Kirche in Kriegszeiten

Wenn sich der Glaube bewähren muss

Die Nöte werden immer größer, die der Krieg in der Ukraine schafft. Der Papst zieht eine „geistige Notbremse“ und bittet Maria um Hilfe. Das zeigt, wie ernst die Lage ist.
Ukraine-Krieg - Soldaten in Kirche
Foto: Carol Guzy (ZUMA Press Wire) | Soldaten und Einwohner beten in der Kirche der heiligen Apostel Peter und Paul während der russischen Invasion in die Ukraine.

Wie wird dieser Krieg enden? Die Welt schaut zu, wie sich die tapferen Ukrainer gegen die russische Übermacht verteidigen. Jetzt sind es weit über 10.000 tote Soldaten auf der Seite der Angreifer. Eine horrende Zahl. Schließlich hat sie der Kremlherrscher nur in den Krieg geschickt, um seine kruden Ideen vom Wiederaufstieg der Sowjetunion im Gewand eines großrussischen Reichs mit Gewalt durchzusetzen.

Die Ukraine wird sich Putin nie unterwerfen

Das seelische und materielle Trümmerfeld, in das Wladimir Putin die Ukraine verwandelt, wird Tag für Tag bedrückender. Die Millionen von Flüchtlingen, die jetzt unterwegs sind, stellen alles in den Schatten, was es seit dem Zweiten Weltkrieg an Migration in Europa gegeben hat.
In den Zeitungen, den Talkshows und Sozialen Medien sitzen die Experten, die einem den Krieg genau erklären. Und die ganz genau wissen, warum man Putin falsch eingeschätzt hat. Aber eine Frage bleibt immer offen: Wie wird dieser Krieg enden?

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Ja, es gibt die Hoffnung, dass sich irgendwann, wenn in den belagerten und beschossenen Regionen alle Städte und Ortschaften aussehen wie Aleppo und Grosny, die russische Kriegsmaschinerie erschöpft. Aber wie soll dann ein Waffenstillstand aussehen? Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi ist zu Verhandlungen bereit, aber sein Land wird sich Putin nie unterwerfen. Die Ukraine wird nicht zum zweite Belarus.

Putin könnte am Widerstand aus den eigenen Reihen scheitern

Ja, es gibt die Hoffnung, dass Putin am Widerstand aus den eigenen Reihen scheitert. Der schlecht informierten Bevölkerung seines Landes kann er die Zerstörung der Ukraine vielleicht als gelungene „militärische Spezialoperation“ zur Entnazifizierung des Gegners verkaufen, für die Tausende von russischen Soldaten ihr Leben lassen mussten. Aber nicht den Eliten im Kreml. Die wissen, dass Putin die Widerstandskraft der Ukrainer und die Geschlossenheit des Westens völlig falsch eingeschätzt hat.

Ja, es gibt die Hoffnung, dass China als „deus ex machina“ die Bühne betritt. Nicht aus humanitären Gründen, sondern weil Putin die Wirtschaftskreisläufe stört, über die Peking seinen globalen Einfluss mehren und zur Weltmacht Nummer eins aufsteigen will. Russland ist ein ökonomischer Zwerg. Trotz seines gewaltigen Territoriums und seiner Bodenschätze hat es eine Wirtschaftsleistung wie das – vergleichsweise – kleine Spanien. Wenn der chinesische Riese Putin „die Instrumente zeigt“, könnte der Kreml einknicken. Doch wer kann schon in das Gehirn eines Xi Jinping schauen?

Wenn die Not am größten ist, muss der Glaube sich bewähren

In dieser Zeit der Ratlosigkeit angesichts des – so der Papst – „sinnlosen Massakers“ in der Ukraine hat Franziskus alle Bischöfe, alle Gemeinschaften und alle Gläubigen eingeladen, mit ihm morgen Nachmittag die Weihe Russlands und der Ukraine an das Unbefleckte Herz Mariens zu vollziehen. Der Papst wird das im Petersdom tun, sein Sondergesandter, Kardinal Konrad Krajewski, in Fatima. Auch Franziskus hat eine große Irritation erleben müssen: die Weigerung seines Bruders Kyrill, des russisch-orthodoxen Patriarchen, sein Wort gegen diesen unmenschlichen Krieg zu erheben.

Stattdessen hat der Moskauer Kirchenführer eine Marienikone gestiftet, die dem russischen Angreifer den Sieg bringen soll. Wenn Menschen verblendet und die Nöte am größten sind, muss sich der Glaube bewähren. Dann ist es Zeit, das Vertrauen in das Bittgebet und die Fürsprache Mariens zu setzen.

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