Maria Teresa Fasce OSA: Die Tagesheilige am 18. Januar

Die selige Maria Teresa Fasce OSA. Von Claudia Kock

18. Januar: Die Wochenheilige Die selige Maria Teresa Fasce OSA

Am 4. April 1944 versuchten deutsche SS-Truppen, sich gewaltsam Zugang zu verschaffen zum Kloster der Augustinerinnen im mittelitalienischen Cascia, wo im 15. Jahrhundert die heilige Rita gelebt hatte. Seit Papst Pius XII. im November 1943 die Klöster angewiesen hatte, Juden und anderen Verfolgten Gastfreundschaft zu gewähren, kam es immer wieder zu Klosterdurchsuchungen durch die Besatzer, die dort auch Partisanen vermuteten. Die SS-Männer gelangten bis zum Kreuzgang, als plötzlich an einem Fenster die imposante Gestalt einer Ordensfrau erschien. Sie war von schwerer Krankheit gezeichnet und wurde von zwei Mitschwestern gestützt, aber ihre Autorität war ungebrochen als sie mit fester Stimme zu den Soldaten sagte: „Hier gibt es nur Ordensschwestern. Dies ist päpstliche Klausur. Gehen Sie auf der Stelle hinaus!“ Als sie den Arm erhob und über den Männern das Kreuzzeichen schlug, entschuldigten sich die SS-Leute kleinlaut und kehrten um wie geprügelte Hunde. Noch heute erzählen die Augustinerinnen von Cascia diese Anekdote über die damalige Äbtissin Maria Teresa Fasce, die 1997 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde. Ihr Gedenktag ist der 18. Januar.

Maria Giovanna Fasce, so ihr bürgerlicher Name, wurde am 27. Dezember 1881 in Torriglia bei Genua in einer Hoteliersfamilie geboren und erhielt als höhere Tochter eine Ausbildung in Hauswirtschaft, Fremdsprachen und Gesang. Mit acht Jahren verlor sie ihre Mutter. Die Pfarrgemeinde der Familie wurde von Augustinern geführt, und so stand Maria Giovanna, die als intelligent und lebhaft beschrieben wird, von Kindheit an der augustinischen Spiritualität nahe. Die Heiligsprechung der Augustinernonne Rita von Cascia durch Papst Leo XIII. im Jahr 1900 war für Maria Giovanna ein Schlüsselereignis, das sie den Entschluss fassen ließ, bei den Augustinerinnen in Cascia einzutreten. Damit stieß sie jedoch zunächst auf den Widerstand sowohl der Familie, die sie bat, doch lieber bei den Augustinerinnen im nahegelegenen Savona einzutreten, als auch der Gemeinschaft von Cascia, deren Oberin meinte, dass die „junge Dame mit Hut“ in dem ländlichen, isolierten Kloster zu große Anpassungsschwierigkeiten haben würde, und ihre Bitte um Aufnahme zurückwies.

Dennoch ließ Maria Giovanna nicht locker, denn sie war fest davon überzeugt, an den Ort berufen zu sein, an dem die heilige Rita gelebt hatte. Am 22. Juni 1906 wurde sie schließlich als Postulantin in Cascia aufgenommen. An Weihnachten desselben Jahres begann sie das Noviziat und nahm den Namen „Maria Teresa“ an. Ein Jahr später legte sie die zeitliche Profess ab.

War das Kloster ihr zunächst wie der Vorhof zum Paradies erschienen, so erkannte sie im Laufe der Zeit immer größere Mängel. Vor allem die Laxheit der Schwestern ließ sie an ihrer Berufung zweifeln, so dass sie für eine Bedenkzeit von einem Jahr in die Familie zurückkehrte, wo sie das Haus nur für die tägliche Messe verließ. Dieser Abstand verschaffte ihr einen neuen Blick auf das Kloster, und so kehrte sie nach Cascia zurück, um sich dort Christus endgültig zu weihen. Im Frühjahr 1912, im Alter von 30 Jahren, legte sie die ewige Profess ab.

1920 wurde Maria Teresa zur Äbtissin gewählt und entfaltete in den folgenden 27 Jahren eine umfassende Tätigkeit, vor allem um die Verehrung der heiligen Rita weltweit zu fördern. Dazu gründete sie 1923 eine Zeitschrift, über die sie – mit großem Erfolg – zu Wallfahrten aufrief und Spenden für den Bau eines größeren Heiligtums erbat, das die wachsenden Pilgerzahlen aufnehmen konnte. Außerdem entstanden Einkehrzentrum und ein Waisenhaus.

Ebenfalls 1920 war bei Maria Teresa Fasce ein Tumor diagnostiziert worden, der zu immer mehr gesundheitlichen Komplikationen führte. Am 18. Januar 1947 starb sie im Kreis ihrer Mitschwestern; vier Monate später wurde das neue Heiligtum der heiligen Rita, ihr Lebenswerk, eingeweiht. „La Madre“, wie sie noch immer ehrfurchtsvoll genannt wird, liegt heute in einem gläsernen Schrein in der Krypta des Heiligtums begraben.