Washington

Im Blickpunkt: Die Botschaft ist angekommen

Wie deutlich der Appell der Christen zugunsten des Schutzes Ungeborener in der amerikanischen Öffentlichkeit angekommen ist, bestätigte in diesem Jahr Präsident Trump mit seiner Teilnahme am March for Life.
Donald Trump beim March for Life
Foto: Evan Vucci (AP) | Das Recht eines jeden Kindes zu verteidigen, ob geboren oder ungeboren, um das gottgegebene Potenzial zu erfüllen", so die unangreifbare Formel von Donald Trump beim March for Life.

Gäbe es ein weltweites Ranking für überzeugende ökumenische Projekte, wäre der alljährliche Marsch für das Leben in Washington haushoher Favorit. Alle Kriterien, die glaubwürdige Ökumene auszeichnen, sind dort erfüllt: sichtbare Kampagnenfähigkeit der Christen, eine der Ökumene angemessene Themenwahl, hohes Sendungsbewusstsein für die Pflicht der Getauften, über die konfessionellen Grenzen hinweg für Gottes Gebote öffentlich einzustehen, sowie das den jeweiligen Charismen entsprechende Zusammenspiel zwischen Geistlichen und Laien. In der Summe ergibt das ein glasklares Signal in die Gesellschaft, das Sogkraft erzeugt.

Warum waren nicht mehr Christen dabei?

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Wie deutlich der Appell der Christen zugunsten des Schutzes Ungeborener in der amerikanischen Öffentlichkeit angekommen ist, bestätigte in diesem Jahr Präsident Trump. Es ist müßig, nun zu argwöhnen, lediglich politisches Kalkül habe den bis dato nicht als eifrigen Kirchgänger aufgefallenen Donald Trump zur Teilnahme am Marsch für das Leben bewogen. Richtig gestellt lautet die Frage: Warum waren nicht mehr Christen dabei? Ökumene bezieht ihre Glaubwürdigkeit nicht allein aus frommer Gesinnung und erbaulichen Gefühlen, sondern auch aus vernünftiger Abwägung für das Machbare und der Courage, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Die Gewissen für den Schutz des ungeborenen Lebens zu sensibilisieren und sich gegenseitig auf den Mühen dieser schier nicht endenwollenden Ebene zu bestärken ist heute die Aufgabe der Christen schlechthin. Der Präsident brachte dies auf die unangreifbare Formel: „Das Recht eines jeden Kindes zu verteidigen, ob geboren oder ungeboren, um das gottgegebene Potenzial zu erfüllen.“ Was hält ökumenische Arbeitskreise in unseren Breiten davon ab, mit solchen Ansagen Mut zu öffentlichkeitswirksamem Engagement für das Leben zu machen?

Zögen Gläubige verschiedener Konfessionen mit einer den christlichen Mainstream verkörpernden Politikerin wie beispielsweise der Sprecherin des Repräsentantenhauses in den USA, Nancy Pelosi, vor die Bischofskirche des Oberhirten von Washington, um von der katholischen Kirche die Einführung der Interkommunion zu fordern, fiele die Entrüstung vermutlich leiser aus. Wozu auch Anstoß an einer Gruppe nehmen, die kein Stachel im Fleisch der Gesellschaft wäre, sondern sich innerlich selbst an ihren Zwistigkeiten aufreibt.

Die Welt im Sinne des Evangeliums zum Guten verändern

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Dabei sollten Katholiken wie Pelosi durchaus nicht weniger skeptischen Fragen ausgesetzt werden als der Präsident: Aufgrund welcher politischer Überlegungen halten sie sich eigentlich hartnäckig vom Marsch für das Leben fern? Immerhin geht es um das Leben zahlloser Frauen und Kinder – Grund genug, die Welt im Sinne des Evangeliums zum Guten verändern zu wollen.

Der Marsch für das Leben in den USA bildet ein Korrektiv zu zahlreichen Missverständnissen in der Ökumene. Zum einen die verbreitete Fehleinschätzung, Laien müssten sich primär um lehramtliche Fragen und die Aufweichung dogmatischer und pastoraler Grenzen in der katholischen Kirche bemühen, statt die Welt mitzugestalten. Zum anderen konterkarieren die Teilnehmer die Fehlvorstellung, Christen sollten möglichst unauffällig bleiben und Demonstrationen meiden. Viele westliche Gesellschaften nehmen das Christentum kaum noch ernst: die Statistik der Kirchenschändungen und Taufen in Westeuropa kommentieren sich selbst. Das Engagement für den Lebensschutz krankt in unseren Breiten oft an der Bereitschaft, in der Öffentlichkeit Gesicht zu zeigen. Beschwichtigungstaktiker halten dem entgegen, der Lebensschutz sei ein Querschnittsthema, das alle Bereiche des kirchlichen Lebens derart intensiv durchdringe, dass es keine weiteren Personen brauche, etwa in Form eines eigens für Lebensschutzfragen Beauftragten der Bischofskonferenz. Traut man den Bischöfen weniger Argumentationsstärke zu als Trump?

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