Hochschultheologie

„Ambitioniertes Projekt“

Der Kölner Erzbischof tritt Spekulationen über ein drohendes Fiasko der Katholischen Hochschule entgegen und sagt die Klärung der Finanzen vor Jahresende zu.
Kardinal Rainer Maria Woelki
Foto: Nicolas Armer (dpa) | Nach vier Monaten Auszeit ist Kardinal Woelkis Schreibtisch voll. Die Kölner Hochschule für Katholische Theologie ist eines seiner wichtigsten Projekte.

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Woelki tritt Medienberichten über ein drohendes Fiasko der von ihm ins Leben gerufenen Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) entgegen. Nachdem Lokalzeitungen behauptet hatten, deren Finanzierung sei nicht gesichert, erklärte Woelki am Montag, er werde die Planungen zur mittelfristigen Finanzierung der Hochschule in der zweiten Jahreshälfte den zuständigen Gremien präsentieren und abschließend beraten.

Keine Kirchensteuermittel für die Hochschule 

Zuvor hatten der Finanzdirektor und die Justiziarin des Erzbistums eine „vertragliche Regelung ungewöhnlichen Inhalts“ festgestellt, „die sowohl für das Erzbistum Köln als auch für die Stiftung eine erhebliche und langfristige wirtschaftliche Bindungswirkung entfaltet und bisher bei keiner der Körperschaften bilanziert ist“. Nach Angaben des Erzbistums ist die „Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung im Erzbistum Köln“, die alleinige Gesellschafterin der KHKT. In ihrer Zuständigkeit liegen Fragen zur künftigen Finanzierung, der Erbringung des Stiftungskapitals und der Jahreskalkulation. Die Stiftung hatte die Trägerschaft vor zwei Jahren übernommen.

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Der Kardinal hatte den diözesanen Gremien zugesichert, dass keine Kirchensteuermittel für die Hochschule aufgewendet werden sollen. Stattdessen solle die Stiftung durch Spender eine „Finanzierung von außen“ sicherstellen. Spekulationen über das drohende Aus der vom Land Nordrhein-Westfalen anerkannten Hochschule trat der Kölner Erzbischof am Montag mit Nachdruck entgegen: Die KHKT ist Woelki zufolge „ein ambitioniertes Projekt“, für das es Zuspruch wie Kritik gebe. Die Entscheidung zur Übernahme der Trägerschaft der Hochschule sei „durchaus langfristig gedacht“.

Förderung von Vielfalt der Theologie

Für Woelkis Wertschätzung des Projekts spricht die Ausstattung der Hochschule: Mit 17 Lehrstühlen ist die KHKT im innerdeutschen Fakultätenvergleich gut aufgestellt. Wie der Kardinal weiter erklärt, diene der von allen befragten Gremien grundsätzlich mitgetragene Wunsch, die ehemalige Philosophisch Theologische Hochschule (PTH) in Sankt Augustin weiter zu betreiben, „nicht der Abgrenzung, sondern ausdrücklich der Förderung von Vielfalt der Theologie“. Das Landeshochschulgesetz NRW sieht vor, dass die Einrichtung so lange zu betreiben sei, dass Studierende ihr Studium dort abschließen können.

Wie die KHKT dieser Zeitung mitteilte, wäre demzufolge das Studienangebot in jedem Fall noch über einen Zeitraum von mindestens sieben Jahren zu sichern. Auf Nachfrage verweist die Hochschule auf mehrere aktuelle wissenschaftliche Projekte. Im Wechsel der kommenden Jahre werde es jeweils einen Quodlibet-Vortrag und ein Quodlibet-Stipendium geben, mit Hilfe derer zumeist junge Wissenschaftler, aber auch bereits bekannte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung an die KHKT geholt werden sollen. Diese sollen in Vorträgen und Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit Professoren und Studenten tätig werden.

Versuche,die Hochschule kirchenpolitisch zu instrumentalisieren

Darüber hinaus laufe aktuell an einem Lehrstuhl ein DFG-Projekt, an weiteren Lehrstühlen würden derzeit Forschungsprojekte vorbereitet, „die in den nächsten Monaten an den Start gehen. Wichtig ist uns dabei vor allem auch die Internationalität der Vorhaben, so auch die internationale Vernetzung der KHKT mit Fakultäten und Universitäten“, erklärt die Pressestelle. Der Studiengang ist den Angaben zufolge bei der vatikanischen Bildungskongregation akkreditiert, wenngleich auf der Homepage des Dikasteriums augenscheinlich noch unter „Sankt Augustin“ gelistet.

Dass Für und Wider bezüglich der Hochschule in der Öffentlichkeit thematisiert werden, ist offenbar dem Kommunikationsstil einzelner Gremienmitglieder geschuldet. Der Kölner Oberhirte zeigte sich enttäuscht über den Versuch in den Reihen des Diözesanpastoralrats, die Katholische Hochschule kirchenpolitisch zu instrumentalisieren. Aus der Sitzung des Beratungsgremiums seien „vertrauliche sehr persönliche Dokumente an die Medien durchgestochen“ worden.

Vertrauen wurde verletzt

Der Kölner Erzbischof grenzte den Vorgang deutlich von legitimen Bemühungen um Transparenz ab. Aus Woelkis Sicht handelt es sich bei dem Vorfall „nicht um ein Streben nach Aufklärung, „sondern ausschließlich um den Versuch, einzelne Personen gezielt zu diskreditieren“. Er habe dort offen darüber berichtet, dass bei einem Routinevorgang eine „vertragliche Regelung ungewöhnlichen Inhalts“ im Stiftungsbereich aufgefallen sei. Das von ihm angestrebte gegenseitige Vertrauen sei hier „auf das Gröbste“ verletzt worden.

Der Kölner Diözesanrat hatte kürzlich die Auflösung der KHKT gefordert, nachdem Medien von Unregelmäßigkeiten bei deren Finanzierung berichtet hatten. Mitglieder des Gremiums sind nicht mit der Anschubfinanzierung aus dem sogenannten BB-Fonds des Erzbistums Köln einverstanden. Er speist sich aus freiwilligen Beiträgen Kölner Diözesanpriester und steht dem Erzbischof zur Verfügung. Die Opfer sexuellen Missbrauchs beziehen aus ihm Anerkennungsleistungen.

Verlässlicher Einblick in Vernunft und Schönheit des kirchlichen Glaubens

Die Einschätzung der Vize-Vorsitzenden des Diözesanrats, die Katholische Hochschule sei wissenschaftlich überflüssig, wird im Erzbistum allerdings von Kennern der Hochschule nicht geteilt. Im Gegenteil: Regens Salvador Pane, der für die Ausbildung der Kandidaten im Priesterseminar Redemptoris Mater Köln verantwortlich ist, erklärt gegenüber dieser Zeitung, er persönlich sehe durchaus die Notwendigkeit, die KHKT beizubehalten.  

Das Studium der Theologie sei für die Priesterkandidaten eine wesentliche Dimension der Ausbildung. Regens Pane wörtlich: „Sei es über unseren an der Kölner Hochschule promovierenden Subregens oder durch die Beobachtung von regen Diskussionen bei den Mahlzeiten oder in Lerngruppen in unserem Priesterseminar, wird für mich deutlich, dass ich bei der KHKT davon ausgehen kann, dass die Priesterkandidaten dort einen verlässlichen Einblick in die Vernunft und in die Schönheit des ihnen geschenkten kirchlichen Glaubens erhalten. Die dort gelehrte Weite und Tiefe des Glaubens korrespondiert mit der Internationalität unseres Hauses. Diese zeigt sich auch in den verschiedenartigen Praktika, die unsere Seminaristen auf internationaler Ebene erleben.“

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