Vatikanstadt

Katechetenamt: Ein altes Charisma neu entdeckt

Mit dem neu eingeführten Katechetenamt sollen die Bischöfe daran erinnert werden, dass sie die Heilsmission der Kirche nicht allein vollbringen müssen. Gleichzeitig geht damit eine Warnung einher, dass die Laien nicht die Kleriker ablösen.
Papst Franziskus und Erzbischof  Fisichella
Foto: Angelo Carconi (ANSA) | Papst Franziskus wird von Erzbischof Rino Fisichella begleitet. Der Papst führt das Katechetenamt ein, Fisichella stellte das neue Dokument gemeinsam mit dem deutschen Kurienbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst am ...

Die katholischen Bischofskonferenzen in der Welt erhalten eine neue Aufgabe: Mit dem als Motu proprio am Dienstag veröffentlichten Apostolischen Schreiben „Antiquum ministerium“ zur „Einführung des Dienstes des Katecheten“ vertraut Papst Franziskus den Episkopaten aller Länder die Aufgabe an, „den Dienst des Katecheten in die Praxis umzusetzen, indem sie den notwendigen Ausbildungsweg sowie Normen und Kriterien für den Zugang zu diesem Dienst festlegen.“

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Amt den Nicht-Klerikern vorbehalten

Die Bischöfe sollen sich dabei die Mahnung der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils zu eigen machen, die die Hirten in „Lumen gentium“ 30 daran erinnert hatten, „dass sie von Christus nicht bestellt sind, um die ganze Heilsmission der Kirche an der Welt allein auf sich zu nehmen, sondern dass es ihre vornehmliche Aufgabe ist, die Gläubigen so als Hirten zu führen und ihre Dienstleistungen und Charismen so zu prüfen, dass alle in ihrer Weise zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenarbeiten“. Die Unterscheidung der Gaben, an denen es der Heilige Geist seiner Kirche nie fehlen lasse, heißt es in „Antiquum ministerium“, soll also für die Bischöfe „die gebührende Stütze sein, um den Dienst des Katecheten zum Wachstum ihrer Gemeinden in die Praxis umzusetzen.“

Mit einer geregelten Vorbereitung auf den jetzt vom Papst errichteten laikalen Dienst der Katecheten, der wie das Amt des Akolythen und des Lektors den Nicht-Klerikern vorbehalten ist, und dem aktiven Wirken von Laien im Katechetendienst in der Seelsorge des 21. Jahrhunderts betritt die Kirche zwar Neuland, aber die Figur dieses „lehrenden Laien“ ist so alt wie das Evangelium. Dementsprechend heißt es in den ersten beiden Sätzen des Motu proprio vom Dienstag: „Der Dienst des Katecheten in der Kirche ist sehr alt. Es herrscht unter den Theologen Einvernehmen darüber, dass die ersten Beispiele bereits in den Schriften des Neuen Testaments zu finden sind.“

Vorbeugung einer Klerikalisierung der Laien

Schon der Evangelist Lukas, so heißt es zu Beginn des Schreibens, der kein Apostel und Presbyter war, habe sich zu Beginn seines Evangelienberichts dem Theophilus als Lehrender vorgestellt, als jemand, der die Zuverlässigkeit der Lehre bezeugen könne. Die Kirche habe diese Aufgabe immer als Charisma anerkannt. Man dürfe deshalb die unzählbare Menge von Laien nicht vergessen, heißt es in „Antiquum ministerium“, die schon immer durch die katechetische Unterweisung unmittelbar an der Verbreitung des Evangeliums mitgewirkt hätten: „Männer und Frauen, die beseelt von einem tiefen Glauben und als authentische Zeugen der Heiligkeit in einigen Fällen auch Gemeinden gegründet und sogar ihr Leben hingegeben haben. Zahlreiche fähige, standhafte Katecheten leiten auch in unseren Tagen in verschiedenen Regionen der Welt Gemeinden und üben bei der Weitergabe und der Vertiefung des Glaubens eine unersetzliche Mission aus. Die große Schar der seligen, heiligen und als Märtyrer gestorbenen Katecheten hat die Sendung der Kirche geprägt.“ Es lohne sich, sie zu kennen, denn sie stellt eine fruchtbare Quelle nicht nur für die Katechese, sondern auch für die Geschichte der christlichen Spiritualität insgesamt dar.

Erzbischof Rino Fisichella, der Präsident des Päpstlichen Rats für Neuevangelisierung, und der deutsche Kurienbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, Delegat für Katechese am gleichen Rat, stellten das neue Dokument am Dienstag vor Journalisten vor. Beide legten Wert darauf, dass mit dem neu errichteten Dienst in der Kirche einer Klerikalisierung der Laien vorgebeugt werden solle. Der Dienst des Katecheten, sagte Fisichella, müsse in einer „säkularen“ Weise gesehen werden, „ohne Formen des Klerikalismus anzunehmen, die die wahre Identität dieses Dienstes trüben würden, der auch nicht in einem liturgischen Zusammenhang stehen muss“. Ganz im Gegenteil, so fügte Tebartz van-Elst an, widersetze sich der Dienst des Katechisten einer Klerikalisierung der Laien wie auch einer Laikalisierung des Klerus. Impulse für die Wiederentdeckung dieses Laien-Dienstes seien vom Zweiten Vatikanum ausgegangen, hebt das Motu proprio des Papstes hervor, wie es auch die beiden Bischöfe bei der Präsentation unterstrichen.

Amt nicht für jeden, der bereits in der Katechese wirkt

Paul VI. habe in „Evangelii nuntiandi“ den Dienst der Katecheten ausdrücklich genannt und gewürdigt. Im Motu proprio von Franziskus werden einige Dokumente genannt, die nach dem Konzil „eine bemerkenswerte Erneuerung der Katechese bewirkt“ hätten: Der „Katechismus der Katholischen Kirche“, das Apostolische Schreiben „Catechesi tradendae“, das „Allgemeine Katechetische Direktorium“, das „Allgemeine Direktorium für die Katechese“ und das kürzlich veröffentlichte „Direktorium für die Katechese“ seien zusammen mit den vielen nationalen, regionalen und diözesanen Katechismen „ein Ausdruck der zentralen Bedeutung der katechetischen Unterweisung, die Unterricht, Aus- und Weiterbildung der Gläubigen stark in den Vordergrund rückt“.

Dass Franziskus dieses Dienstamt nun errichtet habe, werde einige Konsequenzen haben, wie Erzbischof Fisichella ankündigte. Nicht jeder, der heute schon als Katechet oder Katechetin in der Kirche wirke, könne auch mit dem neu geschaffenen Dienstamt beauftragt werden. Im Einzelfall sei vor allem festzustellen, ob der Betreffende wirklich eine Berufung habe, in der Kirche dort zu wirken, wo ihn der Bischof am wirksamsten sieht. So sei es dann auch kein zeitlich begrenzter Dienst, sondern eine Lebensaufgabe. Das Amt des Katecheten sei keine persönliche Auszeichnung, sondern ein Dienst an der Ortskirche an an der Stelle, an der der Bischof einen Katecheten für notwendig hält.

Nationale Bischofskonferenzen für Ausbildung zuständig

Wie Fisichella weiter sagte, liege es jetzt bei den nationalen Bischofskonferenzen, entsprechend den örtlichen Traditionen und Gegebenheiten die Voraussetzungen für den Dienst festzulegen wie etwa das Alter der Kandidaten oder die entsprechende Ausbildung. Die Kongregation für die Gottesdienste sei schon beauftragt, in kurzer Zeit einen liturgischen Ritus für die Beauftragung zum Katechetendienst durch den Bischof vorzulegen. Sein eigener Rat für die Neuevangelisierung werde jede Unterstützung leisten, damit sich dieser neue Dienst in der Kirche ausbreiten kann, und auch Formen finden, um die Ausbildung der Katecheten zu fördern.

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Guido Horst

Kirche