ABC des katholischen Lebens

Diese Stoppschilder errichtete das Konzils von Trient

Eine wahre Kirchenreform. 18 Jahre brauchten die Konzilsväter, um ab 1545 auf die Irrtümer der Reformation zu antworten. Sie legten eine Grundlage für die kommenden Jahrhunderte.
Nicht nur die Heilige Messe ordnete das Konzil von Trient neu
Foto: Marijan Murat (dpa) | Nicht nur die Heilige Messe ordnete das Konzil von Trient neu. Es reformierte die Kirche indem es Antworten auf die Reformation gab.

Es gilt als das 19. Ökumenische Konzil. Im modernen Wortsinne der ökumenischen Bewegung war das Konzil von Trienthingegen alles andere als ökumenisch, im Gegenteil, es war das erste Konzil, das in der durch die Reformation gespaltenen Westkirche stattfand. Die ungeheuren Umwälzungen, die durch die Reformation hervorgerufen worden waren, zwangen die katholische Kirche zu einer Reaktion, und so berief Papst Paul III. im Jahre 1545 das Konzil von Trient ein, dessen Ende er allerdings nicht mehr erleben sollte, da das Konzil insgesamt 18 Jahre lang tagte.

Lesen Sie auch:

Einige Verbote

In einigen Punkten, insbesondere im Bereich kirchlicher Praxis, erkannte man die Kritik der Reformatoren durchaus an. So wurde etwa der Ablasshandel, ein entscheidender Auslöser für Luthers Thesenanschlag im Jahre 1517, ebenso verboten wie die Ämterhäufung im Bischofsamt. Auch das Niveau der Priesterausbildung sollte durch die Errichtung entsprechender Seminare erhöht werden. Nicht zuletzt wurde die heutzutage heftig umstrittene Tridentinische Messe etabliert, deren Name sich von dem Konzil ableitet.

Die zentralen theologischen Anliegen der Reformation wurden hingegen streng verurteilt. Dem reformatorischen „allein“ setzte die katholische Kirche ihr „sowohl als auch“ entgegen. Die Reformatoren lehrten, dass der Mensch absolut nichts zu seinem eigenen Heil beitragen könne und allein durch den Glauben gerettet werde.

Rechtfertigung

Hierauf erwiderte das Konzil, „der Anfang dieser Rechtfertigung müsse bei Erwachsenen hergeleitet werden von der zuvorkommenden Gnade Gottes durch Jesum Christum, das ist, von seiner Berufung, durch welche sie, ohne alle ihre wirklichen Verdienste, berufen werden; so dass sie, die durch die Sünden von Gott abgewendet waren, durch dessen erweckende und helfende Gnade bereitsam gemacht werden, sich umzuwenden zu ihrer eigenen Rechtfertigung, dadurch dass sie dieser nämlichen Gnade frei bestimmen und mitwirken […] Wenn jemand sagt, der Sündhafte werde allein durch den Glauben gerechtfertigt; so dass er damit versteht, es werde nichts anderes, das zur Erlangung der Rechtfertigungsgnade mitwirke, erfordert, und es sei keinen Teils notwendig, dass er sich aus Antrieb seines Willens dazu vorbereite, und bereitsam mache, der sei im Banne.“

Die katholische Kirche hat niemals geleugnet, dass der Mensch auf die Gnade Gottes angewiesen ist. Aber sie beschränkt sich nicht darauf, sondern betont, dass der Mensch ebenfalls eine Verantwortung zur Mitwirkung hat.

Sola scriptura

Ein weiteres entscheidendes Element reformatorischer Theologie ist das sola-scriptura-Prinzip, also die Vorstellung, dass die Heilige Schrift alleiniger Maßstab aller kirchlichen Lehre sein solle.

Hierzu wurde in Trient festgehalten, dass die göttliche Wahrheit „enthalten ist in den geschriebenen Büchern, und in den ungeschriebenen Überlieferungen, welche von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen, oder (2 Thess 2,14) von diesen Aposteln, unter Eingebung des Heiligen Geistes, gleichsam von Hand zu Hand überliefert worden, und bis zu uns gekommen sind […] Wenn aber jemand […] die vorgenannten Überlieferungen wissentlich, und bei Verstande verachtet, der sei im Banne.“ Auch hier wird also mitnichten die Autorität der Heiligen Schrift geleugnet, aber ihr wird mit der kirchlichen Tradition ein weiterer Faktor der Wahrheitsfindung hinzugestellt. Die langjährige Arbeit des Konzils sollte sich lohnen. Die hier getroffenen Entscheidungen waren von solch grundlegender Kraft, dass erst nach mehr als 300 Jahren ein weiteres Konzil notwendig wurde.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Die Geschichte der Konzile ist noch nicht zu Ende geschrieben. Sie begann mit dem Apostelkonzil von Jerusalem und markiert wichtige Stationen in der Entwicklung der Kirche.
16.11.2021, 07  Uhr
Sebastian Moll
Einsicht ohne Eifer ist nutzlos. Eifer ohne Einsicht aber kann fatale Folgen haben. Die Kirche hat deshalb von Anfang darauf geachtet, den Glauben zu vermitteln und zu erklären.
05.04.2022, 07  Uhr
Sebastian Moll
Kritische Rückfragen an die deutsche Versammlungsveranstaltung zur Reform der Kirche in Frankfurt unter Leitung der DBK und des Zentralkomitees.
03.04.2022, 21  Uhr
Michael Schneider
Themen & Autoren
Sebastian Moll ABC des katholischen Lebens Jesus Christus Katholische Kirche Kirchliche Reformatoren Paul III. Päpste Reformation der christlichen Kirchen Synoden Tridentinische Messe

Kirche

Kirchliche Stimmen begrüßen die Aussicht auf besseren Lebensschutz Ungeborener – Deutscher Familienbischof kritisiert Härte der Auseinandersetzung .
03.07.2022, 19 Uhr
Maximilian Lutz
Wer lernt, überlebt: Was die Kirche in Deutschland vom Weltfamilientreffen mitnehmen sollte.
02.07.2022, 07 Uhr
Franziska Harter
Forschungsprojekt bringt einen Fall aus dem Erzbistum Paderborn ans Licht. Nach Angaben des Erzbistums hat Becker, zu jener Zeit Personaldezernent, gemäß der damaligen Rechtslage gehandelt.
01.07.2022, 11 Uhr
Meldung
Bischof Genn beurlaubt Dompropst Schulte nach Vorwürfen wegen grenzüberschreitendem Verhalten.
02.07.2022, 15 Uhr
Heinrich Wullhorst
Der klassische römische Ritus ist weder tot noch in seiner Existenz gefährdet. Daran ändert auch das neue Papstschreiben nichts.
30.06.2022, 11 Uhr
Regina Einig