Regensburg

Voderholzers Spürsinn

Im Amt des Katechisten liegt eine Chance für alle, die echte Reformen wollen. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer beweist feinen Spürsinn, indem er die Einführung des neuen Amtes nicht auf die lange Bank schiebt, sondern zügig anpackt. Ein Kommentar.
Bischof Rudolf Voderholzer
Foto: Arne Dedert (dpa) | Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer macht alles richtig, wenn er das Amt des Katechisten schnell einführt.

Die Professionalisierung des Seelsorgebetriebs erlegt sich in Deutschland Selbstbeschränkungen auf, die ausgerechnet den wichtigsten Bereich der Glaubensweitergabe betreffen: die Katechese. Ähnliche Ausbildungswege und Tätigkeitsfelder, die hervorstechende Fülle der Hauptamtlichen in Seelsorgeteams sowie die bewusst nicht in Anspruch genommene Einsatzfreude pensionierter Priester beschneiden die Vielfalt, von der das Feld der Katechese lebt.

Katechese wird oft stiefmütterlich behandelt

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Wenn bei Pfarreireformen mitunter die Unbeweglichkeit beklagt wird, die couragierten Neuanfängen im Weg steht, ist auch dies als eine Ursache zu nennen: In der Hierarchie der selbst gesteckten Ziele wird die Katechese oft stiefmütterlich behandelt und Verteilungskämpfen um Macht und Verantwortung nachgeordnet. Daher liegt im neuen Amt des Katechisten, das Papst Franziskus kürzlich eingeführt hat, eine Chance für alle, die echte Reformen wollen. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer beweist feinen Spürsinn, indem er die Einführung des neuen Amtes nicht auf die lange Bank schiebt, sondern zügig anpacken. Es ist die Vielfalt der Biografien und Talente, die der Glaubensweitergabe zugute kommen, wenn sie mit solider Glaubenskenntnis  gepaart ist. Und: Katechisten können heilsame Unruhe in die hauptamtliche Bewirtschaftung der Seelsorgeterritorien bringen, indem sie zeigen, dass jedes Gran Kreativität für die Glaubensweitergabe gebraucht wird.

Katechese gleicht einer breiten Klaviatur: In Zeiten, in denen das selbstverständliche Erlernen religiöser Bräuche und Beten für immer mehr Menschen unerreichbar ist, kann es hier kein Zuviel geben. Zugleich können Katechisten den Grundstein für die Sakramentenvorbereitung legen. Ob daraus ein Beispiel für geglückte Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien wird, hängt allerdings auch von den Pfarrern ab. Das Amt des Katechisten einzuführen ist in jedem Fall anspruchsvoller, als ritualisierte Forderungen an die Institution Kirche zu richten oder mit dem Finger auf "Rom" zu zeigen. Vermutlich fallen die Reaktionen darauf auch in der ansonsten reformfreudigen deutschen Ortskirche bislang überschaubar aus.

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