Würzburg

5. Oktober: Der selige Raimund von Capua OP

Im Rahmen einer Visitationsreise starb der selige Raimund von Capua, einer der bedeutendsten Ordensmeister, in einem ehemaligen Dominikanerkloster an der Burstraße in Nürnberg .

An der Burgstraße in Nürnberg stehen bis heute die Überreste des ehemaligen Dominikanerklosters, das 1543 im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. Es war im 14. Jahrhundert ein wichtiges geistliches Zentrum des Predigerordens, an dem mehrfach das Generalkapitel abgehalten wurde. Im Rahmen einer Visitationsreise starb hier einer der bedeutendsten Ordensmeister, der selige Raimund von Capua. Sein Gedenktag ist der 5. Oktober.

Auf wundersame Weise vom heiligen Dominikus berufen

Raimund wurde um 1330 in Capua unweit von Neapel geboren. Er war ein Nachfahre des Diplomaten und Literaten Petrus de Vinea, der von Dante Alighieri in der „Göttlichen Komödie“ erwähnt wird. Raimunds Vater, ein oberster Richter der Stadt, sandte den begabten Sohn mit 15 Jahren zum Studium der Rechtswissenschaft nach Bologna, wo dieser, wie er selbst später berichtete, „auf wundersame Weise vom heiligen Dominikus berufen wurde“. Er trat in Orvieto in den Predigerorden ein und legte um 1350 die Ordensprofess ab. Es waren sehr schwere Jahre, in denen Europa von der Schwarzen Pest heimgesucht wurde, der schätzungsweise etwa ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel.

Nach Beendigung seiner theologischen Studien und der Priesterweihe lehrte er an verschiedenen Konventen der römischen Ordensprovinz. 1363 wurde ihm die geistliche Leitung des Dominikanerinnen-Klosters von Montepulciano anvertraut, wo er mit der Biografie der Gründerin, der heiligen Agnes Segni, sein erstes hagiografisches Werk verfasste.

Geistlicher Begleiter der heiligen Katharina von Siena

Im selben Jahr trat eine außergewöhnliche Frau in den Drittorden der Dominikaner ein: die heilige Katharina von Siena. Von Kindheit an mystisch begabt, führte sie ein asketisches Leben, widmete sich den Armen und Kranken und scheute sich nicht, Missstände in der Kirche, insbesondere im Klerus, anzuprangern – im Namen Christi, dem sie sich nach einer „mystischen Vermählung“ als Braut verbunden fühlte. Sie wirkte nicht nur im heimatlichen Siena, sondern zog umher, bemühte sich um Frieden zwischen verfehdeten Städten und diktierte Briefe an hochrangige Persönlichkeiten, einschließlich des Papstes, um eine Reform der Kirche zu erreichen.

Viele einflussreiche Personen suchten Katharinas Rat, aber sie hatte nicht nur Bewunderer, sondern war vielen auch suspekt. Unter dem Verdacht der Ketzerei wurde sie im Jahr 1374 vor das Generalkapitel der Dominikaner zitiert, wo sie ihr ungewöhnliches Verhalten rechtfertigen musste. Das Kapitel erkannte jedoch ihre Rechtgläubigkeit an und gab ihr offiziell die Erlaubnis, im Namen der Kirche zu sprechen. Als geistlicher Begleiter wurde ihr Raimund von Capua an die Seite gestellt, der fortan Katharinas Bemühungen um die Reform und Einheit der Kirche unterstützte. 1376 bestätigte Papst Gregor XI. Raimunds und Katharinas Mission, kurz vor seiner Rückkehr aus dem Exil in Avignon nach Rom, für die nicht zuletzt Katharinas Besuch bei ihm ausschlaggebend gewesen war. Auch auf dieser Mission hatte Raimund sie als geistlicher Berater und als Übersetzer begleitet.

Raimund wird zum Ordensmeister der Dominikaner gewählt

Als Gregors Nachfolger Urban VI. Raimund im Jahr 1380 als Päpstlichen Legaten zum König von Frankreich sandte, um eine drohende Spaltung der Kirche abzuwenden, musste er von Katharina für immer Abschied nehmen. In Genua, wo er sich am 29. April, Katharinas Todestag, einschiffen wollte, vernahm er im Innern ihre Stimme: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; ich bin im Himmel für dich. Ich werde dich schützen und dich verteidigen.“ Am 22. Mai wurde Raimund zum Ordensmeister der Dominikaner gewählt. Bis zu seinem Tod am 5. Oktober 1399 setzte er sich unermüdlich für die Reform seines Ordens und der Kirche ein, um in den Wirren dessen, was als das „Große Abendländische Schisma“ in die Geschichte eingegangen ist, die Einheit unter dem Papst in Rom zu stärken. Gleichzeitig verfasste er die „Legenda maior“, die wichtigste Quelle zum Leben von Katharina von Siena.

Nach seinem Tod in Nürnberg wurde Raimund zunächst dort beigesetzt; später wurden seine Gebeine nach Neapel überführt. 1899 wurde Raimund von Capua von Papst Leo XIII. seliggesprochen.