Junge Federn

Ist denn alles Quantenphysik?

Die Empirie der modernen Wissenschaft scheint erdrückend zu sein. Doch wo nur Empirie, da kein Beweis!
Glaube und Biochemie
| Daniel Feind

Als Drittsemester habe ich von Glauben und Biochemie einen guten Eindruck gewonnen. Und es ist oft genug nur der Versuch, wie in der Neurobiologie, wie in der modernen Psychologie, den Menschen zu enträtseln, ihn als Opfer der Evolution und seiner Triebe darzustellen und so letztlich seiner Menschlichkeit zu berauben. Aber, konsequent zu Ende gedacht, lässt sich ein Trieb etwa auf Botenstoffe im Hirn zurückführen, und deren Wirkung auf chemische Reaktionen.

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Ist also alles Quantenphysik? Man möchte fast zustimmen, so erdrückend scheint die Empirie moderner Wissenschaft zu sein. Doch wo nur Empirie, da kein Beweis! Nur eine unwiderlegte Behauptung steht im Raum, und jederzeit können neue Erkenntnisse die gesamte Physik völlig entwerten. Also ist das alles Menschenwerk, und nicht die Religion, wie gerne gesagt wird. Denn diese hat ihre Grundlagen in der Metaphysik, auf einer gleichen Ebene abstrakter, zwingender Notwendigkeiten, in welcher auch die Mathematik ist. Das ist eine höhere, nicht materielle Wirklichkeit, die dennoch nicht weniger real ist. „Was ich nicht sehe, ist nicht da!“, ist ein Argument eines Kleinkindes. Zudem muss gesagt werden: Wenn alles nur energetisch günstige Prozesse sind, dann ist jede Information, jeder Sinn negiert. Dann gibt es keine Konkurrenz unter den Rassen mit dem Ziel des Überlebens, denn all das ist eben nur Ausdruck energetischer Prozesse, der Rest bloße menschliche Zuschreibung.

Ist denn jede Sinnzuschreibung Einbildung?

Dann gibt es auch keine Philosophie, der Mensch ist ein Ding, aber dann hat er auch keinen besonderen Wert, weil er sich nur quantitativ von anderen Dingen unterscheidet und darum keine Würde. Diese Argumentation entzieht ganz en passant jeder Art von sonstiger Wissenschaft die Existenzgrundlage, erst recht den Menschenrechten. Doch wie beweist diese Argumentation ihre Richtigkeit? Sie ist ja auch nur Ausdruck von energetischen Prozessen im Hirn und damit wie jeder bewusster Gedanke, jede Sinnzuschreibung nur eine Einbildung. Aber es gibt nicht einmal etwas, dem sie eine Einbildung sein könnte, der Mensch ist ja ein seelenloses Ding. Wie und wo existiert sie denn dann? Konsequent zu Ende gedacht existiert auch diese Theorie eigentlich gar nicht, denn die Existenz einer metaphysischen Ebene wird ja in einem Zug auch geleugnet. Diese Irrlehre widerlegt sich selbst.

Halten wir uns lieber an den alten Grundsatz: Contra facta non valet argumentandum und bleiben unserer wahren Alma mater treu.

Der Autor, 18, studiert Biochemie an der Universität Köln

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