Missionarische Ökumene

Auf der Mehr-Konferenz beten Protestanten für den Aufbruch in der katholischen Kirche. Von Oliver Maksan
Bischof Stefan Oster zeigt Flagge für sein Bistum
Foto: Gebetshaus | Jugendbischof Stefan Oster zeigt Flagge für sein Bistum.

Wer hat Interesse, dass die katholische Kirche aufbricht?“: Gewaltiger Jubel und Beifall signalisieren, dass eine überwältigende Mehrheit enthusiastisch zustimmt. Tausende Protestanten aus Frei- und Landeskirchen stehen Freitag vergangener Woche vor Johannes Hartl in der Augsburger Messehalle. „Betet für uns, damit der Aufbruch in dieser großen alten Kirche gelingt“, ruft Hartl den 11000 Teilnehmern der Mehr-Konferenz – Katholiken wie Protestanten – entgegen.

Die Evangelisierung Europas, da ist sich der Leiter des Gebetshauses und Initiator des ökumenischen Glaubenstreffens sicher, wird nicht ohne die Erweckung des Riesen katholische Kirche gehen. Eine evangelische Christin macht sich zur Sprecherin ihrer Glaubensgeschwister. „Wir lieben euch und feuern euch an. Wir segnen euch“, ruft sie auf der Bühne, während die Katholiken in der Halle das Haupt neigen und sich segnen lassen. Hinter ihr stehen da über hundert Personen, Gruppen und Gemeinschaften der katholischen Kirche, darunter Vertreter von Nightfever, der Loretto-Gemeinschaft, der Katholischen Pfadfinderschaft Europas oder der Legionäre Christi. Sie alle gehören zu den Erstunterzeichnern des „Mission Manifest“, einer Selbstverpflichtung, im Jahr 2018 am missionarischen Aufbruch der Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz mitwirken zu wollen.

Zuvor hatten Hartl, Bernhard Meuser von YouCat und Pater Karl Wallner von den Missionswerken in Österreich zehn Thesen für das Comeback der Kirche vorgestellt. „Tagespost“-Lesern waren sie vorab schon bekannt. (DT 4.1.) Zu den Erstunterzeichnern des Manifests gehören auch Bischöfe, an ihrer Spitze Kardinal Rainer Maria Woelki, der Erzbischof von Köln. Er wandte sich in einer Videobotschaft an die Teilnehmer des Augsburger Christentreffens. Ein Grußwort gab es auch aus dem Vatikan. Eine Mitarbeiterin des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung verlas eine Botschaft von Erzbischof Rino Fisichella.

Persönlich anwesend waren die Jugendbischöfe des deutschsprachigen Raums. Stefan Oster, Bischof von Passau, sprach spontan zu den Anwesenden. „Gottes Gaben werden mehr, wenn man sie weitergibt“, rief er den Teilnehmern zu. „Schenken wir sie also großzügig und begeistert weiter!“ Gekommen war Oster indes als Passauer Bischof. Zuvor hatte er sich bei seinen Mitbrüdern erfolglos darum bemüht, von der Bischofskonferenz als Jugendbischof offiziell entsandt zu werden. Die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz erklärte das gegenüber der „Tagespost“ so: „Zur Mehr-Konferenz waren alle Bischöfe eingeladen. Bischof Timmerevers hat als in der Deutschen Bischofskonferenz zuständiger Bischof offiziell geantwortet. Nicht zu jeder herausgehobenen Veranstaltung, die es in Deutschland gibt, wird ein offizieller Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz entsandt. Natürlich steht es jedem Bischof frei, sich für die Konferenz anzumelden.“ Das tat Bischof Oster denn auch, und stand neben Österreichs Jugendbischof Stefan Turnovszky und den Schweizer Amtsbrüdern Marian Eleganti und Alain de Raemy.

Die auf der Mehr-Konferenz präsentierte Initiative stößt derweil auf spürbares Interesse. „Ich will, dass mein land zu Jesus findet“: Am Mittwoch hatten fast zweitausend Personen den Aufruf unterschrieben und sich verpflichtet, im Jahr 2018 eine Aufgabe in der Weitergabe des Glaubens zu übernehmen. Auf Nachfrage stößt auch das im Herder-Verlag erschienene Buch „Mission Manifest“, das die zehn Thesen zum Comeback der Kirche vertieft und ausführt. Beim Onlinebuchhändler Amazon war es am Wochenende unter den am meisten nachgefragten Titeln. Die Initiatoren wird es freuen, denn sie sehen dringenden missionarischen Handlungsbedarf. „Wer nicht wirbt, stirbt“, meinte Pater Karl Wallner bei der Vorstellung des Buches am Rande der mehr-Konferenz. „Die Kirche muss senden, oder die Kirche wird enden“.

www.missionmanifest.online

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