Kirche

Märtyrer der Treue zur Kirche

38 albanische Blutzeugen werden zur Ehre der Altäre erhoben – Darunter sind Alfons Tracki und Josef Marxen. Von Katrin Krips-Schmidt
Pfarrer Josef Marxen vor seinem Pfarrhaus
Foto: KNA | Pfarrer Josef Marxen vor seinem Pfarrhaus. In Albanien kämpfte er gegen die Blutrache und für Versöhnung in der Bevölkerung.

Am heutigen Samstag werden im Auftrag von Papst Franziskus 38 albanische Märtyrer seliggesprochen. Die in der albanischen Stadt Shkodra stattfindenden Feierlichkeiten werden von Angelo Kardinal Amato, dem Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren, geleitet. Am 26. April 2016 erkannte der Papst das Martyrium der albanischen Christen an, die während der kommunistischen Terrorherrschaft unter Enver Hoxha ermordet wurden, der das Land auf dem Balkan bis zu seinem Tod im Jahr 1985 regierte. Der Zusammenbruch des kommunistischen Systems erfolgte jedoch erst 1991.

Seit der Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahr 1944, durch die Albanien 1967 zum „ersten atheistischen Land der Welt“ deklariert wurde, setzte eine starke Verfolgung der katholischen Kirche ein, die mehrere Jahrzehnte anhalten sollte: Katholische Schulen wurden geschlossen, Bischöfe, Priester und Gläubige verhaftet und brutal ermordet – insgesamt waren es fast 2 100 Menschen, darunter auch viele Angehörige anderer Religionen.

Als die albanische Bischofskonferenz im Jahr 2002 das Seligsprechungsverfahren für die 38 Glaubenszeugen eröffnete, sagte der Weihbischof des Erzbistums Shkodra, Zef Simoni: „Der katholische Klerus zeichnete sich durch seinen Patriotismus und seine Kultur aus. Die Diktatur legte den Priestern nahe, sich vom Heiligen Stuhl in Rom zu trennen und eine nationalistische Kirche zu gründen. Doch sie lehnten alle tapfer ab. Dieser Vorschlag wurde auch dem Apostolischen Delegaten, Bischof Frano Gjini, unterbreitet, der entschlossen erwiderte: ,Ich werde meine Herde niemals vom Heiligen Stuhl abspalten.‘ Bischof Gjini wurde 1948 erschossen. Doch auch ohne die Leitung durch ihren Hirten weigerten sich die Priester, ins Schisma zu gehen, und viele von ihnen bezahlten ihre Treue zu Rom mit dem Gefängnis und sogar mit dem Tod.“

Zu ihnen gehören auch zwei Priester aus dem deutschsprachigen Raum. Alfons Tracki wurde am 2. Dezember 1896 als Sohn eines Offiziers im oberschlesischen Bleischwitz geboren und wuchs mit drei Geschwistern auf. 1911 trat er mit vierzehn Jahren der Kongregation der Christlichen Schulbrüder in Wien bei. Nach Beendigung seines Noviziats wurde er nach Albanien entsandt, wo er in Shkodra am Franz-Xaver-Kolleg unterrichtete. Während des Ersten Weltkrieges wurde er zum Militärdienst nach Breslau abberufen. Wieder zurück in Albanien nahm er das Studium der Theologie und der Philosophie auf und wurde 1925 in Shkodra zum Priester geweiht. Dort diente er auch als Kaplan an der Kathedrale St. Stefan, gründete eine Jugendorganisation und wurde schließlich Pfarrer in der nordalbanischen Stadt Velipolja. Als Pfarrer Tracki, der sich um den Zusammenhalt der Menschen in Albanien untereinander und ihre Verständigung sehr verdient gemacht hatte, einem bei Kampfhandlungen tödlich verletzten jungen Mann die Sterbesakramente spendete, wurde er am 13. Februar 1946 in Shkodra gefangen genommen. Wegen dieser vom Staat verbotenen kirchlichen Amtshandlung verurteilte man ihn zum Tod. Das Urteil wurde am folgenden Tag, am 14. Februar 1946, durch Erschießen vollstreckt.

Wie sein Mitbruder Alfons Tracki zählt auch Josef Antonius Marxen zu den herausragenden Blutzeugen des kommunistischen Gewaltregimes in Albanien. Er kam am 2. August 1906 in Köln-Worringen als viertes von neun Kindern auf die Welt. Sein Vater war Gutsverwalter. Nach dem Besuch der Grundschule besuchte er ein Jahr lang eine staatliche Oberschule, bevor er 1921 mit fünfzehn Jahren Aufnahme in einem Gymnasium der Steyler Missionare fand. Nach den Studien der Philosophie und der Theologie in Sankt Augustin bei Bonn und in Mödling bei Wien verließ er jedoch die Gemeinschaft der Steyler Missionare. Dennoch blieb seine Berufung, als Missionar tätig sein zu wollen (er wollte nach Russland gehen), weiterhin wach, und so empfing er am 21. Juni 1936 im Orientalischen Kolleg der Benediktiner in München die Priesterweihe.

Das Orientalische Kolleg entschied indes, Marxen als Missionar nach Albanien zu schicken. So machte er sich, ohne jegliche Kenntnisse der albanischen Sprache, in eine für ihn fremde Welt auf und wirkte von 1936 bis 1941 als Pfarrer in dem nordalbanischen Bergdorf Perlat, in dem nur katholische Einwohner lebten. Von 1941 bis 1945 betreute der Missionar eine Pfarrei in Juba in der Nähe der Hafenstadt Durrës. Pfarrer Marxen erreichte es, verfeindete Lager wieder miteinander zu versöhnen. Es gelang ihm sogar, in seinem Wirkungsbereich der „Blutnahme“ – eine Art Blutrache, der zufolge nach dem „Gesetz der Berge“ für einen verletzten oder getöteten Mann ein Mann aus der Täterfamilie erschossen werden muss – ein Ende zu setzen. Im Februar 1946wurde „Dom Zef“, wie Marxen in seiner Region genannt wurde, inhaftiert, kam nach der Intervention der katholischen, orthodoxen und muslimischen Ältesten der Dörfer, in denen er tätig war, zunächst frei. Doch schon kurze Zeit später nahm man ihn erneut fest und überstellte ihn nach Tirana. In einem Wald wurde er unweit der Stadt am 16. November 1946 erschossen.

Cäcilia Giebermann, eine Verwandte des Priesters, hat sich auf „Spurensuche“ in den Balkanstaat begeben, als sie von dem Verfahren zur Seligsprechung erfuhr. Die Ärztin und Juristin, die am Erzbischöflichen Ordinariat in Köln als Richterin tätig ist, hat über „Dom Zef“ eine Biographie verfasst („Josef Marxen, Missionar in Albanien“, Trier 2016). Die fünffache Mutter sagt nach ihren Recherchen: „Als Ärztin beeindruckt mich besonders, wie beherzt mein Großonkel sein medizinisches Wissen angewandt hat: Einem kleinen Jungen, der an hohem Fieber zu sterben drohte, schabte er monatelang regelmäßig mit einem Löffel den Eiterherd aus, getreu der Grundregel: ,Wo Eiter ist, muss er entfernt werden.‘ Der Junge wurde gesund und hat als Lehrer gearbeitet, die längst verheilte große Narbe ließ der alte Mann mich tasten. Faszinierend, wie gut Josef Marxen als Missionar auch medizinisch ausgebildet war!“ Wenn sich Cäcilia Giebermann heute, am Tag seiner Seligsprechung, etwas wünschen könnte, so appelliert sie an uns alle: „Begegnen wir den Albanern, die hilfesuchend zu uns nach Deutschland kommen, mit der gleichen Offenheit und Herzlichkeit, die Pfarrer Marxen ihnen in ihrer Heimat entgegengebracht hat!“

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