„Woche für das Leben“ eröffnet

Hildesheimer Bischof Trelle warnt vor Machbarkeitswahn

Lüneburg (DT/KNA) Die Kirchen haben am Samstag in Lüneburg die „Woche für das Leben“ mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam mit Grenzen leben“. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle unterstrich anlässlich der Eröffnung, der medizinische Fortschritt lege ein „Menschenbild der vollkommenen Machbarkeit“ nahe. Ein solches akzeptiere die Kirche nicht. „Die Botschaft lautet viel zu oft: Der Mensch ist, was er zu leisten vermag“, sagte Trelle. „So ist der Mensch eben nicht.“ Er sei endlich, verletzbar und stoße über kurz oder lang an seine Grenzen, spätestens im Alter.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, forderte Maßnahmen im Bildungssystem, die die Integration behinderter Menschen etwa an Schulen ermöglichten. Derzeit böten die meisten Schulen weder angemessene räumliche Möglichkeiten noch Lehrerqualifikation oder Personalschlüssel, um dies zu gewährleisten, bemängelte Huber. Ebenso sprach er sich für bessere Anerkennung von Pflegeberufen aus. Es sei unverständlich, wieso gerade diese wichtigen Tätigkeiten von Vergütung und Image her so wenig Anerkennung erführen, sagte der Bischof.

Trelle und Huber zeigten sich besorgt über mögliche Abstriche im Sozialbereich angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise. Es sei zu befürchten, dass in Zeiten knapper werdender Kassen auch bei der Alten- und Behindertenhilfe gespart werde, sagten die Bischöfe. Die „Woche für das Leben“ ist eine gemeinsame Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bis zum 2. Mai thematisieren Gemeinden, Verbände und Arbeitsgruppen in zahlreichen Veranstaltungen das Leben mit Behinderten.

Das Leitthema für 2008 bis 2010 lautet „Gesund oder krank – von Gott geliebt“. Der Hamburger Theologe und Wirtschaftswissenschaftler Hanns-Stephan Haas forderte bei einer Podiumsdiskussion einen grundlegenden Wandel in der Behindertenpolitik. Anstatt in teure Heime solle in menschennahe Bildungsstrukturen investiert werden, sagte Haas. Haas kritisierte den Ausschluss vieler Behinderter aus dem Erwerbsleben. Beispiele aus der Praxis zeigten jedoch, wie sie mit kreativen Ideen in den Arbeitsprozess integriert werden könnten. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, schlug die Einführung eines Bildungssiegels „Schule Plus“ für die erfolgreiche Integration Behinderter an Regelschulen vor. Er bezeichnete es als unabdingbare Verpflichtung der Kirchen, das Bewusstsein für die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen zu schärfen.

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