Stockholm

2. September: Die selige Ingrid Elovsdotter OP

Aus der selben Familie wie Brigitta von Schweden stammend, verlangte sie schon als Kind ins Kloster einzutreten. Doch Vorsehung schien zunächst anderes im Sinn zu haben.

2. September: Die Wochenheilige Die selige Ingrid Elovsdotter OP
Ingrid Elovsdotter stammt aus der selben Familie wie Brigitta von Schweden. Schon als Kind wollte sie ins Kloster eintreten.

In der schwedischen Provinz Östergötland liegt der Ort Skänninge. Er wurde im elften Jahrhundert gegründet und gehört damit zu den ältesten Städten Skandinaviens. Bis heute hat Skänninge sein mittelalterliches Antlitz bewahrt; den Mittelpunkt bildet die Liebfrauenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Vor den Toren der Stadt wurden bei Grabungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Ruinen einer Abtei zutage gefördert, die als „Ingridskloster“ bezeichnet wird, nach ihrer Gründerin, der seligen Dominikanerin Ingrid Elovsdotter. Ihr Gedenktag ist der 2. September.

Ingrid entstammte derselben hochadligen Familie wie Birgitta von Schweden, die Nationalheilige des skandinavischen Landes, die sowohl von Katholiken als auch von Lutheranern als herausragende Glaubenszeugin verehrt wird und die Papst Johannes Paul II. im Jahr 1999 neben Edith Stein und Katharina von Siena zur Co-Patronin Europas erhoben hat. Birgittas Vater, Birger Persson, war vor Birgittas Geburt in erster Ehe mit Kristina Johansdotter verheiratet gewesen, die früh verstarb. Kristina war eine Nichte von Ingrid Elovsdotter, die Tochter ihres Bruders Johan, der als Laie dem Deutschritterorden angehörte.

Schon im Kindesalter Wunsch ins Kloster einzutreten

Als Birgitta im Jahr 1303, zwei Jahrzehnte nach Ingrids Tod, geboren wurde, stand Ingrid in ihrer schwedischen Heimat bereits im Ruf der Heiligkeit, auch wenn die offizielle Seligsprechung erst 1499 stattfand. So lernte Birgitta ihre Verwandte nie kennen, hat sie aber sicher als Inspirationsquelle für den eigenen Glaubensweg betrachtet.

Ebenso wie Birgitta hatte auch Ingrid, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts geboren wurde, von Kindheit an den Wunsch, in ein Kloster einzutreten, beugte sich aber dem Wunsch ihrer Familie nach einer standesgemäßen Ehe. Sie heiratete in jungen Jahren einen reichen Edelmann namens Sigge. Als dieser – wahrscheinlich im Jahr 1271 – starb, tat sich Ingrid mit anderen frommen Frauen zusammen, um eine Ordensgemeinschaft zu gründen.

Entscheidende Hilfe erhielt sie von Petrus von Dacien, dem Prior des Dominikanerklosters in Visby auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland. Dieser war ein hochgebildeter Mann, der in Köln bei Albertus Magnus und anschließend in Paris bei Thomas von Aquin studiert hatte, bevor er in die Dominikanerprovinz seiner schwedischen Heimat zurückgekehrt war. Petrus stand in engem Briefkontakt mit der seligen Christina von Stommeln, einer stigmatisierten Begine, deren mystische Erfahrungen er in einen theologischen Kontext zu stellen wusste. Er erkannte die Wahrhaftigkeit von Ingrids Wunsch nach dem Ordensleben und half ihr, diesen zu verwirklichen.

Wallfahrt nach Rom und Santiago

So bekamen Ingrid und ihre Gefährtinnen die Erlaubnis, das Habit der Dominikanerinnen zu tragen und nach der Ordensregel zu leben. 1272 wurde der Grundstein für ihr Kloster vor den Toren von Skänninge gelegt.

Während der Bau fertiggestellt wurde, begaben Ingrid und ihre Gefährtinnen sich auf eine lange Pilgerreise. Aus dem hohen Norden zogen sie hinunter bis nach Palästina, um Jerusalem und die anderen heiligen Stätten zu besuchen. Von dort aus setzten sie über das Mittelmeer und besuchten Rom, um anschließend nach Santiago de Compostela zu pilgern, bevor sie nach Östergötland zurückkehrten.

Am 15. August 1281 wurde die Abtei der Dominikanerinnen von Skänninge in Anwesenheit des schwedischen Königs Magnus III. und des Bischofs von Linköping, in dessen Territorium Skänninge lag, feierlich eingeweiht. Ingrid wurde zur ersten Äbtissin des Klosters gewählt. Sie starb gut ein Jahr nach ihrem Amtsantritt, am 2. September 1282.

1527 wurden im Zuge der Reformation die schwedischen Klöster aufgehoben. Ingrids Reliquien, die nach ihrer Seligsprechung in einem Schrein in die Klosterkirche überführt worden waren, wurden zunächst bei den Birgitten in Vadstena in Sicherheit gebracht, verschwanden aber in den Wirren der Reformationszeit. Dem Birgitten-Kloster Uden in den Niederlanden wurde 1959 eine Hauptreliquie übergeben, die als der Schädel der heiligen Birgitta betrachtet wurde. Möglicherweise handelt es sich hierbei tatsächlich um das Haupt der seligen Ingrid Elovsdotter.

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