Zug in der Schweiz

Wenn in ein altes Kloster junges Leben kommt

In einem schweizer Kloster entsteht eine neue Jüngerschaftsschule. Das "Orientierungsjahr" ist nicht nur für Katholiken gedacht.
Junge Frau betet
Foto: (220915894) | Der Name ist Programm: Das Orientierungsjahr "Oasis" soll für junge Leute für neun Monate ein Rückzugsort werden, um den Glauben zu entdecken.

Es ist ein Projekt, das Maßstäbe setzt für die katholische Szene in der Deutschschweiz – das christliche Orientierungsjahr für junge Leute im wunderschönen Zug am Zuger See. Dort haben in einem denkmalgeschützten Kloster der Kapuzinerinnen zwei geistliche Gemeinschaften eine Heimat gefunden, die Früchte des Weltjugendtages sind: „Adoray“ – eine Bewegung, deren Mitglieder durch Anbetung und Lobpreis zu Christus in eine lebendige Beziehung treten wollen und „Anima Una“ als Dachorganisation verschiedener katholischer Vereine, die ihren Schwerpunkt in der Mission sehen.

Teilnahme am täglichen Programm ist keine Pflicht

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Sie sind gleichzeitig die Hauptimpulsgeber für die Organisation des christlichen Orientierungsjahres Oasis. Neun Monate lang können junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren an diesem besonderen Ort zwischen See und Bergen den Glauben entdecken und Zeit mit Gott verbringen. Das Oasis-Projekt beginnt am 12. September 2021. Im 600 Jahre alten Kloster Maria Opferung wird als Basis morgens und abends gemeinsam gekocht und gegessen, gearbeitet und gebetet, gelernt und auch manchmal gewandert oder gespielt. Dazwischen finden Studientage mit externen Theologen und Historikern, zum Beispiel zum Aufbau der Heiligen Schrift oder zur Kirchengeschichte, statt. Dabei ist die Teilnahme am täglichen Programm zwar erwünscht, aber keine starre Pflicht. Und weil wir Christen unser Leben als einen einzigen Pilgerweg in Richtung unserer ewigen Heimstatt betrachten, wird es zudem auch Pilgerfahrten geben: Die schönsten und bekanntesten Wege werden gemeinsam erwandert - von Assisi nach Rom, ein Stück auf dem Jakobsweg, aber auch ganz exklusiv eine Pilgerfahrt in der Kleingruppe zu den berühmten Stätten im Heiligen Land.

Wallfahrten, Festivals und eigene Projekte sind geplant

Gegliedert ist das Jahr in drei Etappen à drei Monaten. Von September bis Neujahr heißt das Motto „Den Glauben entdecken“. Dabei helfen Exerzitien und das Pilgern auf dem Jakobsweg. In diesem Zeitraum findet auch das Adoray-Festival statt, eine Teilnahme daran ist vorgesehen. Das erste Vierteljahr 2022 wird als zweite Etappe geprägt sein von „In Liebe wachsen“ -  ganz besonders in der Liebe zu Gott, aber genauso in der Liebe zum Nächsten. Hier können auch eigene Projekte geplant und umgesetzt werden. „Hoffnung schenken“ heißt es dann in der Zeit von Ostern und Pfingsten im Jahr 2022 mit der Teilnahme am Weltjugendtag, einem Sozialeinsatz, einer kleinen Auszeit in Form von Ferien und als Abschluss des Jahresprogrammes die Wallfahrt von Assisi nach Rom.
Das Oasis-Projekt findet in einer kleinen, überschaubaren Gruppe von zunächst fünf bis sieben jungen Erwachsenen statt, sodass viel Raum für persönliche Wünsche, Bedürfnisse und Austausch sowohl mit Seelsorgern und Referenten als auch in der Gemeinschaft bleibt. Die Veranstalter haben diese schon in der Namensgebung für dieses Jahr anklingen lassen: Das Wort „Oase“, das ganz selbstverständlich im deutschen Wortschatz verwendet wird, häufig auch im übertragenen Sinne, kommt aus der koptischen Sprache. Dort bedeutet „ouahé“ soviel wie „bewohnter Ort“ und meint einen Rückzugsort, einen Ort der Fruchtbarkeit und des Friedens.

Das Programm ist für Christen aller Konfessionen offen

Es ist genau das, was die Organisatoren im Sinne haben, im doppelten Sinne sogar: Sie wollen diese Oase des Rückzugs, der geistlichen Fruchtbarkeit und des inneren Friedens gemeinsam mit den Teilnehmern gestalten und mit Leben erfüllen. Zugleich geht es darum, den jungen Erwachsenen zu zeigen, wie sie ganz konkret in ihrem eigenen Leben zu einer Oase werden können, in der sich die göttliche Präsenz zu zeigen vermag, zu von Geist und Liebe erfüllten Christen, die ihren Mitmenschen helfen können, äußeren und inneren Frieden zu finden.  Dabei handelt es sich um ein Programm, das nicht nur Katholiken und Christen aller Konfessionen offensteht. Die Teilnehmer sollten zumindest ehrliches Interesse am Glauben und an der Kirche mitbringen.

Die Organisatoren verfügen über zum Teil jahrzehntelange Erfahrung in der Jugendpastoral. Und sie haben Visionen. Da ist zum Beispiel Natalie Triner, eine Co-Leiterin des Projektes und selbst gerade 24 Jahre alt. Sie wünscht sich eine junge Generation, „für die der Glaube das tragende Fundament ist“. Die jungen Erwachsenen sollen „den Liebesplan Gottes in ihrem Leben entdecken“ dürfen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg kann dieses beispielgebende Schweizer Projekt sein. Johannes Tschudi, 26, ist der Präsident der Oasis-Initiative. Er spricht aus eigener Erfahrung, wenn er sagt, dass er selbst nach dem Schulabschluss nur zu gerne ein solches christliches Jahr absolviert hätte: „Ich habe immer mehr den Eindruck, dass wir herausgefordert sind, den Glauben ganzheitlich zu leben, nicht als Ausnahmezustand neben dem normalen Leben, sondern mittendrin, im ganz konkreten Alltag. Im christlichen Orientierungsjahr dürfen Leben und Glauben tiefer zusammenwachsen.“

Oberhirtliche Unterstützung durch Einsiedeln-Abt

Und auch oberhirtlichen Zuspruch gibt es für dieses bahnbrechende Unternehmen: Der Abt von Kloster Einsiedeln, Urban Federer, ist Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz und dort zuständig für das Referat Bildung. „Schön, dass es das christliche Orientierungsjahr gibt“, freut er sich und möchte das Projekt allen Jugendlichen besonders empfehlen.

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Was ist zu tun und wo kann man sich für eine Teilnahme anmelden? Eine Mail schreiben an die Adresse kontakt@oasis-jahr.ch oder das Kontaktformular auf der Webseite https://oasis-jahr.ch/ nutzen. Die Veranstalter senden dann erste Informationen zu - sie möchten Dich ein wenig näher kennen lernen. In einem zweiten Schritt erfolgt dann eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch, in dessen Verlauf sich große und kleine Fragen und Erwartungen klären lassen. Man kann diesem Projekt nur lebhaftes Interesse und öffentliche Aufmerksamkeit wünschen, handelt es sich doch „um eine einmalige Chance für junge Erwachsene, Gott besser kennenzulernen, Zeit mit ihm zu verbringen und sich eine Auszeit, weg vom Alltagstrott, zu gönnen“, so die Präsidentin der Anbetungs- und Lobpreisgemeinschaft Adoray Schweiz, Rahel Kölbener (30).

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