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Roswitha Fischer: Eine starke Frau

Die plötzlich verstorbene Bundesvorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen Roswitha Fischer verkörperte weibliche Klugheit in Zeiten schier unerschöpflicher pädagogischer Dummheit.
Roswitha Fischer
Foto: Frm (dpa) | Roswitha Fischer, Vorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen verstarb am Mittwoch im Alter von 72 Jahren.

Die klugen Köpfe im deutschen Katholizismus sind in der Regel fern der lautstarken Kämpfer in den Gremien zu finden. Zu den unabhängigen katholischen Stimmen hierzulande gehörte Roswitha Fischer, die am 29. Juli plötzlich verstorbene langjährige Bundesvorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen in Deutschland (VkdL). Der Name der Institution steht für weibliche Vorbilder wie die heilige Edith Stein, die dem Verein vor ihrem Eintritt in den Kölner Karmel angehörte, aber auch für unzählige Frauen, die ihren Lehrerinnenberuf nicht als Job, sondern als Berufung auffassten. Roswitha Fischer passte in dieses Bild: Niemals Dienst nach Vorschrift, aber stets Pädagogin mit Leib und Seele. Geistliche Mutterschaft lebte sie in Zeiten maximaler pädagogischer und religiöser Verwirrung nicht nur ihren Schülern, sondern auch deren Eltern vor. Im 21. Jahrhundert ist der Lehrerinnenzölibat, der im vorigen Jahrhundert gegen den Widerstand vieler katholischer Pädagoginnen abgeschafft wurde, zwar weitgehend in Vergessenheit geraten, aber an Roswitha Fischer leuchtete noch einmal seine Sinnhaftigkeit auf.

Professionelle Distanz und menschliche Wärme

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Professionelle Distanz und menschliche Wärme, vor allem aber ihr beständiges Interesse an Kindern und Jugendlichen beanspruchten ihren ganzen Einsatz als Frau, die sich nicht zwischen Beruf und eigener Familie aufteilen musste. Ihre Schülerinnen lernten an ihr ein alternatives Lebensmodell zu dem der eigenen Mutter kennen.

Als Mensch gänzlich unbieder und von kerniger bayerischer Herzlichkeit, war sie eigentlich immer im Dienst für andere; eine geduldige Beobachterin, die den Pflock nicht vorschnell einschlug, aber energisch die notwendigen Grenzen zog, wenn sie Fehlentwicklungen erkannt hatte. Letzteres sollte sich als eine ihrer Hauptaufgaben herausstellen, denn Fischers Berufsjahre fielen in eine Zeit, in der sich unsinnige Schulreformen und pädagogische Dummheiten geradezu überschlugen. Zwischen den Tücken von G8 und Gender-Mainstream warfen manche jüngeren Kollegen entnervt das Handtuch, während Fischer aushielt: Die Tugend der Beharrlichkeit lebte sie ihren Schülern konsequent vor.

Als erfahrene Oberstudienrätin an einem Mädchengymnasium machte sie keinen Hehl aus den Vorzügen der geschlechtergetrennten schulischen Ausbildung, die sie selbst aus erster Hand kannte und setzte pädagogischen Experimenten ihre nüchterne Einschätzung entgegen. Eltern und Lehramtsstudenten, die mit der Fülle der schulischen Neuerungen schlicht überfordert waren, konnten sich auf Fischers Urteil verlassen.

Gegen den pädagogischen Mainstream

Gegen den pädagogischen Mainstream hielt sie am gegliederten Schulwesen fest, das unterschiedlichen Begabungen angemessen Rechnung tragen kann. In Zeiten, in denen die ideologische Gleichmacherei von Schülern zum Pflichtprogramm linker Pädagogen gehört, auf das mitunter auch Eltern hereinfallen, ließ sich Fischer nicht aus dem Konzept bringen.

Der Verein deutscher katholischer Lehrerinnen, dem sie seit 2002 als Bundesvorsitzende vorstand, war in ihrer Amtszeit eine der wenigen verlässlichen Stimmen zu pädagogischen Fragen, vor allem aber ein sicherer Hafen gegen die religiöse Gleichgültigkeit in der mittleren Führungsebene vieler Ordinariate. Für den konfessionellen Religionsunterricht trat Roswitha Fischer mit mehr Überzeugung ein als mancher deutsche Bischof, der im konfessionsgemischten Unterricht einen Heilsweg der Ökumene vermutet. Im deutschen Katholizismus wird Roswitha Fischers klare Stimme fehlen.

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