Weiter „päpstlich“ und „katholisch“

Limas Universität lenkt gegenüber dem Vatikan nicht ein. Von Hildegard Wille

Lima (DT/KNA) Die Universitätsversammlung der Katholischen Universität Perus hat am Montag nach ganztägiger Beratung bekannt gegeben, dass sie sich vorerst weiter „päpstlich-katholisch“ nennen will. Der Name sei durch peruanische Gesetze geschützt und unterstehe nicht dem Kirchenrecht. Genau das weist der Vatikan in einem von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone unterzeichneten Schreiben vom 11. Juli an den Rektor der Universität zurück. Darin untersagt Rom der renommierten Hochschule, weiter „katholisch“ und „päpstlich“ im Titel zu führen, weil sie ihre Statuten trotz mehrmaliger Aufforderung nicht fristgerecht an die Apostolische Konstitution „Ex Corde Ecclesiae“ über die katholischen Universitäten angepasst habe. Die Universität unterstehe aber weiter kirchlichem Recht.

Damit herrscht nun ein offener Streit zwischen dem Vatikan und der Universität mit ihren gut 23 000 Studenten. „Wir sind nicht erschrocken, sondern entrüstet“, kommentierte ein Universitätssprecher das vatikanische Schreiben. Für die Verantwortlichen der Hochschule steht weniger der Vatikan selbst denn der Erzbischof von Lima, Kardinal Juan Luis Cipriani, hinter dem Bemühen, die Universität und ihre Liegenschaften unter kirchliche Kontrolle zu stellen. Der Streit schwelt seit vielen Jahren, hat aber seit 2007 an Brisanz gewonnen, als Kardinal Cipriani, auch Großkanzler der Universität, eine Mitbeteiligung an der Vermögensverwaltung der Hochschule forderte. Der Fall ist seit Jahren vor peruanischen Gerichten anhängig. Streitobjekt ist ein Testament, in dem der 1944 verstorbene peruanische Gelehrte und Aristokrat Jose Riva-Aguero die 1917 gegründete Universität als Alleinerbin seines beträchtlichen Vermögens einsetzte. In den Konflikt ist auch die Peruanische Bischofskonferenz involviert.

Die Tageszeitung „El Comercio“ hatte am Sonntag in Auszügen zwei von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone unterzeichnete Briefe veröffentlicht, die eigentlich privater Natur sind. In einem Brief an den Rektor der Universität, Marcial Rubio, wird dieser direkt für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht. Aber auch Erzbischof Salvador Pineiro Garcia-Calderon als Vorsitzender der Bischofskonferenz ist ins Visier geraten. Die Bischöfe hatten in dem Streit zwischen dem Vatikan und der Universität zu vermitteln versucht. Damit hätten sie nur mehr Verwirrung gestiftet, wirft Bertone dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz vor. Salvador Pinheiro betonte daraufhin am Montag im Gespräch mit peruanischen Medien den Gehorsam gegenüber Rom, gab aber auch der Hoffnung Ausdruck, dass es doch noch zu einer Übereinkunft zwischen Hochschule und Vatikan kommen könnte. Eine solche Übereinkunft könnte wohl nur noch auf diplomatischem Wege erreicht werden.

Der Zwist um die Katholische Universität ist inzwischen weit über die Grenzen Perus hinaus bekannt und dürfte auch Papst Benedikt XVI. persönlich beschäftigen. Er ist – ebenso wie der neue Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller – Ehrendoktor der in den Augen des Vatikan allzu liberalen und aufmüpfigen Uni. Sollten nicht höchste Stellen einschreiten, könnte die Universität wohl auf den Titel „päpstlich“ verzichten, so ein Sprecher der Universität. Am Prädikat „katholisch“ dagegen wolle sie unbedingt festhalten: Die Hochschule, so die Universitätsversammlung aus Studierenden, Professoren und Verwaltung, beziehe ihre Richtlinien weiter aus katholischen Werten. Genau jene inspirierten sie als autonome, demokratische, kreative, kritische und pluralistische Universität.

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