Die Frage

Sollen Priester in der Ausbildung lernen, die Alte Messe zu zelebrieren? Von Uli Empt
Pfarrer Guido Rodheudt

Es antwortet:

Pfarrer Guido Rodheudt

Die „alte Messe“, deren Zelebration Papst Benedikt XVI. für jeden Priester ohne sonderliche Einschränkungen möglich gemacht hat, gehört seit dem Jahre 2007 wieder zum regulären liturgischen Leben der Kirche. Auch wenn es bis heute noch genügend Versuche gibt, zu suggerieren, die „tridentinische“ Liturgie sei allein aus Mildtätigkeit gegenüber schrägen „Tradis“ und deren nostalgischen Bedürfnissen aus dem Giftschrank geholt worden, hat sich die klassische römische Messe als positiv befruchtend für das allgemeine liturgische Leben der Kirche erwiesen. Die Erfahrung an Orten, wo die „alte Messe“ im regulären Gottesdienstplan von Pfarreien auftaucht und von den zuständigen Pfarrern zelebriert wird, deren liturgische Betätigung sich ansonsten im ordentlichen usus des römischen Ritus bewegt, zeigt, dass mit der Vergegenwärtigung der Tradition keineswegs eine pastorale Zweiklassengesellschaft geschaffen wird, sondern die Seelsorge insgesamt eine neue Justierung erlebt. Die Richtung dessen, was der ansonsten arg strapazierte Begriff „Pastoral“ meint, wird durch die liturgische Eindeutigkeit der klassischen Liturgie eben auch eindeutig: Es geht um Gott und um die Sorge, dass die Menschen Ihn finden und Ihre Seele dadurch heilen und retten. Das wiederum ist die Aufgabe der Priester und sollte daher auch der Inhalt ihrer Ausbildung sein. Wenn man einmal alle kirchenpolitischen Verkrampfungen löst und alle pastoraltheologischen Scheuklappen abnimmt, wird man feststellen können, dass nicht wenige junge Priester offen sind für die Zelebration der „Alten Messe“. Und zwar weil sie dadurch automatisch lernen, die „neue Messe“ zu verstehen, von der wir ja stets hören, dass sie keinen Bruch mit der Tradition darstellen, sondern in deren Licht gefeiert werden soll. Von daher ist eine Heranführung von Priesteramtskandidaten an die klassische Liturgie, inklusive ganz praktischer Übungen, eine kluge Maßnahme, den heutigen Klerus mit der Tradition vertraut zu machen, ohne die keine wahre Seelsorge gelingen kann. Und es erscheint vor diesem Hintergrund höchst unklug, die „alte Messe“ nebst ihren Liebhabern seitens der obrigkeitlichen Instanzen zu Angstgegnern zu stilisieren und sie durch juristische Bandagen und Verbotsszenarien in die Ecke zu stellen. Es hat sich in den Jahren nach der Freigabe der überlieferten römischen Messe gezeigt, dass man mit überholten Parametern aus der Nachkonzilszeit den Herausforderungen der gegenwärtigen Situation bei jungen Laien und Priestern und deren Bedürfnis nach Anschluss an eine Kirche, die älter ist als der Jahrgang 1968, nicht gerecht wird. Was eine 26-jährige Kolumnistin zum 10-jährigen Jubiläum der Wiederzulassung der Alten Messe am 7. Juli 2017 schrieb, beantwortet daher die Frage nach einer – notwendigen – Integration der überlieferten Liturgie in die Priesterausbildung aus einer interessanten Warte: „Warum hatte ich Angst, darüber zu schreiben? Weil ich die Vorwürfe jetzt schon höre: Ich darf diese Art der Liturgie nicht schön finden, weil ich sonst alles verrate, was das Zweite Vatikanum errungen hat. Weil ich sonst Klerikalismus befördere. Weil ich sonst eine Traditionalistin bin. Warum nur wollen viele nicht hören, dass ich mich in einer solchen Liturgie Gott näher fühle? [...] Und es geht nicht nur mir so. Ein Blick in die Kirchenbänke genügt: Viele junge Menschen fühlen sich von der Schönheit, der Stille und der Ernsthaftigkeit der alten Messe angezogen.“

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Benedikt XVI. Liturgie Pfarrer und Pastoren Seelsorge Tridentinische Messe

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