Würzburg

23. Januar: Die selige Benedetta Bianchi Porro

Sie wurde zur geistlichen Beraterin der akademischen Jugend Mailands und mahnte der Kirche treu zu sein. Jungen Männern sprach sie Mut zu, ihrer priesterlichen Berufung zu folgen.

Marienerscheinungen und Wallfahrt in Lourdes
Marienerscheinungen und Wallfahrt in Lourdes. Foto: un

In der norditalienischen Emilia-Romagna liegt das kleine Dorf Dovadola. Wenn man die Kirche betritt, die Cluniazenser im 10. Jahrhundert erbauen ließen, stößt man auf einen Sarkophag mit einem Bronzedeckel, aus dem die Gestalt einer jungen Frau plastisch herausgearbeitet ist. Die Eckdaten ihres Lebens sind in den Sarkophag gemeißelt: 8. August 1936 – 23. Januar 1964, dazwischen der Satz: „Ich sterbe nicht, sondern gehe ins Leben“, und der Name der jungen Frau: Benedetta Bianchi Porro. Sie wurde am Fest der Kreuzerhöhung 2019 seliggesprochen.

„Ich sterbe nicht, sondern gehe ins Leben.“
Benedetta Bianchi Porro

Benedetta Bianchi Porro wurde in eine begüterte Familie hineingeboren; ihr Vater war Ingenieur. Als sie gleich nach der Geburt an einer Blutung zu sterben drohte, spendete ihre Mutter ihr die Nottaufe mit Wasser aus Lourdes. Zusammen mit ihren sechs Geschwistern verlebte sie eine glückliche Kindheit und wuchs zu einer sehr schönen jungen Frau heran.

Sie erkannte die Gegenwart Jesu

Nachdem sie an der Schule zwei Klassen übersprungen hatte, begann sie 1953, im Alter von 17 Jahren, mit einem Physik-Studium an der Mailänder Universität und wechselte dann zur Medizin. Zur selben Zeit traten bei ihr Symptome auf, die der Beginn des zehnjährigen Leidensweges waren, den sie bis zu ihrem Tod gehen sollte. Zunächst ließ ihr Gehör nach, dann wurde ihr Augenlicht immer schwächer.

Durch eigenes Studium fand sie heraus, dass sie am Recklinghausen-Syndrom litt, einer Erbkrankheit, die zu multiplem Organversagen führen kann. Ein chirurgischer Eingriff hatte eine Gesichtslähmung zur Folge, nach einer zweiten Operation im Jahr 1959 war Benedetta vollständig gelähmt. Sie war jetzt taub und blind, hatte den Geruchs- und Geschmackssinn verloren, war ans Bett gefesselt, konnte nur noch eine Hand bewegen und mit leiser Stimme sprechen.

Aus der Depression, in die sie zunächst über ihren Zustand gefallen war, befreite sie ein inneres Licht, in dem sie die Gegenwart Jesu erkannte. Den Menschen, die sie am Krankenbett besuchten, vertraute sie flüsternd an: „Manchmal liege ich am Boden, unter der Last eines schweren Kreuzes. Dann rufe ich liebevoll ihn, Jesus, und er lässt meinen Kopf in seinem Schoß ruhen.“ Zu anderen sagte sie: „Das Leben an sich erscheint mir wie ein Wunder, und ich wünschte, ich könnte ein Loblied singen auf den, der es mir geschenkt hat.“

Reichtum ihres Zustands entdeckt

Im Mai 1962 nahm sie an einer Wallfahrt nach Lourdes teil, an die sie große Hoffnungen knüpfte: „Ich möchte geheilt und Ordensschwester werden. Ich habe ein Gelübde abgelegt.“ Als sie im folgenden Jahr die Wallfahrt wiederholte, entdeckte sie jedoch, dass ihre wahre Berufung darin läge, das Kreuz ihrer Krankheit geduldig zu tragen. Sie schrieb an eine Freundin: „Ich habe mehr denn je den Reichtum meines Zustands entdeckt und habe keinen anderen Wunsch als ihn zu erhalten. Das war für mich in diesem Jahr das Wunder von Lourdes.“

Benedettas Krankenbett wurde zum Treffpunkt für die akademische Jugend von Mailand, sie wurde zur geistlichen Beraterin für zahllose Studenten und Studentinnen. Sie mahnte sie, der Kirche treu zu sein, und gab ihnen Ratschläge für ihr Leben und das Studium. Vielen jungen Männern machte sie Mut, der priesterlichen Berufung zu folgen. Benedettas Mutter war in diesen Jahren ihre wichtigste Bezugsperson. Sie pflegte und fütterte sie, las ihr aus dem Evangelium vor und schrieb Briefe an unzählige Ratsuchende, die Benedetta ihr diktierte.

Ein Leid voller Optimismus

Auch Priestern erteilte sie geistlichen Rat, und diese feierten in ihrem Krankenzimmer die heilige Messe. Der Empfang der Kommunion war Benedettas Lebensmittelpunkt. Kurz vor ihrem Tod sagte sie zu einer Tänzerin der Mailänder Scala: „Vergiss nie, dass man überall heilig sein kann.“

„Bald werde ich nichts mehr sein als ein Name, aber mein Geist wird leben, hier bei den Meinen, bei den Leidenden, und auch mein Leiden wird nicht umsonst gewesen sein“, sagte Benedetta kurz vor ihrem Tod am 23. Januar 1964.

Plötzlich war mitten im Winter eine weiße Rose in ihrem Garten erblüht – für Benedetta das Zeichen, dass die Gottesmutter sie an diesem Tag in das Haus des Vaters führen würde.

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