Eucharistische Wunder

Lernen von einem Teenager

Eine persönliche Betrachtung zur Ausstellung der eucharistischen Wunder des seligen Carlo Acutis.
Carlo Acutis war ein Jugendlicher, der mitten im Leben stand
Foto: Stefano Dal Pozzolo (Romano Siciliani) | Einer von uns: Carlo Acutis war ein Jugendlicher, der mitten im Leben stand. Christus ging ihm über alles. Die Aufnahme zeigt Gläubige, die in Assisi vor seinen sterblichen Überresten beten.

Es war im vergangenen Sommer, als ich das erste Mal von Carlo Acutis und seiner Seligsprechung hörte. Und nun war die Ausstellung zu ihm und den eucharistischen Wundern, deren Zusammenstellung er initiiert hatte, in unserer Seelsorgeeinheit angekommen. Ich war gespannt darauf, welche Wunder vorgestellt würden, kannte ich seine Person doch noch viel zu wenig, um mir ein Bild darüber machen zu können. Wir beschlossen im Pastoralteam den Schwerpunkt auf Carlo Acutis zu legen. Bei der Textauswahl und der Vorbereitung kreisten meine Gedanken immer wieder um den jungen Mann.

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Ein normaler Teenager

Carlo, ein italienischer Teenager, starb 2006 mit 15 Jahren nach schwerer kurzer Krankheit. Im selben Jahr wurde meine Tochter geboren, die heute 15 Jahre alt ist. Ich zog schnell weitere Parallelen: ein Teenager, der wahrscheinlich ausschließlich in Jeans, Sneaker und Hoodie zu sehen war, wie jeder andere Fast-Erwachsene auch. Zerzaustes Haar, ein ungezwungenes Lachen, ein saloppes Foto und das Handy wird oft in Griffweite gewesen sein. Ich musste innerlich lächeln bei dem Gedanken, dass mir dieses Bild so vertraut war.

"Auch selig gesprochene Teenager
können zu Lebzeiten anstrengend gewesen sein"

Familie Acutis lebte recht normal und es zeichnete sich nicht ab, dass sie einen für die Weltkirche bedeutenden Jungen in der Familie haben würden. Auch selig gesprochene Teenager können zu Lebzeiten anstrengend gewesen sein: Es gehört zur Lebensphase der Pubertät dazu, sich den eigenen Weg zu erschließen und deshalb den Eltern ab und an zu widersprechen. Wenn ich ehrlich bin, sind Teenager aber auch deshalb anstrengend, weil sie sich nach Idealen ausstrecken und oft das „Wahre und Reine“ suchen.

 

 

Werdet wie Teenager

Sie geben sich nicht mit „Halbgarem“ zufrieden, sondern stellen Dinge infrage, polarisieren und gehen manchmal mit dem Kopf durch die Wand. Das kenne ich aus vielen Diskussionen mit meiner Tochter. Ich werde erinnert an die Worte Jesu: „Ihr müsst werden wie die Kinder.“ Jesus kannte das Wort Teenager noch nicht, vielleicht hätte er sonst gesagt: Ihr müsst werden wie die Teenager: mutig, frei und voller Tatendrang.

Wie Carlo wohl als Junge und kleineres Kind gewesen ist? Er hat schon früh den Ruf und das Werben Jesu verspürt. Es war eine kindliche Freiheit, die ihn angetrieben hat. Spüre ich diesen Ruf Jesu nicht auch häufig? Jesus wirbt um mich, manchmal spielt er sogar mit mir: Wie Bonbons säumt sein Werben dann meinen Weg. Seine Bonbons sind unerwartete freundliche Gesten anderer im Autoverkehr, ein lustiger Kommentar des Kellners beim Mittagstisch, ein Kollege, der mir unerwartet unliebsame Aufgaben abnimmt. Oft kommt ein Bonbon vor einem lästigen Termin oder nach einem unliebsamen Gespräch. Auch in stressigen Situationen erlebe ich immer wieder einen Windhauch seines Friedens, der mir zuflüstert „Du bist nicht allein – ich bin da.“

Ein Vorbild

Der Himmel wirbt um mich im Alltag, 7 Tage die Woche, 24 Stunden lang. Dabei ist der Sonntag der Höhepunkt seiner Werbung. Seit einigen Monaten spüre ich, wie eine Vorfreude auf die sonntägliche Messe sich während der Woche aufbaut. Vorfreude ist auch ein Aspekt, der mir bei der Beschäftigung mit Carlo aufgefallen ist. Im Angesicht der schweren Krankheit und des nahen Todes, hat er eine Vorfreude auf das baldige Treffen mit seinem Herrn verspürt. Er war dabei aber nicht diesseitsscheu. Ganz im Gegenteil, denn er hat viel seiner Energie in „weltliche“ Kompetenzen, wie seine Fähigkeit mit neuen Medien umzugehen, investiert und weiterentwickelt. Er wusste, wenn es auf der Erde zu Ende geht, dann erwartet mich noch etwas „viel Besseres“, was mit einem großen Frieden und einer tief empfundenen Freude einherging.

Carlo ist mit seiner Leichtigkeit ein Vorbild für mich. Er schüttelt die naiv-kindliche Perspektive aus dem Bibelwort „Ihr müsst werden wie die Kinder“ ab und öffnet einen Raum der intuitiven und unmittelbaren Begegnung mit Gott. Ich kenne das Gefühl, unmittelbar mit Gott in Kontakt zu sein, aber gebe ihm leider viel zu selten die Zeit, sich so zu zeigen.

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Mehr Gelassenheit

Carlo machte Mut, die eigenen Fähigkeiten für Gott einzusetzen: Genau da, wo Gott uns im Leben einen Platz gegeben hat, genau in der Lebensphase, in der wir uns befinden. Carlo war ein ganz normaler Teenager, der seinem Herzen, das genährt war von Christus, folgte. Der bei seinen Eltern nicht locker ließ mit seinem Wunsch, mit ihm um die halbe Welt zu reisen und die eucharistischen Wunder zu dokumentieren. Der sicherlich bemerkte, dass die meisten um ihn herum diesen inneren Drang nicht verspürten. Er wurde weder bitter, noch überheblich, noch ließ er darin nach, mehr von Gott zu erfahren.

Ich bin dankbar über diesen Teenager in Jeans, Turnschuhen und Sweater. Er ermutigt mich den Blick auf Christus weiter zu halten, das Geschenk der Eucharistie als Nährboden meines Lebens anzunehmen und meine Fähigkeiten für die Kirche einzubringen. Und ich werde zukünftig mit größerer Gelassenheit in die Diskussionen mit meiner Tochter gehen, denn auch durch sie kann der Herr mir zeigen, auf was es im Leben ankommt.


Die Autorin lebt in der Seelsorgeeinheit Remstaltor.
Informationen über die Ausstellung .

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