Würzburg

Wie eine Hochzeit ohne Antrag

So schaut die SELK auf das Thema Abendmahlsgemeinschaft. Ein Gastkommentar.
3. Ökumenischer Kirchentag
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | "Eucharistische Gemeinschaft ist das Ziel, Dialog der Weg. Nicht umgekehrt", meint Bischof Voigt. Im Bild: Johannes zu Eltz, Stadtdekan in Frankfurt am Main und Pfarrer der Dompfarrei St. Bartholomäus.

Das Thema „Abendmahlsgemeinschaft“ hat auf dem 3. Ökumenischen Kirchentag eine prominente Rolle gespielt. Als lutherische Kirche in ökumenischer Verantwortung, weiß die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) dies sehr zu schätzen, wurden die Altlutheraner doch ab 1817 in ihrem Widerstand gegen die Kirchenunion des preußischen Königs auf die Bedeutung des Abendmahls gestoßen.

Abendmahlsgemeinschaft ist verbindliche Kirchengemeinschaft

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Im Rückblick auf den ÖKT ergibt sich für mich ein sehr uneinheitliches Bild der Haltung unserer römisch-katholischen Glaubensgeschwister. Die Glaubenskongregation hatte im Vorfeld festgestellt, dass die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis „noch so gewichtig“ seien, dass sie eine gegenseitige Teilnahme ausschlössen. Bischof Bätzing schloss nur Interzelebration und generelle Interkommunion aus, äußerte aber, er respektiere, wenn einzelne evangelische Christen zur Kommunion hinzuträten. Der katholische Kirchentagspräsident Thomas Sternberg nahm am evangelischen Abendmahl teil.

In der SELK gilt der Grundsatz, dass Abendmahlsgemeinschaft verbindliche Kirchengemeinschaft ist. Unsere Auffassung deckt sich hierin mit der der Glaubenskongregation. Die Entschuldigung und Bitte um Geduld des katholischen Stadtdekans hätte es in unsere Richtung nicht gebraucht, denn wir sind ja gerade dankbar für einen ökumenischen Dialog, in dem wir ohne Drängen auch die unsererseits bestehenden Anfragen zum Verständnis, was da in evangelischen oder römisch-katholischen Abendmahlsfeiern ausgeteilt und empfangen wird, zur Sprache bringen können.

Das ist heute nicht mehr vermittelbar? Ich glaube doch! Denn wer feiert Hochzeit, bevor überhaupt ein Heiratsantrag angenommen wurde? Welche Parteien schreiten ohne Umstände zur Regierungsbildung, ohne über einen Koalitionsvertrag geredet zu haben? Eucharistische Gemeinschaft ist das Ziel, Dialog der Weg. Nicht umgekehrt.

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