„Zeichen für den Glauben setzen“

Kölner Jugendliche beschäftigen sich mit der Geschichte der Weltjugendtage. Von Clemens Mann
Foto: KNA | Auch als „Opa“ noch bei den Weltjugendtagen dabei: Kardinal Joachim Meisner mit Kölner Jugendlichen im Jahr 2005.
Foto: KNA | Auch als „Opa“ noch bei den Weltjugendtagen dabei: Kardinal Joachim Meisner mit Kölner Jugendlichen im Jahr 2005.

Köln (DT) Nur noch 44 Tage, dann trifft sich die Jugend der Welt im spanischen Madrid. Dass die Vorfreude für den 26. Weltjugendtag auch in deutschen Bistümern steigt, konnte man am Mittwoch im Kölner Domforum sehen. Junge Menschen waren am Abend zu einer Veranstaltung gekommen, bei der sich alles um die Geschichte der Weltjugendtage und den neuen Jugendkatechismus YOUCAT drehte. Eingeladen hatte das Kölner Bildungswerk und das Jugendpastorale Zentrum Crux und die Medienzentrale des Erzbistums. Neben dem Kölner Kardinal Joachim Meisner sprachen vier Jugendliche über ihre Begeisterung für das kirchliche Großereignis und ihre Mitarbeit an der Erstellung des YOUCAT. Jeder Madridpilger wird den Katechismus im August in seinem Pilgerrucksack vorfinden. Die Idee dazu entstand nach dem Weltjugendtag 2005 im Erzbistum.

Dass die Geschichte der Weltjugendtage eng mit dem Leben des seligen Johannes Paul II. verbunden ist, machte der Kölner Stadtjugendseelsorger Dominik Meiering deutlich. „Johannes Paul II. ist einer, der sich ganz der Jugend zugewandt fühlte“, sagte Meiering. Bereits in seinen Jahren als Studentenseelsorger habe er die Erfahrung gemacht, dass es für die Kirche nicht einfach sei, über den Glauben ins Gespräch zu kommen und Antworten auf die Fragen der Jugendlichen zu geben, ohne einen direkten Bezug zum Leben junger Menschen herzustellen. Durch seinen Zuruf „Ihr seid die Zukunft der Welt, ihr seid die Hoffnung der Kirche, ihr seid meine Hoffnung!“ habe er gezeigt, welch Vertrauen er in sie habe, so der Jugendseelsorger. Zugleich formulierte Johannes Paul II, der 1984 das erste Jugendtreffen am Palmsonntag ausrief, große Erwartungen, indem er die Jugendlichen zum Aufbau einer „Zivilisation der Liebe“ aufforderte. Johannes Paul II. wollte aus „einer Perspektive der Liebe Orientierung und Rat geben“ und sei so zu einer väterlichen Figur geworden, die die Jugendlichen durch „Festigkeit, Vertrauen und Authentizität“ begeisterte. Das Charisma von Johannes Paul II. präge spürbar die Weltjugendtage, sagte Meiering. Auch Papst Benedikt XVI. sei „um keine Antwort auf die Fragen der Jugendlichen verlegen“. Der deutsche Papst führe die Kraftanstrengungen seines Vorgängers aber auf seine Art und Weise fort. „Von Benedikt XVI. erwartet man keine Disconacht, wie sie Johannes Paul II. veranstaltet hat“, sagte Meiering. Benedikt setze auf das Mittel des Buches und gehe Schritte hin „zu einer tieferen Verinnerlichung, was Kirche und Glaube bedeutet“. Der Stadtjugendseelsorger ist überzeugt, dass die Weltjugendtage auch weiterhin kraftvolle Orte der Glaubensverkündigung bleiben, wenn dort die Fragen der Jugendlichen beantwortet würden.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner kritisierte bei der Veranstaltung die vor kurzem getätigte Aussage des BDKJ-Bundesvorstands, die Weltjugendtage seien zu päpstlich. „Ich freue mich über Jugendliche, die sich nicht vom BDKJ bevormunden lassen“, sagte der Kardinal. Die Aussagen des BDKJ dürften „so nicht stehen bleiben“. Schon zu Beginn der Weltjugendtage, die damals vom BDKJ boykottiert worden seien, hätten die Jugendlichen Eigeninitiative gezeigt. Der Erzbischof sei stolz darauf, dass Köln die größte deutsche Pilgergruppe stelle. Zugleich werde es vermutlich sein letzter großer Weltjugendtag sein. „Ich weiß ja nicht, ob Opas zwischen euch Jugendliche noch passen“, sagte der mittlerweile 77-Jährige. Die Jugendlichen forderte er dazu auf, Gott zu „schmecken“ und sich ganz und gar anstecken zu lassen. „Das Christentum ist keine Buchreligion. Das Wort muss ins Gespräch und in die Tat umgesetzt werden“, erklärte Meisner. Den YOUCAT bezeichnete Meisner als ein „Kursbuch auf den Weg zu Christus“. „Jugendliche brauchen Orientierung in den Wirren der modernen Gesellschaft. Der Weltkatechismus ist zu dick und zu schwer“, weshalb eine kompakte Überarbeitung dringend nötig gewesen sei.

Dass das Projekt Jugendkatechismus mit dem nun veröffentlichten YOUCAT nicht abgeschlossen ist, betonte Philipp Dütemeyer, der dem Autoren-Team angehört. Der YOUCAT sei nicht nur für Jugendliche gedacht. Dütemeyer wies außerdem darauf hin, dass es in Italien bereits ein kleines Programm für neue Mobilfunkgeräte, ein sogenanntes YOUCAT App, sowie eine Facebook-Gruppe und einen YouTube-Channel gebe. Auch eine YOUCAT-Wiki. ein frei abrufbares Lexikon im Stile von Wikipedia im Internet, sei bereits vorgeschlagen worden. Hannah Knauf zeigte sich überzeugt, dass sich viele Jugendliche während des Weltjugendtages in einer ruhigen Minute den YOUCAT zur Hand nehmen werden. Für Madrid habe sie die Hoffnung, „dass wir als Jugendliche ein Zeichen für den Glauben setzen können“, und „die Geschichte der Nachfolge Christi“ weitererzählen.

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