IM BLICKPUNKT

Köln ist nun Chefsache

Am Aschermittwoch kommt Kardinal Woelki wieder. Die Situation im Erzbistum ist schwieriger als vor seiner Auszeit. Die Gläubigen warten auf ein Wort des Papstes.
Kardinal Woelki bleibt im Amt
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, wird am Aschermittwoch seinen Dienst wieder aufnehmen.

Im Vatikan haben sich in den vergangenen Wochen Besucher aus Deutschland die Klinke in die Hand gegeben: Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki und der Apostolische Administrator des Erzbistums Köln, Weihbischof Rolf Steinhäuser, waren zu Gesprächen in Rom. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB und der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sprachen mit Papst Franziskus.

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Keine Befriedung

Anfang März steht eine für die Zukunft der Kirche in Deutschland wichtige Frage an: Wie geht es im rheinischen Erzbistum weiter, wenn die viermonatige Auszeit des Erzbischofs am Aschermittwoch endet? Köln ist als größte deutsche Diözese Chefsache im Vatikan. Daher erwarten die Gläubigen ein ermutigendes Signal aus Rom. Auch wenn Lokalpolitiker und innerkirchliche Aktivisten derzeit über Woelkis Comeback spekulieren, steht fest, dass der Kardinal ab Aschermittwoch wieder in Köln als Erzbischof amtet.

Was er nach seiner Auszeit vorfindet, steht auf einem anderen Blatt. Von einer Befriedung des Erzbistums kann keine Rede sein. Die Großwetterlage am Rhein hat sich deutlich verschlechtert. Geistliche und Laien fühlen sich hilflos angesichts der Spaltungen im Erzbistum. Wie Mehltau liegt der Konflikt über den Gemeinden und wird durch kirchenpolitisch ambitionierte Stimmen befeuert. Die indirekte Aufforderung des Luxemburger Kardinals Jean-Claude Hollerich, der Woelki zum Amtsverzicht riet, half dem Erzbistum ebenso wenig weiter wie manche spontanen Einlassungen des Administrators.

Atmosphäre belastet

Niemand kann derzeit sagen, wie Steinhäuser seinem Auftrag, Versöhnungsarbeit zu leisten, eigentlich nachgekommen ist. Etliche Äußerungen Steinhäusers haben eher dazu beigetragen, die Atmosphäre weiter zu belasten. Mit der umstrittenen Formulierung „Täterorganisation Erzbistum Köln“ beim Bußgottesdienst im Kölner Dom und seinem Seitenhieb bei der Dritten Synodalversammlung in Frankfurt („Das kann ich aufgrund meiner Kölner Erfahrungen sehr deutlich sagen: Wir brauchen keine Form von aufgeklärtem oder unaufgeklärtem Absolutismus mehr“) goss er Wasser auf die Mühlen von Woelkis Kritikern. Versöhnt hat das niemanden.

Vieles deutet darauf hin, dass die „schweren Kommunikationsfehler“, die der Vatikan Kardinal Woelki bescheinigte, nicht allein auf das Konto des Erzbischofs gehen. Als der Kölner Kommunikationsdirektor Christoph Hardt im Januar nach nur wenigen Monaten Tätigkeit im Erzbistum um die Auflösung seines Vertrags bat, zeichneten sich vielmehr systemische Probleme im Apparat ab.

Bericht unter Verschluss

Ob der Vatikan Woelkis Amtsführung erneut unter die Lupe nimmt, hängt vom Gang der Untersuchungen über die ordnungsgemäße Vergabe von Aufträgen durch die Bistumsleitung ab. Unter diesem Gesichtspunkt halten Beobachter derzeit auch einen Koadjutor für das Erzbistum nicht mehr für ausgeschlossen. Nicht wenige Gläubige fordern im Erzbistum Transparenz. Der Vatikan hat diese Forderung indirekt verstärkt, als er den Visitationsbericht unter Verschluss hielt. Im Sommer hatten Kardinal Anders Arborelius OCD und Bischof Hans van den Hende eine Apostolische Visitation im Auftrag des Heiligen Stuhls durchgeführt. Seitdem scheiden sich die Geister an der Frage der Transparenz in Köln mehr denn je. Nun ist der Papst an der Reihe.

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