Junge Federn: Weltreligionen und Inkarnation

Woran und warum wir glauben ist eine Herausforderung, aber eine schöne. Von Benedikt Bögle
Benedikt Bögle, freier Autor "Junge Federn"

Ich war auf Amazon unterwegs auf der Suche nach einem Buch über die Inkarnation. Nicht Reinkarnation, nicht Esoterik, sondern – ganz einfach, dachte ich – die Inkarnation Jesu Christi. Fehlanzeige. Wer nach „Inkarnation“ sucht, wird mit seltsamen Ratgebern zur Re-Inkarnation beglückt. Neuer Versuch. Ich gebe „Inkarnation Jesus“ ein. Der erste Treffer preist mir ein Werk über das Verhältnis von Jesus zu Buddha an. Ich bin ein wenig verärgert. Inkarnation ist nicht nur ein feststehender Begriff der Theologie, sondern als solcher auch Ergebnis des Glaubens, wie er sich im Credo niederschlägt: „et incarnatus est“. Was soll das bitteschön mit Wiedergeburt zu tun haben?

Im gleichen Augenblick wundere ich mich aber auch über die Fülle der Bücher, die es zu diesem Thema gibt. Die werden ja offensichtlich gekauft und gelesen, sonst wäre das Angebot nicht so groß. Das zeigt doch, dass sich die Menschen heute genauso wie früher nach religiöser Sinndeutung sehnen. Das eigene Leben erscheint rätselhaft, man sucht nach dem Sinn dahinter: Warum ist etwas und nicht vielmehr nichts? Über Jahrhunderte hinweg hatte das Christentum das Monopol auf diesem Gebiet. Sinndeutung? Christentum.

Das scheint vorbei zu sein. Man wird nicht mehr selbstverständlich Christ. Nur weil die Eltern oder Großeltern getauft waren und mehr oder weniger regelmäßig einen Gottesdienst besuchten, macht man das nicht automatisch selbst so. Nur weil man selbst vielleicht noch getauft wurde, bedeutet das nicht unbedingt, dass man den christlichen Glauben an seine Kinder weitergibt. Aber trotzdem muss man leben. Und wer lebt, muss auch hin und wieder leiden, erleben, wie Beziehungen zerbrechen, wie man unverschuldet Unangenehmes erdulden muss oder die eigene Schuld droht, übermächtig zu werden. Mit anderen Worten: Man braucht einen Sinn im Leben. Also sucht man. Ist ja logisch.

Man kann es nun sicherlich bedauern, dass das Christentum bei uns seine Selbstverständlichkeit verloren hat. Andererseits: Das birgt Chancen. So können wir zu unseren Quellen zurückfinden. Jesus Christus nachzufolgen, ist nie eine Selbstverständlichkeit. Diesen ganz persönlichen Glauben und diese private Beziehung in einer großen, weltumgreifenden Gemeinschaft zu leben, ist auch nicht immer spannungsfrei und kann es auch gar nicht sein. Es ist doch irgendwie sogar gut, dass uns so vor Augen geführt wird, dass unser Glaube keine Selbstverständlichkeit und kein blinder Automatismus sein darf.

Wir müssen uns in der Welt von heute behaupten und zeigen, woran und warum wir glauben. Eine Herausforderung, aber eine schöne. Das erfordert auch Dialogfähigkeit, mit anderen Menschen und anderen Religionen.

Ob ich mir das Buch über Jesus und Buddha wohl mal bestellen sollte?

Der Autor, 23, studiert Rechtswissenschaften in Regensburg

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