Deutschland, ein Flickenteppich

Das Vorpreschen mehrerer Bistümer im „Kommunionstreit“ gefährdet die Einheit der Kirche. Von Christoph Ohly

Die Diskussion um die mögliche Zulassung zur Kommunion von evangelischen Ehepartnern in konfessionsverschiedenen Ehen stellt sich für viele Gläubige als zunehmend undurchsichtig und verwirrend dar. Viele fragen sich, was denn nun tatsächlich gilt.

In den vergangenen Wochen ist das eingetreten, was die Ausführungen im Brief des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, an Kardinal Marx, der von Papst Franziskus gebilligt wurde, gerade verhindern wollten. Darin hatte es geheißen, die sogenannte Orientierungshilfe der Deutschen Bischofskonferenz sei „nicht reif“ für eine Veröffentlichung. Vielmehr wurde deutlich gemacht, dass die Frage des Kommunionempfangs durch nichtkatholische Christen im Zusammenhang des sakramentalen Lebens der Kirche eine universalkirchliche Bedeutung besitze und von daher nicht durch eine Bischofskonferenz normiert werden könne. Dass die Orientierungshilfe der Deutschen Bischofskonferenz nun doch veröffentlicht wurde, hat Kardinal Marx in einem persönlichen Gespräch mit Papst Franziskus erreichen können. Gemäß der Note vom 12. Juni 2018 ist sie zwar kein offizielles Dokument der Bischofskonferenz, soll aber durch ihre öffentliche Bekanntmachung dem einzelnen Diözesanbischof als Orientierung dienen. Das verstehe, wer will. Doch eins ist offensichtlich: Im Widerspruch dazu steht die Tatsache, dass die Orientierungshilfe nun allerdings in einigen Diözesen als „wegweisend“ für die Pastoral mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren vorgegeben worden ist. In einigen Fällen wird sogar von der „Inkraftsetzung“ des Textes gesprochen. Daraus entsteht derzeit unter den Diözesen in der Bundesrepublik Deutschland ein „Flickenteppich“, der mit Blick auf die zentrale Bedeutung der Eucharistie für das Leben der Kirche nicht nur als unwürdig, sondern zugleich als die Einheit der Kirche zutiefst gefährdend zu beurteilen ist.

Folglich muss jetzt daran erinnert werden, dass in kirchenrechtlicher Hinsicht weiterhin das gilt, was der Brief von Erzbischof Ladaria maßgebend aussagt. Der Bischofskonferenz kommt es demnach in dieser Frage nicht zu, neues Recht zu setzen, das aufgrund seiner inneren Ausrichtung auf die kirchliche Glaubenslehre eine bindende Verpflichtung für die Gesamtkirche besitzt. Vielmehr behält sich der Apostolische Stuhl vor, genauer zu klären, wie die im einschlägigen can. 844 § 4 CIC neben der Todesgefahr angeführte schwere Notlage (gravis necessitas) zu interpretieren und was genau darunter zu fassen ist. Im Rahmen und in Folge dieser Feststellung wird dem Diözesanbischof die Aufgabe zukommen, zu beurteilen, inwieweit die Situation in seiner Diözese davon betroffen ist. Folglich gelten weiterhin die Aussagen des can. 844 § 4 CIC in Verbindung mit den Vorgaben des Ökumenischen Direktoriums (Art. 129–131). Dabei gilt generell, dass alle Christen berufen sind, die in der Taufe grundgelegte Einheit zu bezeugen. Doch ist eine gemeinsame Feier der Eucharistie aufgrund der noch trennenden Glaubensüberzeugungen nicht möglich. Die Eucharistiefeier bleibt gemäß kirchlicher Lehre immer das Sakrament, das als „Quelle und Höhepunkt“ (LG 11) allen kirchlichen Lebens die volle Einheit im Glauben an Gottes Heilswirken in Jesus Christus bezeugt.

Eine Zulassung zum Kommunionempfang, wie sie die Diskussion für evangelische Christen in den Blick nimmt, ist daher nur im Einzelfall möglich, wenn die Sorge um das Heil des Betreffenden eine schwerwiegende Bedeutung erhält. Das gilt zweifelsohne in Todesgefahr, wenn evangelische Christen einen Geistlichen der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können, von sich aus darum bitten, den katholischen Glauben bezüglich des Sakramentes bekunden und in rechter Weise vorbereitet sind. Wann eine andere schwere Notlage vorliegt, die das Heil des betreffenden Christen berührt, wird die anvisierte Klärung durch den Apostolischen Stuhl ergeben.

Im Widerspruch dazu steht die generelle Einladung zum Kommunionempfang, die der neue Würzburger Bischof Franz Jung jüngst im Rahmen einer Feier mit Jubelehepaaren ausgesprochen hat. Dabei wurde ausdrücklich auf einen Hinweis bezüglich bestehender zentraler Bedingungen wie beispielsweise das Bekunden des katholischen Glaubens hinsichtlich des Sakraments und eine rechte Vorbereitung – vornehmlich durch die Beichte – verzichtet. Die allgemeine Zulassung zur Kommunion für alle sollte hier als Ausdruck des Dankes und eine Art Belohnung für die eheliche Treue verstanden werden. So sehr eheliche Treue höchste Dankbarkeit und Freude verdient, muss aber zugleich betont werden, dass für dieses Vorgehen einer allgemeinen Einladung zum Kommunionempfang kein Recht besteht, auf das sich der Bischof berufen kann. Vielmehr widerspricht dieses Vorgehen den maßgeblichen Vorgaben und Überzeugungen der Kirche und erweckt den Anschein einer Abhängigkeit des Sakramentenempfangs vom aktuellen bischöflichen Willen. Weder die kirchenrechtlichen Bestimmungen mit ihren theologischen Implikationen noch die Ausführungen des Ökumenischen Direktoriums lassen dies zu. Und selbst mit den Ausführungen der Orientierungshilfe der Bischofskonferenz kann dies nicht begründet werden. Im Gegenteil: Wenn die Zustimmung zu den grundlegenden Überzeugungen des katholischen Glaubens hinsichtlich der Sakramente nicht mehr als Voraussetzung für ihren Empfang benannt und eingefordert wird, steht der konstitutive Zusammenhang von Glaube und Sakrament in Gefahr. Denn dann werden Sakramente und ihr Empfang auf Dauer zu bloßen Ritualen gemeinschaftlicher Verbundenheit. Doch die Sakramente bezeichnen immer Vollzüge des Glaubens der Kirche (vgl. can. 840 CIC), der eben nicht nur persönlich, sondern zugleich inhaltlich in der Gemeinschaft der Kirche zu fassen und daher zu bezeugen ist. Davon kann und darf kein Bischof dispensieren.

So gilt es schließlich, noch einmal an die Haltung des geistlichen Gehorsams des Christen zu appellieren, der die Einheit mit Christus und seiner Kirche sucht. Das bedeutet momentan, auf die Klärung der Frage durch den Apostolischen Stuhls für die ganze Kirche vertrauend zu warten, um daraufhin entsprechende Entscheidungen in den Diözesen treffen zu können. Nur dann kann wirklich Fruchtbares und Bleibendes entstehen.

 

Hintergrund

Nachdem sich das Erzbistum Paderborn für eine Zulassung protestantischer Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen zur Kommunion im Einzelfall ausgesprochen hat (DT vom 5.7.), haben weitere deutsche Diözesen die Orientierungshilfe der Bischofskonferenz für die Seelsorge empfohlen. Die Oberhirten von Bamberg, Erfurt, Essen, Hamburg, Magdeburg und Speyer befürworten eine Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion in Einzelfällen. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick formulierte für seine Diözese zusätzliche Bedingungen für den Kommunionempfang evangelischer Ehepartner. Dazu zählen das Wissen um „die einzigartige Bedeutung der Eucharistiefeier“, die Bejahung des Glaubensbekenntnisses und die Anerkennung der sieben katholischen Sakramente. Würzburgs Bischof Franz Jung entschied sich für eine besondere Geste: Zu den Pontifikalgottesdiensten für Ehejubilare während der Kiliani-Festwoche lud er ausdrücklich konfessionsverschiedene Paare zum Kommunionempfang ein. In der kommenden Zeit werde er die diesbezügliche „Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz“ mit den diözesanen Räten noch einmal besprechen. Die Pressestelle des Bistums Würzburg teilte am Dienstag auf Anfrage mit, das Vorgehen des Bischofs entspreche den Vorgaben des Kirchenrechts.

Die Bistümer Osnabrück und Münster werden sich erst im Herbst positionieren. Im Herbst wollen die Bischöfe in Fulda über die Seelsorge an konfessionsverschiedenen Paaren beraten. DT/KNA

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