Wer kam – und wer nicht kam

Sondergipfel zu „Vatileaks“ bei Papst Benedikt. Von Guido Horst

Rom (DT) Papst Benedikt hat sich in der vergangenen Woche in seiner Sommerresidenz in Castelgandolfo über die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Affäre der Dokumentenflucht aus dem Vatikan informieren lassen. Bei der entsprechenden Audienz am vergangenen Donnerstag bedankte er sich für die enthaltenen Information und lud die vatikanische Gerichtsbarkeit dazu ein, die Arbeit mit „Sorgfalt“ fortzusetzen. Das teilte das vatikanische Presseamt am Freitag in einem Kommuniqué mit. Anders als bei den gewöhnlichen Mitteilungen über die Audienzen des Papstes üblich, erschien dieses Kommuniqué auf Italienisch, Englisch und Spanisch.

Und es listete, auch das geht über normale Routineerklärungen zu solchen Anlässen hinaus, genau auf, wer an der „Vatileaks“-Besprechung bei Benedikt XVI. teilgenommen hat. Es waren die drei Ruhestandskardinäle, die der Papst mit der Untersuchung der Affäre beauftragt hatte: Julián Herranz, Jozef Tomko sowie Salvatore De Giorgi. Begleitet wurden sie von dem Kapuzinerpater Luigi Martignani, den die Pressemitteilung als Sekretär der Kardinalskommission aufführt. Weiter nahmen der Untersuchungsrichter des Vatikans, der bisher den geständigen Dokumentendieb und päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele vernommen hatte, Professor Piero Antonio Bonnet, sowie der Staatsanwalt am Gericht des Vatikanstaats, Professor Nicola Picardi, an dem Treffen mit dem Papst teil. Doch die Liste war damit nicht zu Ende: Auch der Substitut im vatikanischen Staatssekretariat, Erzbischof Angelo Becciu, der Privatsekretär des Papstes, Prälat Georg Gänswein, der Chef der vatikanischen Gendarmerie, Domenico Giani, sowie der amerikanische Journalist und neue Kommunikationsberater des vatikanischen Staatssekretariats, Greg Burke, waren zu der Audienz geladen.

Bei einer solchen Genauigkeit der Anwesenheitsliste fiel Beobachtern sofort auf, wer nicht an der „Vatileaks“-Besprechung in der päpstlichen Sommerresidenz teilgenommen hatte: Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Vatikansprecher Federico Lombardi SJ. Sie hätte man als erste bei diesem Informationsgespräch vermutet, bei dem es um eine der seltsamsten Affären während des deutschen Pontifikats ging, die den Vatikan nun schon seit geraumer Zeit erschüttert und verunsichert.

Am Freitag gab Pater Lombardi dann vor Journalisten bekannt, dass für den 6. oder 7. August eine Entscheidung über den Fortgang des Verfahrens gegen Gabriele anstehe. Bestätigt der vatikanische Untersuchungsrichter den Verdacht auf Diebstahl päpstlicher Dokumente, könnte es im Herbst zu einem öffentlichen Prozess gegen den Kammerdiener vor dem vatikanischen Gericht kommen. Diesem Prozess vorweggreifend wendet sich immer wieder der Verteidiger und persönliche Freund des unter Hausarrest stehenden Kammerdieners zu Wort. Er heißt Carlo Fusco und gab am Samstag gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa eine Erklärung ab. So sehe der Kammerdiener Gabriele nach Aussage Fuscos dem Prozess gelassen entgegen. Es dürfte auch „keine großen Enthüllungen“ mehr geben, nachdem sein Mandant bereits offen mit den Ermittlern zusammengearbeitet habe. Fusco bestätigte, dass sein Mandant einen Brief an den Papst gerichtet habe. Dabei habe es sich jedoch nicht um ein Gnadengesuch gehandelt, sondern „um eine Korrespondenz zwischen Personen, die sich gut kennen“.

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