Vandalismuswelle wirft Schatten auf Jubiläum

Profanierte Gotteshäuser: Bistum Belley-Ars lässt Tabernakel in Pfarrkirchen räumen. Von Regina Einig
Foto: IN | Tatort Altarraum: Was die Gläubigen in der Kirche von Saint-Etienne-du-Bois im November 2014 vorfanden, ist kein Einzelfall.
Foto: IN | Tatort Altarraum: Was die Gläubigen in der Kirche von Saint-Etienne-du-Bois im November 2014 vorfanden, ist kein Einzelfall.

Würzburg (DT) Bilder wie aus den Tagen der Großen Revolution schockieren in diesen Tagen französische Gläubige. Nach „schwersten Profanierungen“ mehrerer Kirchen hat das Bistum Ars-Bellay vor wenigen Tagen die Reißleine gezogen und alle Pfarrer angewiesen, das Allerheiligste unverzüglich aus dem Tabernakel der Pfarrkirche zu entfernen und sicher zu verwahren. Die Tabernakeltüren sollen offen bleiben. Von der Notmaßnahme ausgenommen sind metallene Tabernakel mit Sicherheitsschlössern. Das Allerheiligste darf zum öffentlichen oder privaten Gebet in der Kirche aufbewahrt werden, „wenn eine ausreichende Anzahl von Gläubigen anwesend ist“, heißt es in der Mitteilung des Generalvikars.

Getrübte Feststimmung herrschte am 8. Februar unter den Gläubigen der Diözese Ars-Bellay, als das Jubiläumsjahr zum 200. Jahrestag der Priesterweihe des heiligen Pfarrers von Ars Jean-Marie Vianney eröffnet wurde. In den Tagen zuvor hatten Einbrecher fünf Dorfkirchen im Bistum profaniert: In Neuville-les-Dames hatten die Gläubigen am 6. Februar den Tabernakel der Kirche Saint-Maurice leer vorgefunden. Dasselbe Bild bot sich in der Pfarrkirche Notre-Dame in Ambronay. In der Kirche Saint-Martin in Vonnay fehlten am 7. Februar zwei Ziborien. Am folgenden Tag bemerkten die Gläubigen der Pfarrei Saint-Etienne in Jujurieux, dass das Ziborium im Tabernakel ihrer Kirche fehlte. In allen vier Kirchen hatten die Diebe die heiligen Gefäße mitgenommen und die konsekrierten Hostien ausgeschüttet. Noch härter traf es die Stiftskirche Notre-Dame des Marais in Montluel. Dort fand der Pfarrer am selben Wochenende nur noch den leeren Tabernakel vor, auch die Hostien fehlten.

Der Schock sitzt tief, denn diese Vandalismuswelle ist nicht die erste, von der das Bistum im Osten Frankreichs betroffen ist. Bereits im Oktober und November 2014 hatte das Bistum „schwerste Profanierungen“ in vier Kirchen angezeigt. Aufgebrochene Tabernakel, Hostiendiebstahl und entwendete Kunstgegenstände führten zu Strafanzeigen und bewogen einzelne Pfarrer bereits dazu, das Allerheiligste aus den Pfarrkirchen zu entfernen. Bischof Pascal Rolland feierte mit den Gläubigen Sühnemessen. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Zuletzt war Mitte Januar in eine Kirche eingebrochen worden. Schon im Herbst 2014 äußerte das Bistum Belley-Ars die Annahme, dass es sich bei den Tätern um Geistesverwirrte handeln könne. Doch sei nicht auszuschließen, dass sie aus der Satanistenszene stammten, und gezielt konsekrierten Hostien im Visier gehabt hätten. Ziborien befinden sich in Frankreich im Kirchenbesitz, sofern sie vor 1905 von den Pfarreien erworben wurden. Heilige Gefäße jüngeren Datums gehören der Ortsgemeinde.

Während Frankreichs Staatschef François Hollande nach der Schändung von mehr als 200 jüdischen Gräbern im Elsass bei einer Gedenkfeier über „extremistische Dummheit“ und „antisemitische Vorurteile“ klagte, diskutierten französische Blogger über das Schweigen der Medien angesichts der zunehmenden Übergriffe auf katholische Gotteshäuser. In den vergangenen zwei Jahren häufen sich Einbrüche und gezielte Störmanöver in den katholischen Kirchen des Landes. Als Vorbereitung auf den 200. Tag der Priesterweihe des heiligen Pfarrers von Ars am 13. August haben Pfarrer des Bistums Belley-Ars die Gläubigen eingeladen, häufiger ihre Kirchen zu besuchen.

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