Die letzten Dinge

Jesus Christus als der Weg

Führen alle Religionen zum ewigen Leben? Heute meinen viele, Gott wolle das Heil aller, egal auf welchem Weg. Wer aber dem Mensch gewordenen Gott begegnet ist, für den ist Christus der alleinige Mittler.
Verklärung Christi
Foto: gemeinfrei | Nicht einfach ein Prophet unter anderen: Jesus Christus. Im Bild die Verklärung von Raffael (vatikanische Museen).

In Zeiten des interreligiösen Dialogs ist der Eindruck entstanden: Alle Wege führen zu Gott und damit zum ewigen Leben. Dies gelte selbst dann, wenn sich die Wege kolossal unterscheiden. In diesem Kontext wird oft das Bild vom Baum verwendet. So wie er verschiedene Äste hat und sie alle in den Himmel ragen, so verhalte es sich auch mit den unterschiedlichen Religionen. Sie alle seien Wege, die gleichermaßen zum Ziel führen würden. Das Gesagte scheint sich zu bestätigen, schließlich „ist Gott Liebe“ (1 Joh 4,8). Er will das Heil aller (vgl. 1 Tim 2,4) und so sei es letztlich egal, auf welchem Weg man zu Gott gelange.

Eine verkürzte Sicht auf die Heilige Schrift könnte in der Tat zu einer derartigen Annahme verleiten, sie hat aber wenig mit dem Evangelium gemein, in dem es heißt: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden“ (Mk 16,15-16). In dieser Aussage spiegelt sich Jesu Christi Selbstverständnis wider, der nicht als ein Prophet von vielen gekommen ist, sondern als Sohn Gottes Mensch wurde. Er ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Wenn dies im Glauben angenommen wird – und es ist die zentrale Aussage des christlichen Glaubens – dann verändert sich alles. Folglich ist Jesus Christus nicht jemand, der „nur“ über Gott spricht, sondern er ist Gott selbst, der spricht. Diese unmittelbare und unübertreffbare Nähe Gottes ist der Weg des Heils.

So heißt es in der Apostelgeschichte: „Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden“ (Apg 4,12). Diese Aussagen finden sich im Anspruch Jesu Christi wieder, der von sich sagte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6). Gott ist Mensch geworden, nicht um auf eine Fülle von Wegen hinzuweisen, die eventuell zum ewigen Leben führen könnten, sondern er ist Mensch geworden, weil er selbst der Weg ist. Deswegen sagt der Herr zu seinen Jüngern vor der Himmelfahrt: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,19-20).

Christus allein ist Mittler und Weg

Demzufolge kann es keine unterschiedlichen Heilswege geben, sondern nur den einen von Jesus Christus geoffenbarten Weg, der die Annahme Jesu Christi voraussetzt. Weil er das ewige Wort des Vaters ist, kann nur derjenige Heil und ewiges Leben finden, der ihn – sein Wort – annimmt. In den Himmel ragen nicht viele Äste, um noch einmal das Bild vom Baum aufzunehmen, sondern nur der „Ast“ des Kreuzes, das Zeichen des Heils und der Erlösung.

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Dieser inneren Logik folgend hat das Lehramt der katholischen Kirche mit Autorität erklärt: es ist „fest zu glauben, dass es nur eine einzige, vom einen und dreifaltigen Gott gewollte Heilsordnung gibt, deren Quellgrund und Mitte das Mysterium der Fleischwerdung des Wortes ist, des Mittlers der göttlichen Gnade in der Schöpfungs- und in der Erlösungsordnung (vgl. Kol 1,15-20), in dem alles vereint ist“ (vgl. Eph 1,10).

Die Christen in den ersten Jahrhunderten haben das Christsein als Weg zu Gott verstanden, einen Weg, den Gott geoffenbart hat und der ein Weg mit Gott ist (vgl. Mt 28,20). Dabei geht es um das Licht Christi, das die Herzen der Menschen erleuchtet und Teilhabe an Gott ermöglicht. So konnte der Apostel Paulus sagen: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7). Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies unterstrichen und bekräftigt: „Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil.“

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