Die letzten Dinge

Die Sünde und das ewige Leben

„Säkulare Sünden“ wie die Klimasünde oder das Sündigen beim Essen begegnen einem auf Schritt und Tritt. Aber Sünde ist eigentlich eine theologische Kategorie und betrifft das Verhältnis zu Gott.
Beichtstuhl
Foto: IMAGO | Auch von außen schön, doch Christen sollten sich der Sünde bewusst sein und gelegentlich den Weg hinein finden. Im Bild ein barocker Beichtstuhl in einer Kirche im Unterallgäu.

Für den modernen Menschen ist es schwierig, mit dem Begriff „Sünde“ überhaupt etwas anzufangen. Was einem „gut tut“, kann doch unmöglich schlecht sein. Bereits in den dreißiger Jahren fand diese Geisteshaltung ihren Ausdruck im Lied: „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Es wird deutlich, dass nicht mehr die Gebote Gottes, sondern die eigenen Wünsche und Vorstellungen bestimmen, was gut und was schlecht ist. Davon sind auch Christen nicht verschont geblieben; nicht selten kommt es vor, dass Christen meinen, sie hätten keine Sünden. Folglich wird das Sakrament der Beichte, durch das die Vergebung der Sünden geschenkt wird, kaum mehr in Anspruch genommen. Aber ist es wirklich so, dass es keine Sünde gibt, und welche Bedeutung haben Sünde und der Umgang mit ihr im Hinblick auf das ewige Leben?

Zunächst gilt es festzuhalten, dass „Sünde“ ein theologisches Konzept ist. Es wird zwar zunehmend, und zwar moralisierend, von einer säkularen Gesellschaft in Anspruch genommen (zum Beispiel „Klimasünde“), verliert auf diese Weise aber seine Bedeutung. Theologie ist nämlich die Lehre (griechisch: lógos) von Gott (griechisch theós), das heißt nur in diesem Kontext lässt sich überhaupt von Sünde sprechen.

Schwere Sünde - lässliche Sünde

Der Mensch ist als Abbild Gottes geschaffen und bleibt auf das Urbild (Gott) hin ausgerichtet. Nur so kann er Heil und Erfüllung finden, wobei die Gebote Gottes als Wegweiser dienen. Das Abweichen davon wird als Sünde bezeichnet, sie kann in Gedanken, Worten und Werken begangen werden. Die Sünde ist ein Verstoß gegen die Wahrheit (rechte Erkenntnis) und die Liebe (rechtes Handeln). Schon der Apostel Paulus spricht von einem unterschiedlichen Schweregrad der Sünde, was bis zum Ausschluss aus dem Reich Gottes führen kann (vgl. Galaterbrief 5,21). So wie es in der Gesellschaft unterschiedliche Arten von Straftaten gibt, die sich der Schwere nach unterscheiden, so gilt dasselbe im Hinblick auf die Sünde. Die Heilige Schrift macht deutlich, dass es eine Sünde gibt, die zum ewigen Tod führt (vgl. 1 Johannes 5,17). In Anlehnung daran unterscheidet die Kirche zwischen der Todsünde – auch schwere Sünde genannt – und der lässlichen Sünde.

Die Todsünde trennt von Gott, weil sie „die Liebe im Herzen des Menschen durch einen schweren Verstoß gegen das Gesetz Gottes“ zerstört. Dies geschieht, wenn eine sündhafte Handlung wissentlich und willentlich begangen wird und zugleich eine wichtige Sache betrifft, was auch als schwere Materie bezeichnet wird. An dieser Stelle wird deutlich, warum Sünde ein theologisches Konzept ist. Sie bezeichnet einen (schweren) Defekt im Hinblick auf die Gemeinschaft mit Gott, in der der Mensch verbleiben muss, um ewiges Leben zu erlangen. Durch eine nicht bereute schwere Sünde schließt sich der Mensch aus der Gemeinschaft mit Gott selbst aus, denn Gott respektiert die Freiheit des Menschen.

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Jeder hat die Sünde

Daher kann der Mensch nicht nach eigenem Gutdünken festlegen, was Sünde ist und was nicht, andernfalls wäre er nicht mehr Abbild, sondern würde sich selbst an die Stelle Gottes setzen. Daher ermahnte schon der Apostel Johannes die Christen: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1 Johanes 1,8). Wer sich seiner Sünden nicht bewusst ist, kennt entweder das Gebot Gottes nicht, oder ignoriert es.

In unserer Zeit ist hingegen die Sünde – das Abweichen von Gottes Gebot – übergroß geworden, es spiegelt sich auch in der staatlichen Gesetzgebung wider. Oft darf nicht einmal mehr die Lehre der Kirche zu moraltheologischen Themen verkündet werden, obwohl es sich um eine theologische Kategorie handelt, die für Nicht-Gläubige keine Bedeutung haben sollte. Doch gerade so läuft der Mensch Gefahr, für Gottes Gebot blind zu werden und das ewige Leben zu verlieren.

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Ralph Weimann Johannes der Täufer Paulus von Tarsus Religiöse Verfehlungen und Sünden

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