Die letzten Dinge

Die Kernfrage nach dem Sinn des Lebens

Es entspricht der Würde des Menschen, eine Antwort auf die Frage zu finden, woher er kommt und wohin er geht. Ohne die Offenbarung aber würde dieser Weg im Dunkeln bleiben.
Auferstehungs-Fresko in Bayeux
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Was kommt nach dem Tod? Die katholische Kirche hat eine Antwort. Auferstehungs-Fresko in der Kathedrale von Bayeux.

Der Gedanke ist verbreitet, dass es keinen Sinn im Leben gibt, denn mit dem Tod sei alles vorbei. Daher komme es allein darauf an, die Annehmlichkeiten und die Möglichkeiten, die sich im Leben bieten, zu nutzen. Das „carpe diem“, genieße den Tag, wie es schon die alten Römer formuliert hatten, erlebt eine Renaissance.
Lebensqualität, Wohlstand, Geld und Autonomie stehen im Mittelpunkt einer Gesellschaft, die um sich selbst kreist und nicht ohne Grund von einigen als „Spaßgesellschaft“ bezeichnet wird. Die kontinuierliche Verfügbarkeit von Medien und sozialen Kommunikationsmitteln verstärkt diesen Prozess und führt nicht selten dazu, dass ein Nachdenken über Sinn und Ziel des Lebens ausbleibt. Doch: Kann der Mensch Erfüllung finden, wenn er nicht weiß, woher er kommt und wohin er geht? Entspricht es nicht vielmehr der menschlichen Würde, Antwort auf diese Frage zu finden?

Ein Blick auf die Philosophiegeschichte zeigt, wie um Antworten gerungen wurde, dabei ist deutlich geworden, dass man den Sinn des Lebens nur ausgehend von einer Perspektive finden kann, die das menschliche Leben in einen größeren Horizont einordnet. Wer sich nämlich ohne Ziel auf eine Reise begibt, nach dem Motto: der Weg ist das Ziel, kommt gewöhnlich nicht an und verfehlt seine Bestimmung. Besonders tragisch wäre dies im Hinblick auf das menschliche Leben, zumal der Mensch nur einmal lebt.
Es gehört zum Wesen des Menschen, als Einheit von Leib und Seele, Unsterblichkeit in sich zu tragen. Daher kann der Sinn des Lebens nur erschlossen werden, wenn die Frage, was nach dem Tod kommt, beantwortet wird. An dieser Stelle entscheidet sich alles. Mithilfe der Vernunft vermag der Mensch zwar zu erkennen, dass der menschliche Geist unsterblich ist, aber ohne die Offenbarung bleibt im Dunkeln, wie dieser Weg konkret aussieht.

Lesen Sie auch:

Das Ziel ist entscheidend

Schon die Propheten im Alten Testament gaben wichtige Hinweise über das Leben nach dem Tod, aber erst in Jesus Christus kommt vollends Licht in das Dunkel. Er ist das Licht, das die Dunkelheit erleuchtet (vgl. Joh 1,9) und nur in seinem Licht schauen wir das Licht (vgl. Ps 36,10). Aus dieser Perspektive wird verständlich, warum das Evangelium frohe Botschaft ist, denn darin wird der Sinn des Lebens und der Weg zum Leben enthüllt.

An diesem Punkt angekommen wird deutlich, dass es nur eine Alternative gibt. Erstens: Mit dem Tod ist alles vorbei. Dann gilt in der Tat das „carpe diem“, wie schon der Apostel Paulus formuliert, dann esst und trinkt, denn morgen sind wir tot (vgl. 1 Kor 15,32). Zweitens: Es gibt ein Leben nach dem Tod und der konkrete Weg dahin wird aufgezeigt. Dann ändert sich alles, weil es nun Antwort auf die entscheidende Frage gibt. Der Sinn des Lebens kann nur vom Ende her erschlossen werden. Dabei lässt sich erneut der Vergleich zu einer Reise heranziehen: Bevor die Koffer gepackt werden, muss klar sein, wohin die Reise führt. Andernfalls würde man für den Skiurlaub Badesachen einpacken oder umgekehrt. Ebenso verhält es sich mit der Reise des Lebens, sie lässt sich nur ausgehend vom Ziel bestimmen.

Die Hauptschwierigkeit des modernen Menschen besteht darin, sich in den zumeist oberflächlichen Dingen zu verlieren. Zugleich fehlt oft jene Demut, die sich beschreiben lässt als mutig die Wahrheit über das eigene Leben zu suchen und dieser Wahrheit zu folgen. Dazu lädt der Herr ein, wenn er sagt: „…sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet“ (Mt 7,7). Zum Menschsein gehört wesentlich, nach dem Sinn des Lebens zu suchen, und wer sucht, der findet. Andernfalls wäre der Mensch ein blind Geborener, unfähig, Wesentliches zu erkennen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist die entscheidende Frage, weil nur der ans Ziel gelangt, der es erkennt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Ralph Weimann Die letzten Dinge Jesus Christus Menschenwürde Paulus von Tarsus Tod und Trauer Würde

Weitere Artikel

Jeder muss sich entscheiden: Nach dem Urbild Gottes zu leben oder sich von der Wahrheit und dem Guten abzuwenden. Dafür muss er dann aber auch die Verantwortung übernehmen.
03.01.2023, 07 Uhr
Ralph Weimann
Der Glaube gibt Antwort auf die großen Fragen des Lebens. Er ist kein Gefühl und auch nicht irrational, sondern gründet in der Offenbarung, die die „letzten Dinge“ zu erklären vermag.
13.12.2022, 07 Uhr
Ralph Weimann
Versicherungen und der behördliche Katastrophenschutz müssen mit Personenschäden kalkulieren. Was aber kostet der Mensch? Und: Ist es überhaupt möglich, ein Menschenleben mit Geld aufzuwiegen?
19.05.2022, 17 Uhr
Josef Bordat

Kirche

Der Kardinal hatte aus Altersgründen seinen Rücktritt angeboten. Sein Nachfolger wird der Bischof von Chiclayo in Peru, Robert Francis Prevost.
30.01.2023, 15 Uhr
Meldung
Kirchenführung durch Interviews wahrzunehmen, halte er für äußerst fragwürdig, so der DBK-Vorsitzende. Am „Synodalen Ausschuss“ will er weiter festhalten.
27.01.2023, 15 Uhr