Kirche

Papstaudienz für Traditionalisten

Der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz bekräftigt die Verbindlichkeit des Konzils

Paris (DT/KNA) Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jean-Pierre Ricard, hat den Wunsch nach einer Annäherung der katholischen Kirche und der konservativ-traditionalistischen "Priesterbruderschaft Pius X." bekräftigt. Der Wunsch nach einer Verbesserung der Kontakte sei in der mit der Wiedereingliederung traditionalistischer Gruppen befassten Vatikan-Kommission "Ecclesia Dei" im Juni besprochen worden, sagte Ricard in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der französischen katholischen Tageszeitung "La Croix". Ein Zurück hinter die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils sei nicht möglich. Mit Blick auf das von der Priesterbruderschaft für Montag angekündigte Treffen ihres exkommunizierten Generaloberen Bernard Fellay mit Papst Benedikt XVI. sagte Ricard, der Papst werde an den Grundpositionen der Kirche über den "immensen Beitrag des Zweiten Vatikanischen Konzils" festhalten. Er wolle aber keine Möglichkeit auslassen, um zu einer größeren Gemeinschaft mit den von Rom getrennten Katholiken zu kommen, bis hin zur vollen Gemeinschaft.

Ausdrücklich verwies der Bischofskonferenz-Vorsitzende darauf, dass Benedikt XVI. zuletzt beim Weltjugendtag auch mit anderen christlichen Kirchen sowie Vertretern des Judentums und des Islam zusammengetroffen sei. Die seit 1988 von der katholischen Kirche getrennte Priesterbruderschaft fordert die Rückkehr zur lateinischen Messe nach altem Ritus, der im Zweiten Vatikanischen Konzil Mitte der sechziger Jahre abgelöst wurde. Zugleich wendet sie sich gegen die Ökumene mit Protestanten und gegen den Dialog der Kirche mit anderen Religionen. Fellay war 1988 aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden, weil er gegen das Verbot von Papst Johannes Paul II. vier Priester seiner Bruderschaft zu Bischöfen weihte. Fellay hatte die Wahl Benedikt XVI. am 19. April begrüßt. Er sehe im Aufstieg von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst einen "Hoffnungsschimmer". Er sei zuversichtlich, dass im neuen Pontifikat die zweitausendjährige Tradition der katholischen Kirche wieder ihren Platz einnehmen könne und die lateinische Messe wieder ohne jegliche Einschränkung zugelassen werde.

Bereits im vorigen Pontifikat hatte es erste Schritte zur Annäherung mit den vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905 - 1991) inspirierten Ultra-Konservativen gegeben. So empfing Johannes Paul II. Fellay im Jahr 2000 zu einem kurzen Gespräch. Im Jahr 2002 waren zehntausende Anhänger der Traditionalisten in Brasilien zur Kirche zurückgekehrt. Die weltweit aktiven Mitglieder und Anhänger der "Pius- Bruderschaft" verstehen sich selbst als Katholiken. Sie wollen die Modernisierung der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) rückgängig machen. Im Vatikan besteht seit 1988 eine eigene Kommission "Ecclesia Dei" für die Wiedereingliederung der Traditionalisten in die Kirche, der Ricard angehört. Der damalige Kardinal Ratzinger gehörte dieser Kommission von 2001 bis zu seiner Papstwahl an. Er besuchte während seiner Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation mehrere französische Benediktinerklöster, in denen die Liturgie nach dem klassischen römischen Ritus gefeiert wird und das Priesterseminar der Petrusbruderschaft in Wigratzbad.

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