurden verhaftet und ermordet.

Im Januar 1947 wurde Erzbischof Prennushi zum Regierungssitz in Tirana einbestellt, unter dem Vorwand, mit Staatschef Enver Hoxha einige Fragen zur katholischen Kirche in Albanien zu „besprechen“. Dieser konfrontierte den Erzbischof mit seinem wahren Anliegen: Prennushi sollte die Leitung einer patriotischen, von Rom getrennten Nationalkirche übernehmen. Der Erzbischof lehnte das Ansinnen des kommunistischen Diktators ab, worauf Hoxha ihn festnehmen ließ.

Der mittlerweile über 60-jährige Franziskaner wurde zu 20 Jahren Gefängnishaft verurteilt. Außerdem ließ Hoxha es sich nicht nehmen, den ehemaligen Erzbischof immer wieder öffentlich zu verleumden.

Gefoltert und geschlagen

In der Gefangenschaft wurde Prennushi schwer gefoltert. Er wurde mit Knüppeln geschlagen, mit Händen und Füßen an einen Haken gehängt, bis er ohnmächtig wurde, oder musste schwere Baumstämme schleppen, unter denen er zusammenbrach, während die Wärter sich über den „Pfaffen“ lustig machten. Zu den Qualen kamen Herzprobleme und Asthma; todkrank wurde er in die Krankenstation des Gefängnisses eingeliefert. Wenige Tage vor seinem Tod hauchte er seine letzten Worte: „Jetzt verstehe ich, was Goethe meinte, als er sagte: ,Mehr Licht!‘ Was der Dichter in seiner Todesstunde suchte, war nicht das Licht, das wir mit unseren fleischlichen Augen sehen.“

Er starb am 19. März 1949, dem Jahrestag seiner Bischofsweihe.

Seine sterblichen Überreste wurden der Familie übergeben, die sie heimlich in der Kathedrale von Durrës beisetzen ließ. Als diese 1967 „säkularisiert“ wurde, wurden alle Gräber geöffnet und die Gebeine zerstreut, so dass heute keine Grabstelle mehr an den Erzbischof von Shkodra erinnert, der seine Treue zu Christus und zur katholischen Kirche mit dem Leben bezahlt hat.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der selige Franziskanerpater Frédéric Janssoone gilt als Erneuerer des Franziskanerordens in Kanada.
04.08.2022, 07  Uhr
Claudia Kock
Der amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke rät enttäuschten Gläubigen entschieden vom Kirchenaustritt ab.
26.08.2022, 09  Uhr
Regina Einig
Themen & Autoren
Claudia Kock Bischofsweihen Bischöfe Erzbischöfe Franziskaner-Orden Jesus Christus Kardinäle Märtyrer Seligsprechung

Kirche

Der Pfarrer ist mehr als ein Verwalter – Liebeserklärung an einen unterschätzten Beruf.
25.09.2022, 15 Uhr
François Dedieux
Wenn der Osnabrücker Bischof nicht die Konsequenzen aus dem Zwischenbericht zum Missbrauch zieht, diskreditiert er den ganzen Synodalen Weg.
23.09.2022, 11 Uhr
Guido Horst
Im Zeichen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine fand am Dienstag das 15. Medjugorje-Friedensgebet im Wiener Stephansdom statt.
23.09.2022, 17 Uhr
Martin Kolozs