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Freiheit: Größe und Abgrund des Menschen

Jeder muss sich entscheiden: Nach dem Urbild Gottes zu leben oder sich von der Wahrheit und dem Guten abzuwenden. Dafür muss er dann aber auch die Verantwortung übernehmen.
Johann Wenzel Peter - Adam  und eva im Paradies
Foto: Gemeinfrei | Der Mensch wurde als Abbild Gottes geschaffen. Die Freiheit gehört dazu.

Um das richtige Verständnis von „Freiheit“ wurde und wird immer wieder gerungen. Nicht nur die Heilige Schrift, sondern auch die Profangeschichten spiegeln dies wider. So stand die Französische Revolution unter der Prämisse von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit,“ endete aber bald in der Schreckensherrschaft, unter der Zehntausende mit der Guillotine hingerichtet wurden. Gerade vor dem Hintergrund geschichtlicher Ereignisse und politisch-religiöser Vorgaben stellt sich die Frage, ob der Mensch frei und damit für sein Handeln verantwortlich ist. Was schon allgemein gilt, spitzt sich im Hinblick auf das Verhältnis des Menschen zu Gott noch einmal zu, denn wenn der Mensch frei ist, muss er für sein Leben vor Gott Verantwortung übernehmen. Ist der Mensch also frei?

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Als Abbild dem Urbild verpflichtet

Schon das Buch Genesis, in dem die Schöpfung der Welt und der Menschen beschrieben wird, gibt auf diese Frage Antwort. Darin heißt es: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn.“ (Gen 1,27) Der Mensch ist nicht Gott, aber ihm ähnlich, weil er sein Bild in sich trägt. Auf diese Weise wird die Würde des Menschen beschrieben, die in der Freiheit den zentralen Ausdruck findet. Damit ist zweierlei gesagt: Der Mensch ist nicht determiniert; er wächst nicht wie ein Baum oder eine Pflanze, sondern er entscheidet über sein Leben. Zugleich handelt es sich um eine echt menschliche Freiheit. Was bedeutet das?

Der Mensch ist nicht selbst das Urbild (Gott), sondern Abbild. Ein Abbild bleibt aber nur dann Abbild, wenn es dem Urbild verpflichtet ist. Die menschliche Freiheit gelangt folglich nur dann zur Fülle, wenn sie dieser inneren Richtung folgt, andernfalls würde sich der Mensch selbst betrügen, er würde unfrei. Im Johannesevangelium beschreiben die Worte Jesu das Gesagte anschaulich, es geht darum, „die Wahrheit [zu] erkennen und die Wahrheit wird euch befreien“. (Joh 8,32) Dies war in der ursprünglichen Schöpfung gegeben, die Menschen lebten in perfekter Harmonie mit Gott und der Schöpfung.

Einmal in der Welt 

Größe und Würde des Menschen bestehen darin, frei zu sein, die Möglichkeit zu haben, in Freiheit selbst gegen Gottes Gebot handeln zu können. Und genau dies ist passiert. Verführt durch die Macht des Bösen, haben die ersten Menschen sich von der göttlichen Ordnung und dem Gebot Gottes abgewandt. Durch die Sünde haben sie jenen Zustand ursprünglicher Heiligkeit und Gerechtigkeit verloren, in dem die Freiheit richtig geordnet war.

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Der Apostel Paulus hat die sich daraus ergebenen Konsequenzen im Brief an die Römer dargelegt, als er unterstrich, dass „durch einen einzigen Menschen die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod“. (Röm 5,12) Dieses Geschehen lässt sich mit der Wirkung eines Virus vergleichen, der – einmal in die Welt gesetzt – sich nicht mehr eindämmen lässt und sich auf die ganze Menschheit ausbreitet. Die natürliche Harmonie ist zerstört (vgl. Gen 3,7), „die ganze Welt steht unter der Macht des Bösen“ (1 Joh 5,19). Die Sünde breitet sich aus und überschwemmt die Welt (vgl. Gen 4,3-15). Von nun an hat der Mensch eine Neigung zum Bösen, dies wird als Konkupiszenz bezeichnet. Was den ersten Menschen gleichsam natürlich geschenkt war, muss nun erkämpft werden, und kann „nur mit großer Anstrengung“ und „mit Gottes Gnadenhilfe“ erreicht werden.

Der Mensch ist frei 

Die Freiheit ist und bleibt Kennzeichen jeder menschlichen Handlung, wobei sie nur dann wahrhaftig wird, wenn sie auf die Wahrheit und das Gute ausgerichtet ist. Die Abwendung davon ist Missbrauch der Freiheit und führt zur Sünde und zum Tod. Der Mensch ist frei zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und dem Teufel zu wählen und folglich Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. So wird am rechten Gebrauch der Freiheit Größe und Abgrund des Menschen deutlich.

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