Asunción

Wochenheiliger: Der heilige Roque González de Santa Cruz SJ 

Jesuiten schützen Indios. Der heilige Roque González de Santa lehnt hohe Ämter ab und wird Jesuit. In Brasilien erlitt er das Martyrium.

Heilige Roque González de Santa Cruz SJ 

Zum 100. Geburtstag des Films ließ Papst Johannes Paul II. vor 25 Jahren eine Liste von Filmen erstellen, die für Katholiken besonders sehenswert sind. Zu den ausgewählten Werken gehört der Spielfilm „Mission“ des französisch-britischen Regisseurs Roland Joffée aus dem Jahr 1986, der den Kampf der Jesuitenmissionen in Südamerika für den Schutz der Indios gegen Versklavung und Ausbeutung thematisiert. Historischer Hintergrund des Films ist der Vertrag von Madrid aus dem Jahr 1750, durch den Teile von Paraguay unter portugiesische Herrschaft fielen, darunter sieben sogenannte „Jesuitenreduktionen“: von Jesuiten errichtete Schutzgebiete der Indios. Vorbild für eine der Hauptfiguren des Films, den Oboe spielenden Pater Gabriel, ist eine reale Gestalt, die in Wirklichkeit jedoch über 100 Jahre vor den im Film dargestellten Ereignissen lebte: der heilige Roque González de Santa Cruz, dessen Gedenktag die Kirche am 15. November feiert. 

Kind von Einwanderern

Roque González de Santa Cruz wurde im Jahr 1576 in Asunción, der heutigen Hauptstadt von Paraguay, geboren, als letztes von zehn Kindern spanischer Einwanderer. Ab dem Alter von zwölf Jahren besuchte er das Jesuitenkolleg seiner Stadt und trat dann in das Diözesanseminar ein; am 25. März 1599 wurde er zum Priester geweiht. Von Anfang an fühlte er sich zu der exotischen Welt des indigenen Volkes der Guaraní hingezogen, die entlang des Rio Paraguay siedelten, und erlernte ihre Sprache. Er wurde jedoch zum Stadtpfarrer in Asunción ernannt und blieb zehn Jahre lang in diesem Amt, bis er mit nur 32 Jahren zum Generalvikar der Diözese bestimmt wurde. 

An diesem Punkt tat Roque González einen radikalen Schritt: Er lehnte das hohe kirchliche Amt ab und bat um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu, in die er am 9. Mai 1609 eintrat. Die Jesuiten hatten gerade mit dem Aufbau von „Reduktionen“ begonnen: kleinen Dörfern, zu denen nur Guaraní und Jesuiten Zutritt hatten, um die Indios vor Sklavenhändlern und Ausbeutung durch europäische Kolonialherren zu schützen. In den „Reduktionen“ wurde den Indios der christliche Glaube vermitteltet, aber auch praktische Fähigkeiten wie Ackerbau und ein an Gerechtigkeit und Barmherzigkeit orientiertes Zusammenleben.

Auch praktische Arbeit

Pater Roque ging völlig in dieser Arbeit auf: Er erfüllte nicht nur seine priesterlichen Aufgaben sehr gewissenhaft, nahm Taufen vor, predigte und spendete die Sakramente, sondern packte auch bei praktischen Arbeiten tatkräftig zu, als Architekt, Zimmermann und Maurer, oder er pflügte die Felder mit dem Ochsengespann. Nach und nach gründete er zusammen mit anderen Ordensbrüdern zahlreiche „Reduktionen“ auch in bis dahin unerforschten Gebieten, insbesondere entlang des Flusses Paraná. 1627 wurde er von der Ordensleitung zum Oberen der „Jesuitenreduktionen“ ernannt. 

Martyrium in Rio Grande do Sul

Nicht alle Guaraní waren den Missionaren wohlgesonnen. Einer davon war der Häuptling Ñezú, der in einem Territorium lebte, das sich heute im südlichen Brasilien im Bundesstaat Rio Grande do Sul befindet. Als drei Jesuiten unter der Leitung von Pater Roque hier begannen, eine „Reduktion“ zu errichten, fühlte er sich durch die Fremden bedroht und hegte Mordpläne, die er am 15. November 1628 in die Tat umsetzte. 

An diesem Tag arbeitete Pater Roque auf der Baustelle der Kapelle für die Mission. Gerade war er vornüber gebeugt damit beschäftigt, den Klöppel der Glocke zu befestigen, als ihn ein gewaltiger Schlag mit einer Axt zu Boden streckte. Sein Mitbruder Alonso Rodriguez, der ihm zu Hilfe kommen wollte, wurde ebenfalls ermordet. Die Kapelle wurde angezündet und beide Leichname darin verbrannt. Zwei Tage später erlitt auch der dritte Jesuit, Pater Juan del Castillo, das Martyrium. Wie durch ein Wunder fand man in Pater Roques verkohltem Leichnam sein unversehrtes Herz. Dieses wurde nach Rom gesandt und wird heute in der Kapelle des Jesuitenkollegs von Asunción aufbewahrt. Hier, in Pater Roques Heimatstadt, wurden die drei Jesuiten im Jahr 1988 von Johannes Paul II. heiliggesprochen. 

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