Kardinal Marx: Über „viri probati“ gründlich nachdenken

Auch Papst Franziskus spreche mit einigen über die Zulassung Verheirateter zum Priesteramt

München (DT/KNA) In der katholischen Kirche in Bayern lebt die Debatte über neue Zugänge zum Priesteramt wieder auf. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält eine Diskussion über neue Zugänge zum Priesteramt für legitim. So sollte die Möglichkeit, bewährte verheiratete Männer (viri probati) zu Priestern zu weihen, einmal gründlich durchdacht und „in der ganzen Bandbreite“ der Problematik besprochen werden, sagte Marx am Freitagabend in München bei der Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Papst Franziskus spreche mit einigen über diese Möglichkeit, sagte Marx. Es sei aber nicht so, dass es von Rom direkt einen Anstoß gebe, das Thema jetzt anzugehen. Von daher könne er diesbezüglich „nichts versprechen“.

Der Kardinal gab zu bedenken, dass in diesem Zusammenhang die Frauenfrage auf den Tisch kommen werde. Da sehe er aber „keinerlei Bewegung“. So habe er von der vom Papst eingesetzten Untersuchungskommission zu Diakoninnen bisher noch nichts gehört. Marx bekannte sich zugleich zu Experimenten mit neuen Formen der Gemeindeleitung. Diese fänden derzeit nicht nur in seinem Erzbistum München und Freising statt. Solche Modelle sollten aber „nicht ohne oder gegen den Priester“ erprobt werden. Auch halte er nichts von priesterlosen Gemeinden, sagte der Kardinal. „Es muss doch Eucharistie gefeiert werden.“ Außerdem sollten bei kirchlichen Handlungen keine Qualitätsabstriche in Kauf genommen werden. „Wo wir auftreten, muss es gut sein.“ Das erwarteten gerade jene, die nur gelegentlich mit Kirche in Berührung kämen.

Theologe Zulehner: Den Bischöfen auf die Füße treten

Bei der Versammlung des Landeskomitees der Katholiken zeigte sich der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner überzeugt, dass Papst Franziskus neue Formen des Priestertums zulassen werde. „Wir werden das noch erleben, wenn niemand den Papst erschießt oder vergiftet“, sagte er. Zugleich forderte der Theologe die Katholiken auf, ihren Bischöfen „auf die Füße zu treten“. Es sei „ein Unrecht, wenn man die Feier der Eucharistie gläubigen Gemeinden wegnimmt und der Ehelosigkeit der Priester unterordnet“. Alle Zulassungsbedingungen zur Weihe stünden zur Debatte. Dies gelte für Bildung, Geschlecht und Lebensform.

Zulehner riet dem Gremium, sich weniger mit Strukturfragen, sondern mit Inhalten zu befassen. So stelle sich die Frage, was die Kirche aus dem Schatz des Evangeliums für die „Angstgesellschaft in Deutschland und Europa“ anzubieten habe. Dabei solle sich Kirche nicht als „Dienstleistungsbetrieb“ verstehen, sondern als „Gemeinschaft, die Dienste leistet“, vor allem an den Armen und Ausgegrenzten sowie zur Bewahrung der Schöpfung. Auch müsse klug ausbalanciert werden, was auf lokaler und was auf regionaler Ebene geleistet werden könne.

Beschlüsse wurden keine gefällt. Mehrere Sprecher fassten die noch nicht abgeschlossene Diskussion in Thesen zusammen. So sei etwa für Katholiken die soziale Ungerechtigkeit nicht hinnehmbar. Sie müssten ihre Stimme dort erheben, wo gegen die Menschenwürde verstoßen werde.

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