„Der Glaube kann sich nicht ändern“

Katholische Schule in Kansas lehnt die Aufnahme eines Kindes gleichgeschlechtlicher Eltern ab. Von Katrin Krips-Schmidt
Kontroverse um katholische Schule in den USA
Foto: Inga Kjer (dpa) | Ein wichtiger Teil dieser spirituellen Ausbildung sei es, so Erzbischof Naumann, den Schülern jene Tugenden beizubringen, die für ein moralisches Leben wichtig seien.

Im Kreuzfeuer der Kritik steht eine katholische Schule in Kansas. Sie hatte die Aufnahme eines Kindergartenkindes gleichgeschlechtlich „verheirateter“ Eltern verweigert. Die St. Ann Catholic School in Prairie Village, einer im Ballungsraum von Kansas City gelegenen Stadt mit etwa 21 000 Einwohnern, begründet ihren Schritt mit der Lehre der Kirche, die eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau anerkennt. Wie die Tageszeitung „The Kansas City Star“ mitteilte, hätten mehr als 1 200 Menschen eine an die Schule übergebene Petition unterzeichnet. In einem Begleitschreiben an Erzbischof Joseph Naumann und die Schulinspektorin der Erzdiözese, Kathleen O'Hara, hieß es: „Einer der vielen Gründe für unsere Entscheidung, unsere Kinder auf St. Ann zu schicken, ist die Willkommenskultur, die von zentraler Bedeutung für das ursprüngliche Wirken Jesu Christi ist.“

Die Unterzeichner bitten, zu bedenken, wie sehr „auch andere heutige Ehen im Widerspruch mit der Lehre der Kirche über die sakramentale Ehe stehen (zum Beispiel Vasektomie, In-vitro-Fertilisation, Scheidung und Wiederverheiratung ohne bewilligte Annullierung)“. Zudem nehme St. Ann „keine nichtkatholischen Kinder und Familien in unserer Schule auf. Diese Familien leben wohl auch nicht in Ehen, die den Lehren der Kirche entsprechen.“ Christine Hauser schreibt in der „New York Times“: „Die Kontroverse in Prairie Village zeigt, wie katholische Institutionen die Regeln ihrer Diözese prinzipiell einhalten – selbst dann, wenn sie mit dem Gesetz kollidieren.“ Doch die Diözese hat sich an bestehende staatliche Gesetze gehalten, denn, wie es in der Zeitung weiter heißt, hat der Supreme Court 2015 zwar „entschieden, dass die Verfassung ein Recht auf eine gleichgeschlechtliche Ehe garantiert. Und einige staatliche und kommunale Gesetze verbieten Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität. Doch religiöse Institutionen sind von diesem Schutz ausgenommen“.

Die Erzdiözese von Kansas-City gab eine Presseerklärung heraus. Kathleen O'Hara erklärt darin: „Unsere Schulen existieren, um den katholischen Glauben weiterzugeben. Es ist für Kinder wichtig, Widerspruchsfreiheit zwischen dem zu erleben, was ihnen in der Schule vermittelt wird und dem, was zuhause gelebt wird. Deshalb bitten wir, dass Eltern dies verstehen und bereit sind, diese Lehren zuhause zu unterstützen.“ Die Ehe werde von der katholischen Kirche als „Keimzelle der Familie, der Gesellschaft und als das Herz der Kirche betrachtet“. Die Kirchenlehre über die Ehe sei also „eindeutig und wird auch nicht durch die Gesetze der Zivilgesellschaft verändert“. Die Entscheidung des Supreme Court, gleichgeschlechtliche Verbindungen als Ehe anzuerkennen, „ändert nicht die Kirchenlehre über die Ehe, sondern stellt die Kirche tatsächlich vor neue pastorale Herausforderungen. Die Kirche lehrt, dass Personen mit gleichgeschlechtlicher Anziehung mit Würde behandelt werden sollen. Dennoch besteht die Herausforderung in Bezug auf gleichgeschlechtliche Paare und unsere katholischen Schulen darin, dass gleichgeschlechtliche Eltern keine Verhaltensweisen und Haltungen hinsichtlich Ehe und Sexualmoral vorleben können, die im Einklang mit unverzichtbaren Bestandteilen der Lehren der Kirche stehen“. Dies erzeuge bei ihren Kindern einen Widerspruch zwischen dem, „was ihnen in der Schule vermittelt wird und was sie zuhause erleben. Darüber hinaus führt es zu Verwirrung bei den anderen Schulkindern.“ Daher empfinde man es weder als „respektvoll von solchen Personen, noch als fair, liebevoll oder einfühlsam, ihre Kinder in einem Bildungsumfeld unterzubringen, in dem die Wertvorstellungen der Eltern den Grundprinzipien der Schule widersprechen“. Aus diesem Grund habe die Erzdiözese von der Zulassung von Kindern gleichgeschlechtlicher Eltern in katholischen Schulen abgeraten.

Die in Deutschland geborene und seit Jahren in den Vereinigten Staaten lebende promovierte Historikerin Maike Hickson schreibt in einer persönlichen Stellungnahme zu dem Fall: „Es ist schade, dass eine solche Entscheidung der katholischen Schule einen Skandal hervorruft. Es ist doch ganz logisch, dass eine Religion das Recht haben muss, darauf zu bestehen, dass Eltern, die ihre Kinder in ihre Schule schicken wollen, dem Moralcode der Religion entsprechen. Ansonsten würden diese Eltern ja ständig die moralischen Grundsätze, die ja den Kindern in der Schule auch beigebracht und dadurch bestärkt werden sollen, in Frage stellen.“ Wenn etwa im Unterricht gelehrt werde, „dass Gott eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gutheißt, und dann eines der Kinder von zwei Männern abgeholt wird: Das ist ein Widerspruch in sich“.

Ähnlich äußert sich John-Henry Westen, Mitbegründer und Chefredakteur der Webseite der amerikanischen Lebensrechtsbewegung „LifeSiteNews“: „Der Erzbischof hat Weisheit, Besonnenheit und Barmherzigkeit bei seiner Entscheidung demonstriert, dem Kind eines gleichgeschlechtlichen Paares zu untersagen, die katholische Schule zu besuchen. Das Kind wäre der katholischen Lehre unterstellt, die mit seiner gelebten Erfahrung daheim kollidieren würde, was somit beim Kind Probleme hervorriefe. Sinn und Zweck der katholischen Erziehung bestehen darin, die Lehren des Glaubens beizubringen – und offensichtlich kann sich der Glaube nicht ändern.“

An die Eltern des Kindes gerichtet, stellt er fest: „Ich frage mich wirklich, warum das gleichgeschlechtliche Paar sein Kind auf eine katholische Kirche schicken will. Vielleicht ist es ja falsch informiert über die Lehren des Glaubens. Ich bete darum, dass es kein bewusstes Täuschungsmanöver ist, um damit die katholischen Schulen juristisch zu zwingen, den Glauben zu verändern. Solche Taktiken sind früher von LGBT-Aktivisten in Amerika eingesetzt worden. Doch es wäre tatsächlich sehr traurig, ein kleines Kind als Schachfigur zu benutzen.“

Mittlerweile melden sich Katholiken zu Wort, die Erzbischof Naumann zu seiner standhaften Haltung gratulieren und ihn bei seiner Verteidigung des katholischen Glaubens und des Naturrechts bestätigen und unterstützen. In einer von LifeSiteNews initiierten Petition heißt es: „Es ist klar, dass die rasante Säkularisierung unserer Gesellschaft zunehmend Feindseligkeiten gegenüber den Gepflogenheiten der katholischen Kirche hervorrufen. Leider führt eine fehlende zuverlässige Katechese viele Katholiken dazu, ihr Gewissen über diese Fragen eher auf der Basis von weltlichen Meinungen statt anhand der unveränderlichen Wahrheiten des Evangeliums zu formen.“ Die Unterzeichner loben das Vorbild des Erzbischofs. Er sei ein „guter Hirte“, der für seine Herde, aber auch für praktizierende Katholiken überall auf der Welt „eine Inspiration“ ist. „Schon allzu lange“, so der Appell weiter, „schreien Katholiken in vielen Gegenden nach Brot und bekommen von ihren Hirten doch nur Steine. Seien Sie bitte versichert, dass wir Sie durchgängig unterstützen werden, wenn Sie uns weiterhin die reine Glaubenslehre vermitteln, den Aufgaben Ihres apostolischen Amtes getreu“.

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