Porträt der Woche

Bischof Andreas Laun: Ein Freund der Liebenden

Dem emeritierten Weihbischof von Salzburg, Andreas Laun, zum 80. Geburtstag
Andreas Laun - Umtriebiger Ordensmann
Foto: Stephan Baier | Umtriebiger Ordensmann: der emeritierte Weihbischof von Salzburg, Andreas Laun

Zugegeben, ein typischer Weih-, also Auxiliarbischof war Andreas Laun nie. Die Schlachten, die er für unvermeidbar hielt und die er als Moraltheologe begonnen hatte, führte er – mit bischöflicher Autorität ausgestattet – unvermindert und unbezähmbar fort. Etwa jene um „Humanae vitae“, die viel geschmähte und zuletzt immer mehr verschwiegene Enzyklika von Papst Paul VI., die Laun für prophetisch hält: „Wenn man die Sprache des Leibes wirklich ernst nimmt, dann muss man zugeben: die Verhütungstechniken sind nicht nur ein Nein zur Möglichkeit einer Zeugung, sondern sie stehen auch im Widerspruch zur körperlichen Liebe, die sie angeblich erst ermöglichen.“ Überhaupt, die Liebe! Über sie kann er schwärmen wie ein Frischverliebter – und sachlich reden wie ein Gynäkologe. Werbend, furchtlos und unzweideutig propagierte er „die wunderbare Einheit von Liebe und Zeugung“, ob in Fernsehinterviews oder vor Jugendlichen.

Lesen Sie auch:

Ein Freund der Liebenden

Ein mittlerweile still gewordener Bischof Laun vollendet an diesem Donnerstag sein 80. Lebensjahr. Nicht Niederlagen und Enttäuschungen, aber gesundheitliche Schläge haben ihn der Öffentlichkeit weithin entzogen. Die Umtriebigkeit, die den Ordensmann, Priester, Moraltheologen und Bischof über Jahrzehnte auszeichnete, ist Freund und Feind (von beidem sammelte er reichlich) ebenso in Erinnerung wie sein Kampf für glasklar katholische Religionsbücher und für das Recht der ungeborenen Kinder auf Leben. Das gesellschaftspolitisch heiße Eisen Abtreibung packte er mit der gleichen Unerschrockenheit an, wie das innerkirchlich heiße Eisen „Humanae vitae“. Opportunistisches Schweigen war seine Sache nie. Angriffe und Polemiken gegen seine Person ließen ihn zwar nicht kalt, schüchterten ihn aber nie ein.

Am 13. Oktober 1942 in Wien geboren, wuchs Andreas Laun in Salzburg auf. 1962 trat er bei den Oblaten des Heiligen Franz von Sales ein und wurde nach Noviziat und Studium mit einer Arbeit über die „naturrechtliche Begründung der Ethik in der neueren katholischen Moraltheologe“ promoviert. Nach seiner Habilitation über den „Liebesbegriff des heiligen Franz von Sales und sein Verständnis der zwischenmenschlichen Beziehungen“ dozierte Laun Moraltheologie in Heiligenkreuz, Benediktbeuern und Eichstätt. Als ihn Papst Johannes Paul II. 1995 zum Weihbischof in Salzburg, der Stadt seiner Jugend, ernannte, nahm er sich vor, mit der Mitra auf dem Kopf „niemals Privatmeinungen von sich zu geben, sondern spüren zu lassen, dass er sich dem Wort Gottes unterordnet, und zwar ohne etwas wegzulassen und ohne etwas hinzuzufügen“. Eine treffliche Beschreibung des Bischofsamtes!

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Franz von Sales Johannes Paul II. Moraltheologen Papst Paul VI. Päpste

Weitere Artikel

Nicht erst seit Beginn des sogenannten Synodalen Weges gibt es eine Debatte: Ist Gender-Denken atheistisch und damit christlich inakzeptabel?
20.11.2022, 11 Uhr
Stefan Hartmann
Der ideologische Amoklauf des Moskauer Patriarchen wirft ein Licht auf die Lage und Struktur der Orthodoxie.
28.10.2022, 07 Uhr
Stephan Baier

Kirche

In seiner Ansprache im Südsudan spornte Papst Franziskus Geistliche und Laien an, nach dem Vorbild von Moses gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen.
04.02.2023, 12 Uhr
Meldung
Die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen zieht eine positive Bilanz der finanziellen Entschädigung von Missbrauchsbetroffenen. Dabei gibt es eine wichtige Neuerung.
03.02.2023, 15 Uhr
Oliver Gierens