23. Dezember: Der Wochenheilige Der heilige Thorlak Thorhallson

Der 23. Dezember trägt in Island, Norwegen, auf den Färöern und in Schweden den Namen „Thorlaksmesse“. An diesem Tag werden – oft bis tief in die Nacht hinein – Haus und Hof geputzt und geschmückt und die allerletzten Vorbereitungen für das Weihnachtsfest getroffen.

23. Dezember: Der Wochenheilige Der heilige Thorlak Thorhallson

Der Name „Thorlaksmesse“ reicht zurück bis ins Jahr 1194, als in Island der 23. Dezember zum Gedenktag des im Jahr zuvor verstorbenen Bischofs Thorlak Thorhallson erklärt wurde. Papst Johannes Paul II. bestätigte im Jahr 1984 seine Verehrung als Heiliger in der katholischen Kirche und erhob ihn zum Schutzpatron von Island. Thorlak Thorhallson wurde 1133 auf dem Hof Hlioarendi im isländischen Fljotshlio geboren – Schauplatz der Brennu-Njáls-Saga, der längsten und beliebtesten Island-Saga – und wurde mit nur 19 Jahren zum Priester geweiht. Es war die Zeit der Gregorianischen Reformen, die unter anderem das Ziel hatten, den geistlichen Stand von der Bevormundung durch weltliche Mächte zu befreien und den priesterlichen Zölibat durchzusetzen. Dieser wurde 1139 auf dem Zweiten Laterankonzil kirchenrechtlich endgültig verankert. Im hohen Norden waren die Reformen jedoch bislang nicht angekommen.

Die isländischen Priester standen in direkter Abhängigkeit von den „Goden“, den Oberhäuptern von etwa 400 Familien, die Island seit dem späten 9. Jahrhundert von Norwegen aus besiedelt hatten und oligarchisch über die knapp unterhalb des Polarkreises gelegene Insel herrschten. Sie ließen auch Kirchen bauen, beanspruchten aber das Recht, die Priester für diese selbst einzusetzen. Sie duldeten keine Kritik, so dass die Priester kaum eine Möglichkeit hatten, als moralische Instanz zu wirken, sondern nur die Sakramente verwalteten und darüber hinaus ihr eigenes Privatleben führten, meist mit Ehefrau und Kindern. Thorlak schlug jedoch einen anderen Weg ein: Er ging nach Paris, um an der berühmten Abtei Saint-Victor Theologie zu studieren. Die Schule wurde von Augustiner-Chorherren geführt und gehörte zu den bedeutendsten Zentren der mittelalterlichen Scholastik und Mystik. Einer ihrer wichtigsten Vertreter war Hugo von Saint-Victor; es bestanden enge Beziehungen zu Bernhard von Clairvaux und Abaelard. Anschließend setzte Thorlak seine Studien im englischen Lincoln fort.

Danach kehrte er nach Island zurück, wo er in Thykkvabae ein Augustiner-Chorherren-Kloster gründete, dessen erster Abt er wurde. Als der Bischof von Skalholt, der wichtigsten Diözese des Landes, starb, wurde Thorlak zu seinem Nachfolger ernannt. Um den Einfluss der Goden zu brechen und die Gregorianischen Reformen auch in Island durchzusetzen, weigerte Thorlak sich, Kirchen zu weihen, deren Erbauer sich nicht bereit erklärten, ihm als Bischof alle geistlichen Rechte und die gesamte Jurisdiktion zu übertragen. Außerdem widmete er sich besonders der Priesterausbildung, um den Weihekandidaten die geistlichen Grundlagen der Ehelosigkeit zu vermitteln. Dazu musste er nicht wenige Widerstände auch aus dem Klerus selbst ertragen. Einen besonders harten Konflikt hatte er mit dem verheirateten Diakon Jon Loptsson auszutragen, der Thorlaks Schwester Ragneid zu seiner Konkubine gemacht hatte. Als Thorlak sich unnachgiebig weigerte, die Situation zu akzeptieren, unternahm der Diakon drei Versuche, seinen Bischof zu ermorden.

Thorlak Thorhallson starb am 23. Dezember 1193 im Ruf der Heiligkeit. Sein Leben wurde in der „Thorlaks-Saga“ verarbeitet und der Althing, die Versammlung aller volljährigen Männer in Island – eines der ältesten Parlamente der Welt – beschloss, an jedem 23. Dezember in den Kirchen die „Thorlaksmesse“ zu feiern.

Thorlaks Grab in Skalholt war bis zur Reformation im Jahr 1537 der bedeutendste Wallfahrtsort in Island. Seitdem sind seine Reliquien verschollen; ein einziges Fragment befindet sich in einem Bleikasten in der Mauerruine des mittelalterlichen Magnusdoms auf den Färöern.