„Unser Lebenszeugnis entscheidet“

Was bleibt vom Weltjugendtag? Eine Bilanz von Anne Pelzer von der Jugend 2000 im Erzbistum Köln

Du hast ja schon Weltjugendtagserfahrung von Köln her. Wie fandest du es in Sydney?

Sehr gut. Die Stadt ist unglaublich beeindruckend. Überhaupt ist die Tatsache, dass ich hier in Australien sein kann, ein Geschenk für mich. Ohne Weltjugendtag wäre ich wahrscheinlich nie hierher gekommen. Es war einfach überwältigend, die vielen jungen Leute zu sehen mit ihren Fahnen, wie sie gesungen und sich gemeinsam gefreut haben. Höhepunkt war natürlich die Ankunft des Heiligen Vaters, die Vigil und der Gottesdienst mit ihm. Das war ein Riesenereignis. Für mich persönlich war auch seine Ankunft am Donnerstag mit dem Schiff berührend. Das hat mich an Köln erinnert, wo ich selbst die Ehre hatte, auf dem Papstschiff mitfahren zu dürfen. Von daher hat mich das tief bewegt.

Der Trubel während des Weltjugendtags war enorm. Bist du trotzdem zur inneren Einkehr und Ruhe gekommen?

Das war relativ schwierig. Denn das Program war sehr dicht. Katechesen, Konzerte, Gottesdienste. Die Wege zu den Veranstaltungsorten waren weit, und ich wollte natürlich überall dabei sein. Da wünschte ich mir manchmal schon mehr Zeit für Ruhe, um all die vielen Eindrücke auch einordnen zu können. Dann fehlte mir bisher auch ein wenig die Zeit für das persönliche Gebet zum Beispiel im Rahmen einer Eucharistischen Anbetung. Das ist leider zu kurz gekommen. Deshalb hoffe ich, dass ich das nach dem Weltjugendtag noch nachholen kann.

Was bedeutet der Weltjugendtag für deine persönliche Spiritualität? Sind das nur einmalige Ausnahmeevents, oder kannst du davon auch langfristig zehren?

Weltjugendtage sind ein bereichernder Teil meiner Spiritualität. Natürlich kann man das nicht immer haben. Aber ich nehme die Erfahrung mit nach Hause, dass so viele andere jungen Menschen hier sind und ihren Glauben öffentlich bekennen, leben und lieben. Da merkt man, dass man nicht allein ist. Ich finde es bemerkenswert, dass viele beispielsweise in einem Schnellimbisslokal ganz selbstverständlich vorher ein Tischgebet sprechen. Das ist ja meist gar nicht mehr üblich. Oder dass in der Bahn oder auf den Straßen nicht nur Schlager gesungen werden, sondern auch Lieder, die von Jesus und vom Glauben handeln. Überhaupt ist die ganze Freundlichkeit und Begeisterung für mich eine Stärkung im Glauben. Und der Heilige Vater ist natürlich immer der Höhepunkt von allem. Seine Worte bestärken mich.

Was hat dich in den Ansprachen des Papstes besonders berührt?

Vor allem die Tatsache, dass wir berufen sind, Zeugnis zu geben, besonders denen, die auf der Suche sind. Das konnte man auch auf dem Pilgerweg zur Abschlussmesse deutlich erkennen, als eine kleine Gruppe von Demonstranten mit Benedetto-Rufen überschallt wurden. Man muss gar nicht immer vom Glauben sprechen. Vielmehr entscheidet unser Lebenszeugnis. Das reicht manchmal schon, um andere aufmerksam zu machen und anzustecken.

Was kann man von Sydney nach Deutschland mitnehmen im Hinblick auf die Jugendarbeit in unseren Diözesen?

Die Kraft und Lebendigkeit des Weltjugendtags und die Tatsache, dass die Kirche jung ist, das ist ein ermutigendes Zeugnis nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Weltkirche.

Angst vor dem spirituellen Loch, in das man danach fallen kann?

Nein. Ich habe viele Eindrücke bekommen. Die müssen sich erst setzen. Davon kann ich noch lange zehren – und in Deutschland habe ich ohnehin regelmäßige Gebets- und Messzeiten, auch durch die Jugend 2000.

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