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Katholizität in Fülle

Wie ich meinen Weg in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche fand
Abteikirche Maria Laach
Foto: Julia Steinbrecht (KNA) | Die Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel stellte eine wichtige Station auf der geistlichen Suche der Autorin dar.

Nach der Rückkehr vom Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe aus Rom sprach Bischof Bätzing davon, „anders“ katholisch sein zu wollen. Doch meint „anders“ katholisch wirklich noch Katholizität „in Fülle“?

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Viele Bausteine

Nach einem langen Weg bin ich Gottes Ruf gefolgt und habe um Aufnahme in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche gebeten. Das macht man nicht aus einem Gefühl heraus, sondern es ist ein geistlicher Weg, den ich als wunderbare Vertiefung meines Glaubens erlebe. Ich wusste, worum ich bat. Diesen Weg in die katholische Fülle, den Gott mich führt, will ich weiter gehen.

Als evangelische Pfarrerstochter im katholischen Münsterland aufgewachsen, war die katholische Kirche immer präsent. Mein Vater erzog uns streng lutherisch und diese Prägung wirkte stark. Meine Mutter war eine sehr fromme Frau und so ist es ein Geschenk Gottes, schon von klein auf mit Gebet und Bibeltexten aufwachsen zu können, um im besten Sinne evangelisch zu leben.

Für den Weg in die katholische Kirche waren viele kleine Bausteine wichtig.  So besuchte ich einen katholischen Kindergarten und später ein katholisches Gymnasium, beides prägte. Diskussionen um Glaubensunterschiede waren stets sehr interessant, doch bekannte ich nicht ohne Stolz, in der Nachfolge Luthers zu glauben und zu leben.

Begegnung mit der Ökumene

Während in Kindheit und Jugend die Gemeinde meines Vaters immer das Wichtigste war, so änderte es sich in der Studienzeit schleichend. Ich engagierte mich in einer Dritte-Welt-Gruppe, später auch politisch. Mir schien dies eine konsequente Umsetzung des Glaubens in dieser Welt. Nach Studium und Promotion führte mein Weg ins Bibliothekswesen. Glaube und Kirche wurden mir nicht unwichtig, aber ich lebte es nicht mehr. Der Gottesdienstbesuch wurde selten, ebenso das Bibellesen und das Gebet. In furchtbarer Selbstverblendung meinte ich, alles schon zu wissen.

Viel später begann ich, mich sehr intensiv in der evangelischen Kirchengemeinde eines kleinen Ortes in Brandenburg zu engagieren und war aktiv im Gemeindekirchenrat. 2010 erlebte ich einen Pfarrer, der sehr an der Ökumene interessiert war. Er feierte wöchentlich das Abendmahl, bot Glaubenskurse an und führte ökumenische Veranstaltungen durch. Dies war Anlass, mich mit vielen Fragen genauer und neu auseinanderzusetzen, und mein Suchen wurde mir immer ernsthafter. Wobei ich zunächst nicht daran dachte, katholisch zu werden. Aber dass es mehr gab, als das, was ich bisher kannte, das war inzwischen eine tiefe Sehnsucht und eine deutlicher werdende Ahnung. Dies war weniger eine Kritik am Evangelischen als eine Ahnung, dass Gott mehr anbietet.

 

 

Dem Ruf Gottes antworten

Als ich 2015 – inzwischen lebte ich in Rheinland-Pfalz – die Einführung in eine Ausstellung zur Geschichte des evangelischen Pfarrhauses vorbereitete, führte mein Suchen zur Frage nach Amt und Kirche. Ich ahnte zunächst mehr intuitiv, wie grundsätzlich diese Fragestellung war. Später wurde klarer, dass mir die evangelischen Antworten nicht mehr genügten, auch wenn sie durchaus wichtige Teilaspekte hervorhoben. Dies erging mir ebenso mit der Frage nach Abendmahl und Eucharistie, die sehr virulent wurde bei der Vorbereitung einer Ausstellung zum Reformationsjahr in der Benediktinerabtei Maria Laach.

Diese Ausstellung wurde zum Anlass, mich ernsthaft mit den Glaubensinhalten auseinander zu setzen. Dies erneuerte meinen Blick auf die Reformationszeit. Als ich zum ersten Mal meinem geistlichen Begleiter mitteilte, dass ich katholisch werden wolle, spürte ich, dass ich auf Gottes Ruf antwortete. Wenige Wochen danach erlebte ich erneut sehr tief im Inneren, dass ich katholisch werden wollte. Ich kniete ganz allein in einer katholischen Kirche – erstmals vor einem Tabernakel.

Weg in der Nähe zu Gott

Es ist sehr gut, dass zwischen dem Äußern eines solchen Wunsches und der Aufnahme eine Zeit der Glaubensbesinnung und -unterweisung erfolgen muss. Durch meine ständigen Berührungspunkte mit der katholischen Kirche meinte ich, viel zu wissen und musste beschämt feststellen, mit welchen Vorurteilen ich gelebt hatte. Ich besuchte wöchentlich heilige Messen und die Trauer, nicht an der heiligen Eucharistie teilnehmen zu können, wuchs, obwohl das Warten richtig war. Ich lernte die Stundengebete kennen und die Gottesmutter Maria völlig neu zu verstehen. Ich erfuhr und verstand jetzt erst, wie wichtig die Heiligen sind – nicht nur als Vorbilder. Ich lernte den Katechismus zu verstehen und vieles Oberflächliche wurde infrage gestellt und geistlich neu durchdacht und durchlebt. Die Aufnahme in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche 2016 in Maria Laach war für mich ein ganz entscheidender Schritt.

Mein Lebensweg ist trotz all meiner Verirrungen, die es leider auch gab, immer wieder ein Beleg für Gottes Nähe und seine Führung. Dafür bin ich unendlich dankbar und mich erfüllt(e) eine sehr große Freude. Mein Leben ist seither nicht einfacher und leichter geworden, aber alles lässt sich besser ertragen und durchstehen.

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Mit Fragen des Glaubens beschäftigen

Wenn der Synodale Weg in Deutschland etwas Gutes hat, dann dass er Anlass ist, sich mit allen Fragen des Glaubens intensiv auseinander zu setzen – gerade weil ich kritische Anfragen an die Methode und Zielsetzung des Synodalen Weges habe und in den Textvorlagen und Diskussionen die notwendige theologische Differenzierung oft schmerzlich vermisse. Dank der Initiative „Neuer Anfang“ kann jeder in den gründlichen Analysen und vor allem durch die Zusammenstellung der Zitate aus den Texten der Foren selbst prüfen, ob das nur eine Varianz des Katholischen ist oder vielmehr etwas ganz anderes. Was Papst Franziskus sich für die katholische Kirche in Deutschland wünscht, hat er in seinem persönlichen Brief „An das pilgernde Volk Gottes“ deutlich gesagt. Sein Verständnis von katholischer „Synodalität“ steht zudem in einem weltkirchlichen Horizont.

Erfüllte Sehnsucht

Ich komme aus einer guten protestantischen Tradition, doch meine erst durch die Aufnahme in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche erfüllte Sehnsucht ist ein Geschenk, für das ich unendlich dankbar bin. Die Eucharistie als Quelle und Mittelpunkt des Glaubens, die Beichte mit der Zusage der Vergebung durch einen geweihten Priester, die ganze Vielfalt und der geistliche Reichtum der Liturgie, die alles Provinzielle überschreitende Katholizität der Weltkirche und so Vieles mehr sind für mich unverzichtbar geworden. Diese katholische Fülle durfte und darf ich immer neu und immer mehr erfahren; von ihr lebe ich. Dazu möchte das „Kommt und seht!“ einladen.

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