DOCH!

Du brauchst die Beichte

Jesus Christus hat die Macht der Sündenvergebung der Kirche anvertraut: „Denen ihr die Sünden erlasst, denensind sie erlassen“. Bei Gott liegt die Macht, aber er vertraut sie seinen Stellvertretern an. Auch beim Sakrament der Sündenvergebung.
Wir brauchen die Beichte!
Foto: IN | Wir brauchen die Beichte!

Vor 14 Tagen haben wir an dieser Stelle über das Wesen der Sünde gesprochen, die gleichsam die Voraussetzung für unsere heutige Betrachtung bildet. Denn wer bestreitet, dass es die Sünde gibt, dem wird freilich auch der Sinn der Beichte nicht einleuchten.

Doch auch unter denen, die das Phänomen der Sünde anerkennen, wird die Form der Beichte, wie sie in der katholischen Kirche praktiziert wird, mitunter für unnötig gehalten.
Da wären zum einen die Anhänger der sogenannten Hyper-Grace-Bewegung, die sich – wie könnte es anders sein? – vor allem in den USA immer größerer Beliebtheit erfreut. Ihre fundamentale These lautet: Hat man einmal zu Christus gefunden, so sind alle Sünden ein für alle Mal vergeben, die vergangenen wie die zukünftigen. Daraus ergibt sich, dass ein Sündenbekenntnis für Christen vollkommen unnötig ist. Und damit entfällt für sie auch die Beichte mit der Lossprechung.

Lesen Sie auch:

Gott vergibt

Neben diesem überaus exzentrischen und eindeutig häretischen Ansatz gibt es aber auch die Position unserer evangelischen Brüder und Schwestern, die bekanntlich die Rechtfertigungslehre, also die Frage nach der Sünde und ihrer Vergebung, zum Hauptartikel ihrer gesamten Lehre erhoben haben. Was die Protestanten jedoch bestreiten, ist die Notwendigkeit einer Vergebung durch kirchliche Amtsträger, da allein Gott selbst Sünden vergeben könne. Die Bedeutung des Sündenbekenntnisses wird also durchaus anerkannt, es findet aber direkt vor Gott statt.

Nun ist es zweifellos richtig, dass Gott derjenige ist, bei dem letzten Endes die Macht der Sündenvergebung liegt. Aber ebenso liegt es in seiner Macht, andere mit diesem Dienst zu beauftragen. Ein solches Handeln kennen wir von Gott bereits zu Beginn der Schöpfung, als er dem Menschen die Herrschaft über die Erde zuspricht und ihm den Auftrag erteilt, sie zu bebauen und zu bewahren. Auch hier käme niemand auf die Idee zu behaupten, der Mensch würde Gott seine Macht streitig machen. Es handelt sich um eine stellvertretende Herrschaft, denn selbstverständlich bleibt Gott der oberste Machthaber.

Und so, wie er bei der ersten Schöpfung die Herrschaft an den Menschen abgetreten hat, so vertraut er bei seiner neuen Schöpfung in Christus die Macht der Sündenvergebung der Kirche an – wiederum natürlich stellvertretend. „Jesus sagte noch einmal zu ihnen [den Aposteln]: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Joh. 20,21-23)

Wunsch nach Besserung

Ja, Gott hätte es auch anders einrichten können, aber er kennt uns und weiß, was gut für uns ist. Deshalb stellt er uns den Priester als väterlichen Freund zur Seite, vor dem man einerseits in Scham seine Sünden bekennen muss, der uns aber auch Vergebung und Trost zuspricht.

Die Vergebung ist dabei immer mit dem Wunsch nach Besserung verbunden, wie es der Herr zur Ehebrecherin sagt: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige hinfort nicht mehr.“ (Joh. 8,11)

Natürlich weiß Gott, dass wir nach der Beichte erneut sündigen werden. Dass er trotzdem bereit ist, uns zu vergeben, ist Ausweis seiner unendlichen Barmherzigkeit, die wir aber auch annehmen müssen, wie Papst Franziskus betont: „Gott vergibt immer, vergessen wir das nicht. Er vergibt immer, selbst die hässlichsten Sünden. Wirklich immer! Das Problem liegt in uns, dass wir es leid sind, um Vergebung zu bitten.“

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Sebastian Moll Beichte Evangelische Kirche Jesus Christus Papst Franziskus Religiöse Verfehlungen und Sünden Sakramente

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung
Der Vorsitzende von Frankreichs Bischofskonferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort, hat den katholischen Großerzbischof Schewtschuk und den orthodoxen Metropoliten Epifanij in Kiew ...
29.09.2022, 13 Uhr
Franziska Harter
Ein Gespräch mit dem Kölner Kardinal Rainer Woelki über den Synodalen Weg, den Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom und die Kölner Hochschule für Katholische Theologie.
28.09.2022, 17 Uhr
Regina Einig Guido Horst