Würzburg

12. Dezember: Der heilige Vicelin

Der heilige Vicelin legte in Ostholstein als Missionar den Grundstein für den christlichen Glauben.
Der heilige Vicelin
Foto: IN | Der heilige Vicelin, der Wochenheilige vom 12. Dezember.

In Ostholstein, das auf der Halbinsel Wagrien in die Ostsee hineinragt und die Kieler Bucht von der Lübecker Bucht trennt, finden sich in einigen Dörfern romanische Feldsteinkirchen, die als „Vicelinkirchen“ bezeichnet werden. Sie wurden im zwölften Jahrhundert aus Steinen erbaut, die während der letzten Eiszeit unter den Gletschern von Skandinavien nach Norddeutschland transportiert worden und nach dem Abschmelzen der Eismassen dort liegengeblieben waren. Die Feldsteinkirchen verdanken ihren Namen dem heiligen Vicelin, der in Ostholstein als Missionar den Grundstein für den christlichen Glauben legte. Sein Gedenktag ist der 12. Dezember.

Interessiert an neuen exegetischen Strömungen

Vicelin wurde um 1090 in Hameln geboren, einem Marktflecken im Weserbergland, der sich um ein Benediktinerkloster herum gebildet hatte. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde er von seinem Onkel Ludolf, einem Geistlichen, erzogen und kam dann auf die Burg Everstein bei Holzminden. Drei Jahre lang studierte er an der Domschule in Paderborn und lehrte ab 1118 im Domstift zu Bremen. Der junge Vicelin interessierte sich für die neuen theologischen und exegetischen Strömungen, die von den Frühscholastikern ausgingen, und ging zu weiteren Studien für vier Jahre nach Laon in Nordfrankreich.

Schließlich zog jedoch nicht das scholastische Denken, sondern die Reformbewegung der Prämonstratenser Vicelin an. Als diese Regularkanonikergemeinschaft, die die feierliche Liturgie mit dem Apostolat vereinte, im Jahr 1126 von Papst Honorius II. als Orden anerkannt worden war, verließ Vicelin Frankreich und ließ sich in Magdeburg vom Ordensgründer, dem heiligen Norbert von Xanten, zum Priester weihen.

Vicelins Wunsch war es, in die Slawenmission zu gehen. Da Norbert von Xanten, damals Erzbischof von Magdeburg, ihn nicht aussandte, wandte Vicelin sich an Erzbischof Adalbero von Bremen, der seinen Wunsch erfüllte und ihn als Missionar zu den Wenden schickte, einem Teilstamm der slawischen Abodriten, die im Raum um die spätere Stadt Lübeck siedelten. In Faldera, dem heutigen Neumünster, gründete Vicelin als Basis seiner Mission ein Augustiner-Chorherrenstift. 1134 errichtete Lothar III., der im Jahr zuvor von Papst Innozenz II. in der Laterankirche in Rom zum Kaiser gekrönt worden war, im selben Gebiet die Burg Segeberg mit angeschlossener Missionskirche, von wo aus Vizelin die Wendenmission fortsetzte.

Er setzte auf Predigt und Mission

Die Mission war von politischen Unruhen überschattet, da die Wenden sich gegen die Ansiedlung bereits christianisierter niederländischer und sächsischer Siedler in ihrem Gebiet wehrten. Der Höhepunkt dieses Konflikts war der Wendenkreuzzug im Jahr 1147, der zur Unterwerfung der Slawen führte. Als Friedensbedingung wurde diesen auferlegt, das Christentum anzunehmen. Vicelin zwang jedoch niemandem die Taufe auf, sondern setzte auch weiterhin auf die Predigt und das Vorbild der Christen, um sein Missionswerk fortzusetzen. Die Bistümer Oldenburg, Ratzeburg und Mecklenburg wurden gegründet; 1149 empfing Vicelin von Erzbischof Hartwig von Hamburg-Bremen die Weihe als Bischof von Oldenburg. An vielen Orten ließen er und seine Nachfolger die charakteristischen „Vicelinkirchen“ erbauen. Nicht lange nach seiner Bischofsweihe erlitt Vicelin einen Schlaganfall und zog sich nach Faldera zurück. „Zwei und ein halbes Jahr war er auf dem Schmerzenslager und konnte weder sitzen noch liegen“, schreibt Vicelins Zeitgenosse und Mitbruder Helmold von Bosau in seiner „Chronik der Slawen“. Er musste von den Brüdern in die Kirche getragen werden, denn „nie wollte er bei der Messe oder dem heiligen Abendmahl fehlen, außer wenn die zu heftig werdende Krankheit es ihm verwehrte“.

Vicelin starb am 12. Dezember 1154. 1332 siedelte die Klostergemeinschaft in das nahegelegene Bordesholm über und nahm Vicelins Reliquien mit. Diese sind seit der Reformation verschollen; in der Klosterkirche Bordesholm erinnert nur noch eine Gedenktafel an die einstige Grabstätte des „Apostels der Wenden“.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.

Weitere Artikel
Junge Leute, Waisenkinder und Menschen im Not standen im Mittelpunkt des Handelns des heiligen Luigi Orione.
12.03.2022, 05  Uhr
Claudia Kock
In Altären findet sich meist mehr als eine Abbildung jener Menschen, die man als vorbildlich in der Christusnachfolge bezeichnen kann.
17.07.2022, 15  Uhr
Barbara Stühlmeyer
Mit Bonifatius begann die Geschichte des Christentums in Deutschland. Bonifatius war einer der ersten großen "global player" in Europa, der Volksgruppen verbunden hat sowie Gott und Mensch in ...
08.01.2022, 09  Uhr
Karlheinz Diez
Themen & Autoren
Claudia Kock Bischofsweihen Bischöfe Christliche Glaubensrichtungen Erzbischöfe Eucharistie Heilige Honorius II. Missionare Ordensgründer Päpste Reformation der christlichen Kirchen

Kirche

Beeindruckendes Buch: Andreas Sturm beschreibt seinen Weg zum Austritt aus der katholischen Kirche mit schonungsloser Ehrlichkeit. Ein Spiegel der Kirche unserer Tage.
06.08.2022, 07 Uhr
Peter Winnemöller
Die Mehrheit der Katholiken ist gegen sie. Die Abgabe ist längst nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht zukunftsfähig. Die jüngste Umfrage ist nur ein Warnschuss.
05.08.2022, 11 Uhr
Peter Winnemöller