Nový Dvùr/Tepl

Mission im Herzen Europas

Klosterleben in Westböhmen: Ein Besuch in der Trappistenabtei Nový Dvùr und beim Prämonstratenserstift Tepl zeigt zwei unterschiedliche Wege der Neuevangelisierung Von Markus Bauer
Das renovierte Stift Tepl
| Denkmal einer langen und bewegten Geschichte: Das renovierte Stift Tepl.

Nur einige Kilometer sind sie voneinander entfernt und doch sehr unterschiedlich: zwei Klöster in Westböhmen – das Prämonstratenserstift Tepl mit seiner bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichenden Geschichte und die 1999 neu gegründete Trappistenabtei Nový Dvùr. Eine vom Katholischen Bildungswerk im Landkreis Kelheim angebotene und von 60 Frauen und Männern wahrgenommene Studienfahrt lieferte interessante Einblicke. Um die beiden Klöster auf der Landkarte zu verorten: Sie liegen etwa 40 Kilometer südlich von Karlsbad und ungefähr vierzehn Kilometer östlich von Marienbad. Was sie aber verbindet: Nový Dvùr (übersetzt: Neuhof) war einer der 13 Guts- beziehungsweise Meierhöfe des Stifts Tepl.

Gründer des Klosters in Tepl war 1193 der Adelige Hroznata. Bereits 1230 konnte die Klosterkirche eingeweiht werden, als Mönche siedelten sich die Prämonstratenser an, die der Ordenstradition der Augustiner-Chorherren entstammen, ein Priesterorden und der Seelsorge verpflichtet sind. Drei Jahre später umfasste das Klostergut bereits 90 Dörfer. Nach Pestepidemien kamen deutsche Siedler auch nach Tepl, im Stift wirkten etwa ab dem Jahr 1400 deutsche Prämonstratenser. 1853 waren es 101 Chorherren, 1946 – dem Jahr der Vertreibung der Deutschen – nur noch 35. Bemerkenswert ist, dass die „Codex Teplensis“ schon 100 Jahre vor Martin Luther eine Bibelübersetzung in die deutsche Sprache beinhaltete. Zu erwähnen ist ferner, dass die Entdeckung der Heilquellen in Marienbad, deren Eigentümer das Stift Tepl war, diesem über lange Zeit gutes Geld brachte.

Die kommunistische Ära wirkt noch immer nach

Nach der Vertreibung der deutschen Prämonstratenser kamen Mönche vom Prämonstratenserstift Strahov in Prag. Nach der kommunistischen Machtübernahme wurden die Patres interniert oder in andere Klöster verbracht, das Stift 1950 aufgehoben, lange als Kaserne genutzt und 1990 als Ruine zurückgegeben. Seither laufen die Restaurierungsarbeiten. Immerhin konnte im Herbst 2018 das Stift Tepl wieder für die Besucher geöffnet werden, doch die Wiederherstellung der Nebengebäude wird noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

„Seit 1989/90 ist die Kirche zwar frei, aber wir spüren immer noch die kommunistische Vergangenheit und die Ungläubigkeit. Nach der Wende kam ein praktischer Materialismus auf, der Westen wurde zum Ideal“, beschreibt Abt Filip Lobkowicz die Ausgangssituation nach der Samtenen Revolution. Das Stift Tepl hat derzeit zwölf Mitbrüder, wovon sechs ständig im Haus sind. Die anderen sind entweder bereits in einem Seniorenheim oder in der Seelsorge in umliegenden Pfarreien beziehungsweise in Marienbad und Konstantinsbad tätig. Der Ordensnachwuchs komme, wenn überhaupt, vor allem aus der Slowakei.

Er schildert eindrucksvoll die Möglichkeiten und Behinderungen der katholischen Kirche im Kommunismus. „Die allgemeine Situation ist nicht einfach, das Bekenntnis zur Kirche sehr gering. Aber wir wollen das Erbe des seligen Hroznata weiterführen, der auch Patron der politischen Häftlinge und des Bistums Pilsen ist“, fasst der Abt zusammen.

Vor 20 Jahren gründeten die Trappisten ein neues Kloster

Auf erst zwanzig Jahre Historie kann das 1999 gegründete Trappistenkloster und 2011 zur Abtei erhobene Nový Dvùr zurückblicken. 1991 hatte sich eine kleine Gruppe Männer aus Böhmen und Mähren, die dieser geistlichen Richtung nahestanden, zusammengefunden. Danach kamen Männer aus anderen Ländern hinzu. 1998 entschied sich die Ordensleitung zur Neugründung eines Klosters. Da die tschechische Fraktion die größte war, wurde Tschechien Standort. Der Orden erwarb 1999 das verfallene Anwesen des früheren Hofes, das die Vorgabe der Abgeschiedenheit bestens erfüllte. Bis zur Kirchweihe 2004 wurde an dem Gotteshaus und den weiteren Anlagen gebaut. Derzeit entsteht eine vor allem für Touristen gedachte Kapelle. Im Klosterladen sind die in der eigenen Produktionshalle hergestellten Waren (Senf, Naturkosmetik) sowie Artikel aus anderen Trappistenklöstern zu kaufen.

Die Trappisten („Zisterzienser der strengeren Observanz“) stehen in der Traditionslinie der Benediktiner und Zisterzienser. Sie führen ein kontemplatives Leben mit strenger Klausur und nehmen keine Seelsorgeaufgaben wahr. Als Hauptgründungsvater gilt Augustin de Lestrange. Die Abgeschiedenheit sowie Askese, körperliche Arbeit beziehungsweise Handarbeit, Gebet und Lesung sind die Hauptaspekte im Ordensleben. Ins Auge fällt die von dem britischen Architekten John Pawson entworfene Klosterkirche, die dem Patronat Mariä Himmelfahrt gewidmet ist. In dem Bau für mehrere Jahrhunderte drückt sich die Ordensphilosophie des Minimalismus, der Ruhe und der Klarheit aus.

Derzeit leben hier 26 Trappisten, darunter sieben Priester, die aus sechs Ländern stammen. Neben den Tschechen und Slowaken sind dies Patres und Fratres aus Frankreich, den Niederlanden, Slowenien und Kroatien im Alter von 24 Jahren bis zum Senior. „Bischof Radkovský hat uns wohlwollend empfangen und gehofft, dass wir bei der Evangelisierung behilflich sind. Aber unsere Aufgabe sehen wir in erster Linie im Gebet“, macht Frere Romarik beim Gespräch mit der Besuchergruppe deutlich.

Ein Leben für das Gebet

Lesungen – täglich eine bis eineinhalb Stunden – in der Bibel oder anderen geistlichen Büchern, vier bis fünf Stunden gemeinsames Gebet in der Kirche sowie zwei Stunden persönliches Gebet – da wird das Leitmotiv des Ordens offensichtlich: Das Leben des Mönches ist dem Gebet gewidmet. Daneben stehen Tätigkeiten in der Fabrikationshalle oder handwerkliche Arbeiten in Wald und Gemüsegarten an. Nur für bestimmte Aufgaben werden externe Kräfte herangezogen.

Im Gästehaus werden Priester, Angehörige anderer Orden und Jugendliche, die in das Leben der Trappisten hineinschnuppern wollen, aufgenommen. „Aktuell können wir von dem leben, was wir selbst herstellen. Wir haben ein gutes Verhältnis zu den umliegenden Dörfern, auch wenn die Menschen nicht sehr christlich geprägt sind“, so Frere Romarik.

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