IM BLICKPUNKT

Stehende Ovationen für Kardinal Woelki in Neviges

Katholische Vitalität wird sichtbar. Die Familienwallfahrt nach Neviges zeigte, dass das Erzbistum Köln gute Chancen hat, wieder zueinander zu finden.. Kardinal Woelki war willkommen.
An Pfingsten ist Kardinal Woelki seit hundert Tagen wieder in seiner Bischofsstadt.
Foto: IMAGO/Christoph Hardt (www.imago-images.de) | An Pfingsten ist Kardinal Woelki seit hundert Tagen wieder in seiner Bischofsstadt. Das Erzbistum hat gute Chancen, wieder zueinander zu finden, denn es gibt in allen Regionen eine Basis aufrichtiger Gottsucher.

Die steigende Zahl der Kirchenaustritte waren ein Dauerthema des Stuttgarter Katholikentags. Welche Vitalität auch nach der Pandemie noch im deutschen Katholizismus steckt, zeigte sich am Christi Himmelfahrtstag aber andernorts. Beispiel Neviges: In einer protestantisch geprägten ländlichen Enklave des Erzbistums Köln war Katholischsein noch nie ein Selbstläufer. Doch als die Leitung des Marienwallfahrtsorts bei Wuppertal zur Familienweihe einlud, kamen viele junge Familien unterschiedlicher Muttersprache mit Kindern.

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Prächtige Stimmung

Die Kraft der Volksfrömmigkeit, die überzeugende geistliche Leitung der aus Frankreich stammenden Priestergemeinschaft St. Martin und der Einsatz vieler Ehrenamtlicher ließen die Pilger etwas erleben, was seit Corona ausgestorben schien: ein großes katholisches Fest. Als Ortsbischof Kardinal Rainer Woelki nachmittags zum Pontifikalamt erschien, war der Nevigeser Dom voll und die Stimmung prächtig. Selbst Fernsehzuschauern ging die empathische Begrüßung von Pfarrer Abbé Thomas Diradourian unter die Haut, der dem Kardinal zusagte: „Auf uns können Sie zählen.“ Und stehende Ovationen für den Ortsbischof zum Abschied waren ein Signal, das nach dem Mediengetöse um den „Fall Köln“ nicht überhört werden sollte.

Die Familienweihe im Mariendom war keine Ausnahmeerscheinung. Schon zuvor hatten sich die Gläubigen mehrmals demonstrativ hinter ihren Erzbischof gestellt. Nicht zuletzt die Wiedereröffnung des Bonner Münsters vor zwei Wochen lief anders als von den Kritikern des Kardinals erwartet. Mit spontanem Applaus im frisch renovierten Gotteshaus zeigten die Gläubigen, dass sie ein neues Kapitel in der Bistumsgeschichte aufschlagen wollen – und zwar mit ihrem Kardinal.

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Proteste von ergrauten Damen

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass kirchensteuerfinanzierte Medien zuvor Maria 2.0 eine Plattform für angekündigte Proteste gegeben hatten. Kein halbes Dutzend teilweise ergrauter Schilderträgerinnen fand sich daraufhin ein. Deren Wirkung auf die traditionell starke Gruppe muttersprachlicher Katholiken im Erzbistum war bezeichnend. Was die deutschen Katholiken eigentlich mit „ihrem Kardinal“ veranstalteten wurde eine Besucherin von polnischen Katholiken entgeistert gefragt.

Köln als Brennglas

Das Erzbistum Köln ist ein Brennglas geworden, in dem sich Debatten des Synodalen Wegs quasi im Zeitraffer abspielen, weil der Draht zu Katholiken nichtdeutscher Zunge hier traditionell kurz ist und diese auch selbstbewusst ein Wörtchen mitreden.

An Pfingsten ist Kardinal Woelki seit hundert Tagen wieder in seiner Bischofsstadt. Das Erzbistum hat gute Chancen, wieder zueinander zu finden, denn es gibt in allen Regionen eine Basis aufrichtiger Gottsucher. Diese Gläubigen lassen sich von Kampagnen nicht beirren und wollen ihren Glaubensweg mit der Kirche gehen. In Neviges leuchtete dieses oft übersehene Gesicht der Kölner Ortskirche wieder einmal eindrucksvoll auf.

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Regina Einig

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